Salzmannpreis 2018 für ehemaligen LOFT-Vorstand

Hubertus Staudacher wurde am 15.11.2018 durch den Thüringer Bildungsminister, Helmut Holter, für sein hohes Engagement im Bereich der Erwachsenenbildung ausgezeichnet.

Die Jury des Salzmannpreises folgte in diesem Jahr dem Vorschlag von LOFT und ehrte den langjährigen Erwachsenebildner und das langjährige Mitglied des LOFT-Vorstandes, Hubertus Staudacher, für den Aufbau wertschätzender Beziehungen in der Erwachsenenbildung vor.
Hubertus Staudacher hat mehr als 20 Jahre lang die Katholische Erwachsenenbildung in Thüringen geleitet. Dabei leistete er in den Jahren nach der Deutschen Einheit wesentliche Aufbauarbeit. Ohne großen Mitarbeiterstab hat er über viele Jahre hinweg im Grunde als „Einzelkämpfer“ an Brücken gebaut, hat Ideen angestoßen und innovative Bildungsformate realisiert. Ihm ist es gelungen Anregungen und Sichtweisen kirchlichen und kirchenfernen Denkens und Agierens in Interkation zu bringen und dadurch den gesellschaftlichen Dialog zu befördern.
Fast legendär sind die von ihm entwickelten Veranstaltungsformate an besonderen Orten: im Kaufhaus, auf dem Friedhof, im Theater. Hierfür musste er nicht selten Vorbehalte überwinden und Kooperationspartner gewinnen, die nicht von vornherein der Institution Kirche offen gegenüberstanden. Dabei hat sich Herr Staudacher stets als besonders aufmerksamer, sensibler, beharrlicher und verlässlicher Gesprächspartner erwiesen, der wertschätzende Beziehungen zu einer Vielzahl gesellschaftlicher und kultureller Akteure in ganz Thüringen geknüpft und dadurch die Erwachsenenbildung  in besonderem Maße bereichert hat. Diese Fähigkeit zum Aufbau guter Beziehungen hat ihm geholfen, zu einem besonderen Partner im Dialog mit Muslimen zu werden.
Lange bevor "der Islam" ein deutlich wahrgenommener Faktor in der thüringischen Gesellschaft geworden ist, hat Hubertus Staudacher - von Hause aus katholischer Theologe - sich intensiv mit Lehre und Struktur des Islam auseinandergesetzt. Es blieb bei ihm jedoch niemals bei der intellektuellen Debatte. Staudacher suchte schnell den Kontakt zu in Thüringen lebenden Muslimen, die in ihrer Religiosität von der weitgehend von Konfessionslosigkeit geprägten Gesellschaft in Thüringen kaum bis gar nicht wahrgenommen wurden. Sein Grundanliegen war, in einer überwiegend nichtreligiös geprägten Gesellschaft für Verständnis, Respekt und Toleranz zwischen Atheisten, Christen und Muslimen in Thüringen zu werben. Neben der ganz praktischen Einbeziehung von Muslimen in die Bildungsarbeit hat Staudacher vielfältige Formate entwickelt, die seinem Grundanliegen, Muslime in Thüringen wertschätzend mit einzubeziehen und ihre Anliegen ins Bewusstsein der thüringischen Bevölkerung zu bringen, Vorschub geleistet haben. Zu nennen sind hier der Interreligiöse Gesprächskreis, seine Islamtagungen, Schulungen zum Islam und Muslimen für Behörden, Kirchen, Schulen/Lehrer etc. Er ging stets aber auch den umgekehrten Weg: Auch für Muslime - z.B. Gemeindeleitungen oder Imame - bot und bietet er Fortbildungen in rechtlichen und gesellschaftspolitischen Themen an.
Von dieser Beziehungsarbeit profitierten vor allem viele hier in Thüringen lebende Muslime. Wenn islamische Gemeinden in Thüringen einen Draht zu Behörden suchten oder Hilfe bei Alltagsproblemen brauchten, war Hubertus Staudacher oft ihr erste Adresse. Seit die islamischen Gemeinden in Thüringen durch Geflüchtete stark gewachsen sind, war er als Ansprechpartner besonders gefragt. Denn über einen eigenen gemeinsamen Sprecher, der sie etwa bei Behörden vertritt, verfügen die in Thüringen lebenden Muslime zumeist nicht. Kommunen wiederum sehen sich mit Wünschen der Gemeinden nach muslimischen Grabfeldern konfrontiert, Krankenhäuser erhalten Anfragen zu rituellen Beschneidungen. Hier konnte Staudacher stets vermittelnd und unkompliziert etwaige Fragen und Probleme klären helfen. Nicht zuletzt bereicherte er mit seiner Expertise zahlreiche Bildungsveranstaltungen in verschiedenen Kontexten und trug auch nach seinem aktiven Berufsleben zur Anerkennung der Erwachsenenbildung bei.

Die Arbeit von Hubertus Staudacher im Dialog mit dem Islam hat ein nachhaltiges und belastbares Kontaktnetz in die muslimischen Gemeinden Thüringens geschaffen. Lange gab es die halb scherzhaft, halb ernst  gemeinte Aussage, Hubertus Staudacher kennt jeden Muslim in Thüringen persönlich. Umgekehrt dürfte es auch lange Zeit gegolten haben. Bis heute ist das Beziehungsnetz von Herrn Staudacher für die Arbeit im interreligiösen Dialog und im Kontakt zwischen einheimischen und zugewanderten muslimischen Thüringern sehr wichtig und effizient. Dies hat sich z.B. bei den Auseinandersetzungen um den geplanten Moscheebau der Ahmaddyya-Gemeinde in Erfurt gezeigt.
Wir sind überzeugt, dass das aus der Bildungsarbeit kommende besondere Engagement von Hubertus Staudacher für wertschätzende und belastbare Beziehungen zu Muslimen in Thüringen die Ehrung mit dem Salzmann-Preis zweifelsohne rechtfertigt.