Pädagogische Fachtagung 2018

01.09.2018 in Leinefeld-Beuren // Freie Montessori-Schule "Kleeblatt"

 

Kinder sind verschieden, und das ist gut so!

Bildungsprozesse zwischen Individualität und Individualisierung

 Flyer

Kinder in ihrer Individualität ernst zu nehmen, sie gleichzeitig auf ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten und Vereinzelungstendenzen durch Entwicklung von Teamfähigkeit zu begegnen – dies steht im Fokus des diesjährigen Fachtages für Pädagog*innen in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen.

Die Themen der Workshops richten sich an Pädagog*innen sowohl aus dem Elementar- als auch aus dem Primarbereich. Dadurch entsteht ein Austausch, der das wechselseitige Verständnis
in den Institutionen stärkt, die gelingende Zusammenarbeit fördert und beide Seiten voranbringt.
In Kooperation der Landesorganisation der freien Träger in der Erwachsenbildung in Thüringen e.V. (LOFT) und dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM ) werden seit 2016 jährlich Fachtagungen zu einem aktuellen Bildungsthema angeboten. Wir freuen uns, Sie in diesem Jahr im Eichsfeld begrüßen zu können.

Hauptvortrag

„Individualität und Individualisierung – zwei Seiten einer Medaille“

Der Beitrag legt den Fokus auf einen zentralen Aspekt im persönlichen und sozialen Miteinander: Die Frage, wie wir zusammen leben – und wie wir zusammen leben wollen. Das eine ist, was wir vorfinden. Das andere, was wir damit anfangen und wohin wir es verändern wollen.

Dr. Gerlinde Lill, Grafikerin, Politologin, Pädagogin, freiberufliche Dozentin und Autorin, Gründerin des NOA Berlin-Brandenburg

Workshops

Die Workshops finden parallelin zwei Workshoprunden statt (11:00-13:00 und 14:00-16:00 Uhr).

AWO Bildungswerk Thüringen gGmbH

Die individuelle Begleitung und Gestaltung von kindlichen Bildungsprozessen ist eine der wichtigsten Anforderungen an die frühkindliche Bildung in Kindertageseinrichtungen. Diese ergibt sich aus den Entwicklungsaufgaben der Kinder sowie ihren Bedürfnissen, aber auch aus den Aufträgen, die im ThürKitaG und im Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre festgeschrieben sind.

Aber was ist mit den Erfahrungen in Gruppenkontexten? Brauchen Kinder diese auch noch? Sind wir nicht auf der anderen Seite Wesen, die in sozialen Gruppen und Bezügen leben? Und sind diese sozialen Bezüge und Gruppen nicht sogar überlebensnotwendig?

Wie kann es gelingen, die Balance zwischen Individualisierung und Sozialisierung herzustellen? Wie kann die Kindertagesstätte dazu beitragen?

Im Workshop werden Sie diese Fragen diskutieren und sich folgende Inhalte erarbeiten:

  • Individualisten oder „Herdentiere“ oder beides? – Entwicklungsaufgaben und Grundbedürfnisse von Kindern im Spannungsfeld von Bildungsplan und
    ThürKitaG
  • Wie viel Individualität in der Kita ist machbar und sinnvoll? – Aufträge und Aufgaben von pädagogischen Fachkräften in der Kita

 

Referentin: Kristin Anhut, Dipl.-Pädagogin, Zusatzausbildung Systemische Pädagogik und Beratung

Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM )

Lernen ist ein aktiver und höchst persönlicher Prozess. Jedes Kind hat seine eigenen Aneignungswege und -rhythmen. Es ist eine spannende Aufgabe für uns Pädagog*innen, diese individuellen Bildungsbedürfnisse zu begleiten und gemeinsam mit Kindern und Eltern zu thematisieren. Im Workshop soll am Beispiel der Lernentwicklungshäuser eine anschauliche Methode vorgestellt werden, die in der Schuleingangsphase erprobt wurde. Die Teilnehmenden werden angeregt, sich über das Abbilden von Lernentwicklungen der Kinder auszutauschen und eigene Ideen zu entwickeln.

Referentin: Marion Donath-Frense, Beraterin für Schulentwicklung

Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V.

Der Übergang von der Kita in die Grundschule stellt für jedes Kind einen herausfordernden und bedeutenden Entwicklungsschritt dar.

Oft machen wir den Zeitpunkt des Übergangs an signifikanten Ereignissen fest – das Aussuchen der Zuckertüte, der Schultasche oder der Einschulungsuntersuchung. Doch dieser Prozess beginnt viel früher und wird durch das Kind, die Eltern und die pädagogischen Fachkräfte individuell geprägt und erlebt.

Das Workshopangebot greift die kindliche Entwicklung im Kita- und Grundschulalter auf und leitet Möglichkeiten einer institutionsübergreifenden Lernbegleitung ab. Im Rahmen der Fortbildung werden Kooperationen zwischen Kindertagesstätte und Grundschule im Spannungsfeld von Individualität und Anschlussfähigkeit diskutiert.

Referentin: Anja Liebscher, Lerntherapeutin und MINT-Botschafterin, B.A. Bildung im Kindes- und Jugendalter

Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM )

Das Lernen für Schüler*innen im Unterricht individualisiert gestalten ist für Lehrer* innen eine herausfordernde Aufgabe. Heterogenität, Differenzierung und individuelle Förderung sind zentrale Begriffe unserer Bildungslandschaft. Im Workshop werden anhand von Praxisbeispielen Möglichkeiten für schülergesteuertes Lernen aufgezeigt und diskutiert.

Referent: Stefan Weinert, Berater für Schulentwicklung

AG Regionale Bildung - Dieser Workshop findet nur 11:00-13:00 Uhr statt!

Jedes Kind ist individuell. Das ist wahr und leicht gesagt. Wie kann man es schaffen in einer Kindertageseinrichtung alle Kinder nach demselben Bildungsplan und demselben Konzept individuell zu bilden? Wie kann die individuelle Begleitung von Bildungsprozessen gut in einer Gruppe von 15 und mehr Kindern gelingen? Wie können die individuellen Persönlichkeiten, Bedürfnisse, Ansprüche, Interessen und Entwicklungen der Kinder im Kita-Alltag achtsam begleitet werden? In diesem Workshop finden wir heraus, wie aus diesem Drahtseilakt ein Spaziergang werden kann.

Inhalt: Alle Kinder sollen in einer Einrichtung nach demselben Bildungsplan, demselben Konzept und im selben Tagesablauf gebildet, betreut und gefördert werden. Gleiches für alle! Und doch soll ja die Individualität in den Bildungsprozessen als hohes Gut verstanden und umgesetzt werden. Auf der einen Seite sollen alle Kinder gemeinsam am Morgenkreis teilnehmen, gemeinsam Mittag essen und gemeinsame Ausflüge und pädagogische Angebote genießen. Doch auf der anderen Seite stehen das individuelle Bedürfnis und die individuelle Entwicklungsleistung des Kindes. Diesem scheinbaren Widerspruch gerecht werden zu wollen, kann im pädagogischen Alltag wie ein Drahtseilakt wirken.

Es muss es aber keine Balance auf dem Drahtseil sein: Wie die Begleitung individueller Bildungsprozesse gut und mit Freude im pädagogischen Alltag gelingen kann, wollen wir in diesem Workshop beleuchten.

Dabei stellen wir uns die Fragen:

  • Wie schaffe ich es die individuellen Persönlichkeiten, Bedürfnisse, Ansprüche, Interessen und Entwicklungen der Kinder im Kita-Alltag achtsam zu begleiten?
  • Muss ich es allen Kindern gleichzeitig gerecht machen?
  • Was sind meine kindorientierten Qualitätsansprüche in der Bildung, Betreuung und Förderung im Kita-Alltag?

 

Individualisierte Bildungsprozesse ermöglichen heißt, den qualitativen Anspruch an die Kita als kompetenzorientierte, integrative und inklusive Bildungseinrichtung anzunehmen und umzusetzen. Ich lade Sie ein, gemeinsam Antworten und Möglichkeiten zu finden.

Referentin: Maria Mewes, Diplombiologin, Ausbilderin für Kindertagespflegepersonen

AG Regionale Bildung - Dieser Workshop findet nur 14:00-16:00 Uhr statt!

Das offene Konzept steht für die individuelle Begleitung von Bedürfnissen, Interessen, Entwicklungsleistung, Themen der Kinder - und freut sich wachsender Beliebtheit in Kindergärten. Wenn Kinder im offenen Konzept so gut in ihrer Individualität begleitet werden können, warum soll man dann vor dem Kleinkindbereich damit stoppen? Oder ist das offene Konzept auch hier die richtige Antwort auf die Frage nach den Möglichkeiten der individuellen Begleitung der Kinder? Damit wollen wir uns im Workshop auseinandersetzen.

Inhalt: Das offene Konzept freut sich in Kindergärten wachsender Beliebtheit. Ermöglicht es doch eine Vielfalt an individuellen Bildungsmöglichkeiten und bestmöglicher Begleitung der Autonomieentwicklung bei Kindern. Im offenen Konzept können Kinder frei aus verschiedenen Angeboten wählen, sich fasziniert im Spiel vertiefen oder interessante Projekte gestalten. Feste Punkte im Tagesablauf wie Mittagessen oder Ruhepausen können individuell gewählt werden - die Kinder entscheiden selbst, wann sie ihren Hunger stillen oder ob sie schlafen, ruhen oder weiterspielen wollen. Das alles klingt ganz zauberhaft nach Individualität und wird erfolgreich für und mit Kindern im Kita-Alltag gelebt.

Und dann hört man, dass das offene Konzept nun immer öfter auch im Kleinkindbereich ermöglicht wird. Und gleichzeitig kommen Fragen auf: Werden Kleinkinder nicht überfordert und verlieren sich in den offenen Weiten dieses Konzepts? Ist das offene Konzept für Kleinkinder entwicklungsangemessen?

Wenn es um die Individualität in Bildungsprozessen geht, muss man nach Möglichkeiten suchen, diese gelungen für Kinder jeden Alters und jeden Entwicklungsfortschrittes umzusetzen. Die Frage stellt sich nicht nach Grenzen im Sinne der Sicherheit und Geborgenheit für Kleinkinder, sondern nach den Möglichkeiten! In diesem Workshop geht es darum Ideen und Möglichkeiten zu erörtern, wie ein offenes Konzept im Kleinkindbereich die individuellen Bildungsprozesse bereichern kann - ohne Kleinkinder zu überfordern.

Referentin: Maria Mewes, Diplombiologin, Ausbilderin für Kindertagespflegepersonen

Bildungswerk ver.di Thüringen e.V.

Es geht um die Schwerpunkte

·        Umgang mit unterschiedlichen Familienkulturen - jede Familie hat ihre eigene Kultur

·        Eltern und Ich: Schubladen öffnen – oder lieber doch nicht?

·        Zusammenarbeit mit Eltern wertschätzend gestalten und Vorhandenes nutzen 

Ihnen als Pädagog*innen ist der Umgang mit dem Thema Migration und Flucht nicht neu. Sie stehen in der Familienarbeit täglich vor der Frage: Wie soll bzw. kann ich mit sprachlichen Barrieren, unterschiedlichen Religionen und fremden Kulturen umgehen?

Der Workshop gibt einen theoretischen Einstieg und lädt anschließend herzlich zur Reflexion, zum Einbringen von Fallbeispielen und zum Erfahrungsaustausch ein.

Mitzubringen sind: Offenheit, Neugier, ein unverbrauchter Blick sowie eine Prise Humor.

Referentin: Daniela Bremmel, Erziehungswissenschaftlerin (M.A.)


Fachtagungen der Vorjahre

Diesen Text gibt es leider nicht in Leichter Sprache.

Hier folgen bald Informationen über die 2016 an der Gemeinschaftsschule "Am Morgenberg" in Triptis durchgeführte Fachtagung zum Thema "Übergänge gestalten"

Weiter-Bildungen für Pädagogen aus dem Kinder-Garten oder der Grund-Schule

Leichte Sprache - Logo

Die Einrichtungen der Erwachsenen-Bildung bieten seit vielen Jahren gute Weiter-Bildungen für Pädagogen an.
Zum Beispiel für Pädagogen aus dem Kinder-Garten oder der Grund-Schule.
Diese Einrichtungen haben viele Erfahrungen im Bereich Weiter-Bildungen.
Und sie haben viele unterschiedliche Methoden,
wie sie ihr Wissen weiter-geben können.

Die Gesellschaft entwickelt sich immer weiter.
Daraus ergeben sich immer wieder neue Herausforderungen für die Pädagogen.
Die vielen Weiter-Bildungen sorgen dafür,
dass die Pädagogen mit diesen Herausforderungen gut umgehen können.

Damit die Angebote von Weiter-Bildungen immer besser werden,
arbeitet LOFT mit vielen unterschiedlichen Partnern zusammen.
Zum Beispiel mit dem Thüringer Institut für Lehrer-Fortbildung,
Lehr-Plan-Entwicklung und Medien.
Die Abkürzung dafür ist: ThILLM.

Der Höhe-Punkt dabei sind die jährlich statt-findenden Fach-Tagungen.Diese haben immer ein bestimmtes Thema.

Diesen Text gibt es leider nicht in Leichter Sprache

Im Jahr 2017 stand das Thema Kindliche Sexualität im Fokus der Kooperation und eröffnete neben der Vermittlung alltagsnaher Theorie und Methodik die Möglichkeit zur Reflektion des persönlichen Arbeitsalltages.

Was hat es auf sich mit der Sexualität im Kindesalter? Worauf muss man achten und wie kann man Kinder in ihrer Entwicklung am besten unterstützen? Diesen Fragen gingen mehr als 70 Pädagog*innen aus Kitas und Grundschulen auf der Fachtagung nach und kamen dafür aus ganz Thüringen in die Erfurter Grundschule „Otto Lilienthal“.

Nach einer einführenden Betrachtung der psychosexuellen Entwicklung des Kindes aus der Perspektive der empirischen Forschung durch Prof.in Dr. Bettina Schuhrke arbeiteten die Teilnehmer*innen praxisorientiert in verschieden Workshops. Sie tauschten sich z.B. darüber aus, wie die Haltung der pädagogischen Bezugsperson auf die Entwicklung des Kindes wirkt. Oder darüber, wie Kinder ihren Körper entdecken und erleben, was ihnen gut tut und was nicht, was Kinder stark macht und wie man erkennen kann, wovor man sie schützen muss. Es gab einen regen Austausch und großen Wissenszuwachs zum Thema der kindlichen Sexualität als Spannungsfeld zwischen sexueller Bildung und Schutz vor Missbrauch.

Viel Anlass zum Lachen gab es nach der Mittagspause, als Künstler*innen des Theaters“dieSCHOTTE“ verschiedene Gefühle und Situationen improvisierten.

Begleitet wurde die Fachtagung durch Comics von Martina Schradi zum Thema „ „Ach, so ist das?! - Vielfalt zu geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen“. Die Ausstellung, die auch in der Gemeinschaftsschule am Roten Berg schon erfolgreich gezeigt wurde, konnte in der Grundschule „Otto Lilienthal“ noch zwei Wochen nach der Fachtagung besichtigt werden.

Eingeladen hatten die Landesorganisation der freien Träger der Erwachsenenbildung in Thüringen (LOFT) und das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM), die seit zwei Jahren miteinander kooperieren, um die Expertise der Erwachsenenbildung für die Qualifizierung des pädagogischen Personals zu nutzen. Als Träger der Erwachsenenbildung waren in diesem Jahr die AG Regionale Bildung, das Bildungshaus St. Ursula, das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft sowie das LSB-Thüringen Bildungswerk beteiligt. Zwei Referentinnen kamen darüber hinaus vom Biltz e.V..

Für ein wundervolles Tagungsambiente sorgte das Team der Grundschule „Otto Lilienthal“. In dem liebevoll eingerichteten Gebäude verwöhnten Schüler*innen als Genussexperten die Teilnehmenden der Tagung mit leckeren Imbisshäppchen, die sie selbst zubereitet hatten und voller Stolz präsentierten.