Inklusion

Inklusion

Inklusive Bildung bedeutet, dass allen Menschen - unabhängig von Geschlecht, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, besonderen Lernbedürfnissen, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen – die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale zu entwickeln. Dieses Verständnis deckt sich mit den traditionellen Werten der Erwachsenenbildung und ist im Thüringer Erwachsenenbildungsgesetz verankert.

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat sich die Bundesregierung verpflichtet, Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang zu Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen zu ermöglichen (Art. 24 (5)).

Damit sind Menschen mit Behinderungen in den Fokus gerückt. Vor diesem Hintergrund hat das Landeskuratorium für Erwachsenenbildung die Arbeitsgruppe „Inklusive Erwachsenenbildung“ ins Leben gerufen und damit beauftragt, konzeptionelle Empfehlungen und Leitlinien zur inklusiven Erwachsenenbildung zu erarbeiten. LOFT arbeitet stellvertretend für seine Mitgliedseinrichtungen an dieser Arbeitsgruppe mit.

Derzeit ist vieles noch in Arbeit, denn inklusive Erwachsenenbildung kann nur als Entwicklungshorizont begriffen werden.

Darüber hinaus bemüht sich LOFT in seiner Funktion als Landesverband auch selbst darum, Barrierefreiheit umzusetzen. So wird beständig daran gearbeitet, die LOFT-Homepage barriereärmer zu gestalten. Auch bei der Qualifizierung von Mitarbeitenden und Lehrkräften unterstützt LOFT seine Mitgliedseinrichtungen durch die Organisation entsprechender Weiterbildungsgebote.


Die Leitung der Arbeitsgruppe hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Die Erwachsenenbildung wird durch den Thüringer Volkshochschulverband, LOFT und zwei freie Träger (Deutsches Bildungsinstitut Johannes Falk und PARITÄTISCHES Bildungswerk Landesverband Thüringen vertreten. Weiterhin vertreten ist das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie und das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (THILLM).

Die Arbeitsgruppe tagt etwa vierteljährlich und setzt bei Bedarf auch Unterarbeitsgruppen ein.

Durch LOFT erfolgt die Rückkopplung zu den Mitgliedsorganisationen, die sich auf einer LOFT-internen Arbeitsebene mit dem Thema der inklusiven Erwachsenenbildung auseinandersetzen.

Ausgehend von der Studie und unter Einbeziehung der praktischen Ergebnisse der Fachtagung erarbeitete die Arbeitsgruppe Leitlinien für eine inklusive Erwachsenenbildung in Thüringen.

Sie beziehen sich auf die verschiedenen Dimensionen der Barrierefreiheit und stecken einen langfristigen Entwicklungshorizont ab. Denn es liegt auf der Hand, dass sie in ihrer Gesamtheit nicht von heute auf morgen, sondern realistischerweise nur Schritt für Schritt umgesetzt werden können.

Inklusion setzt die Bereitschaft zur Veränderung aller Beteiligten voraus und ist eine gesamtgesellschaftliche und politische Aufgabe. Gelingen kann sie nur, wenn die finanziellen und politischen Grundlagen dafür geschaffen werden. Daher richten sich die Leitlinien nicht nur an die Träger der Erwachsenenbildung, sondern letztlich auch an die Entscheidungsträger auf allen Ebenen.

Die Entwürfe der Leitlinien wurden durch LOFT mit den Mitgliedsorganisationen abgestimmt.

Auf der Kuratoriumssitzung am 22.06.2017 wurden sie durch das Landeskuratorium verabschiedet.

 Leitlinien

2018 hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport als ein Ergebnis der Aktivitäten der Arbeitsgruppe die  Broschüre "Inklusive Erwachsenenbildung in Thüringen. Leitlinien und Umsetzungsempfehlungen" herausgegeben. Diese können Sie auch direkt auf der  Internetpräsenz des Ministeriums einsehen und herunterladen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat unter dem Begriff Inklusion eine geselleschaftliche und politische Bewusstseinsänderung zum Thema Menschenrechte in Gang gesetzt. Zunehmend greift die Erkenntnis um sich, dass die Forderung nach Teilhabe nicht nur alle Lebensbereiche umfasst, sondern eine konkrete Umsetzung auch zu gesamtgesellschaftlicher Bereicherung führt.

„Bildung für alle“, „Entfaltung individueller Potenziale“ oder „Vielfalt des Lernens sind wesentliche Anliegen der Konvention und decken sich mit traditionellen Werten der Erwachsenenbildung. Es lag daher nahe, ausgehend von den teilnehmerorientierten Möglichkeiten der Erwachsenenbildung konkrete Ziele und Leitlinien für die Umsetzung zu formulieren, welche die Zugänglichkeit der lebensbegleitenden Bildungsangebote in den Blick nehmen.

Daneben gilt es, auch die bewusstseinsbildende Dimension des Inklusionsgedankens aufzugreifen und die Etablierung inklusiver Sichtweisen und Haltungen voranzutreiben. Aus der Perspektive der Bildungsträger ergeben sich hierfür Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der eigenen Institution, aber auch die Chance, darüber hinaus wirksam zu werden.

Die Wanderausstellung bietet in diesem Zusammenhang einen konkreten Anlass, den die freien Träger der Erwachsenenbildung gern aufgreifen. Ausgehend von einer Gesamtkonzeption des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft e.V. werden sie die Ausstellung an vier Austragungsorten durch Aktivitäten und Veranstaltungen begleiten und die Besucher durch unterschiedliche Lernansätze einladen, Behinderung und Vielfalt aus verschieden Perspektiven zu beleuchten und dadurch zu einer Gesellschaft beizutragen, in der Menschen mit und ohne Behinderung besser gleichberechtigt zusammenleben können. Hierfür haben die Bildungsträger didaktische Konzepte entwickelt, welche als Anregung für verschiedene Formate und Zielgruppen dienen sollen.

Kreative Weiterentwicklung und Verbreitung dieser Konzepte sich ausdrücklich erwünscht.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Anwendung.

 PDF "Konzeptionelle Empfehlungen für die Begleitung der inklusiven Wanderausstellung INKLUSION IM BLICK"

Zur Ausstellung: "Inklusion im Blick"

Anfang der Sechziger Jahre erschüttert einer der größten Arzneimittelskandale die Bundesrepublik Deutschland: Weit über 2000 Kinder kommen mit fehlenden oder fehlgebildeten Gliedmaßen auf die Welt. Verantwortlich dafür ist das Medikament Contergan, das vor allem Frauen in der Schwangerschaft als harmlos und unbedenklich empfohlen wurde.

Von Kindheit an müssen sich die Contergan Opfer an mehr oder minder verstohlene und verschämte Blicke gewöhnen. Ein halbes Jahrhundert nach dem Skandal haben sich zwölf Menschen bewusst dazu entschieden, ihren Körper diesen Blicken preiszugeben.

Regisseur und Fotograf Niko von Glasow porträtiert Menschen, die ihren Weg gemacht haben trotz ihres Handicaps und er lädt ein hinzuschauen, weder verschämt noch verstohlen. Seine Bilder geben den Blick frei auf lebensbejahende Menschen, schlanke und wohlbeleibte, athletische und zierliche, in sich gekehrte und extrovertierte. Von Glasow nennt sie „Die Mutigen“. Die ästhetischen Portraits sowie der begleitende Dokumentarfilm "NoBody's Perfect" übermitteln auf faszinierende Weise ihre wichtige Botschaft: im Vordergrund steht der Mensch und nicht die Behinderung.

Niko von Glasows Bildern reißen die unsichtbare Barriere zwischen Betrachtern und Betrachteten ein. Sie schaffen Nähe. „NoBody‘s Perfect“- für wen gilt das nicht?

„Kunst kennt keine Behinderung“ – diese These der Aktion Mensch belegt der zweite Teil des Projekts. Im Mittelpunkt der Kunstwerke steht der Mensch im Zentrum der Gesellschaft. Künstlerinnen und Künstler, die in ihrer Lebenswirklichkeit Barrieren erleben, haben ihre Sicht zum Thema dargestellt. Die Bilder spiegeln gesellschaftliche Einschränkungen wieder. Die unterschiedlichen künstlerischen Aussagen erzählen dem Betrachter von einem Alltag voller Hindernisse und dem Zwang, die Hürden zu überwinden. Die Ausstellung weitet den Blick auf das Thema Umwelt und die Verletzlichkeit „Aller“ durch sorglosen Umgang mit Natur und Ressourcen.

Die Wanderausstellung ist inhaltlich wie gestalterisch angelegt, das Bewusstsein entsprechend Artikel 8, der Zugänglichkeit nach Artikel 9, als Bildungsauftrag nach Artikel 24 und Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport nach Artikel 30 der UN- BRK zu verdeutlichen.

„Inklusion im Blick“ schafft einen Erfahrungsrahmen, damit der gesetzlich definierte Kulturauftrag im Nationalen Aktionsplan (NAP 2.0) für ALLE in Anspruch genommen werden kann. „Inklusion im Blick“ verstärkt die Notwendigkeit der Qualifizierung von Fachkräften in Ausbildung und Studium zum Bereich Barrierefreiheit. Damit Kunst für alle Erfahrbar wird.

Quelle: Sozialdenker e.V.

mehr unter  www.inklusion-im-blick.de

Auf der Ebene der gesetzlich verantworteten Erwachsenenbildung gibt es zwar seit Jahren Bemühungen um eine inklusiven Erwachsenenbildung, jedoch fehlte es lange an einer fundierten Analyse der IST-Situation als Grundlage für konkrete Handlungsempfehlungen, praktischen Umsetzungshilfen sowie eine weitergehende Sensibilsierung relevanter Akteure.

Darum haben die beiden Landesverbände LOFT und Thüringer Volkshochschulverband 2015 Prof. Dr. Erich Schäfer und Prof. Dr. Ulrich Lakemann von der Ernst Abbe Hochschule Jena mit einer empirischen Untersuchung zu Möglichkeiten, Bedingungen und Umsetzung einer inklusiven Erwachsenenbildung in Thüringen beauftragt.

Die Datenerhebung bezog sich auf verschiedene Dimensionen:

  • Selbstverständnis der Einrichtungen

  • Inkludierende Angebote

  • Qualifiziertes Personal

  • Partizipation und Zusammenarbeit

  • Barrierefreiheit räumlich, medial und finanziell

  • Umsetzung und Finanzierung einer inkludierenden Erwachsenenbildung.

Die Ergebnisse der Erhebung sowie daraus abgeleitete Empfehlungen der Verfasser wurden auf einer Fachtagung am 15.09.2016 vorgestellt. Sie bildeten die Grundlage für einen Austausch der Akteure der Erwachsenenbildung zu den nächsten notwendigen Schritten.

 Endbericht: Möglichkeiten, Bedingungen und Umsetzung einer inklusiven Erwachsenenbildung in Thüringen - Ergebnisse einer empirischen Untersuchung

Die Arbeitsgruppe des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport hat am 15.09.2016 unter maßgeblicher Beteiligung der anerkannten Träger der Erwachsenenbildung einen Fachtag zum Thema Inklusion durchgeführt. Es ging darum, dass ausgehend von einer empirischen Untersuchung zu Möglichkeiten, Bedingungen und Umsetzung einer inklusiven Erwachsenenbildung in Thüringen die Akteure der Erwachsenenbildung in den Austausch treten und die nächsten notwendigen und möglichen Schritte erarbeiten.

Der weitere Umgang mit den Ergebnissen der Fachtagung – Nächste Schritte auf dem Weg zu Inklusion in der Erwachsenenbildung in Thüringen – wird durch die Arbeitsgruppe „inklusive Erwachsenenbildung“ vereinbart.

Dennoch möchten wir vorab unsere  Dokumentation zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppen zeigen, insbesondere um unseren Forderungen bei der Novellierung des Erwachsenenbildungsgesetzes zusätzlichen Nachdruck zu verleihen.

Impressionen der Fachtagung

In einem Workshop für hauptamtlich, neben- und freiberuflich Tätige in der Erwachsenenbildung stand die Erstellung barrierefreier Dokumente im Mittelpunkt. Die Referentin, die selbst blind ist, konnte anschaulich über die Bedeutung von Barrierefreiheit berichten und nützliche Tipps geben. Dieser durch LOFT ausgerichtete Workshop wurde auch für Teilnehmende der Volkshochschulen geöffnet.

Impressionen der Weiterbildung "Barrierefreie Dokumente"