Alphabetisierung und Grundbildung


Mit der Novellierung des Erwachsenenbildungsgesetzes in Thüringen haben auch die anerkannten freien Träger der Erwachsenenbildung (also die LOFT-Mitgliedsorganisationen) einen Auftrag für Alphabetisierungsarbeit erhalten.

Sie haben im Jahr 2017 verschiedene Anstrengungen unternommen, um die Alphabetisierungsarbeit der Volkhochschulen durch zusätzliche Möglichkeiten hinsichtlich ihrer eigenen Zielgruppen und pädagogischen Ansätze zu ergänzen. Hierbei wurde deutlich, dass zunächst die Sensibilisierungsarbeit einer großen Vielfältigkeit und Ausdauer bedarf, um Einfluss auf funktionale Analphabeten zu erlangen.

Für das Jahr 2018 hatten sich bereits sieben freie Träger für die Alphabetisierungsarbeit positioniert. Sie haben ihre Projektansätze gemeinsam entwickelt und nutzten ihre vielfältigen Zugänge. Die Landesorganisation fungierte als Basisnetzwerk, um den Erfahrungsaustausch zwischen den Trägern zu befördern und Synergien zu erzielen. Die Abstimmung mit den Volkshochschulen fand zu Beginn des Jahres im Rahmen eines gemeinsamen Workshops von TVV und LOFT statt. Hierbei wurden u.a. die grundlegenden Qualitätskriterien für die Zusammenarbeit erarbeitet und festgelegt.

Die Erfüllung der Kriterien wurde im Frühjahr 2019 in einem weiteren Workshop der Landesverbände evaluiert. Derzeit führen die freien Träger ihre im letzten Jahr begonnen Aktivitäten fort und setzen dabei einerseits auf Festigung und Weiterentwicklung der begonnenen Projekte sowie auf anhand gewonnener Erfahrungen modifizierte Wiederholungen der Angebote. Dadurch wird die langfristige und nachhaltige Etablierung der ergänzenden Angebote im Bereich Alphabetisierungsarbeit und Sensibilisierung gefördert.


Die Veranstaltungen unserer Mitgliedseinrichtungen im Überblick - 2020

Ein Kooperationsprojekt zwischen AWO Bildungswerk Thüringen und Bildungswerk im Bistum Erfurt

2018 und 2019 haben das AWO Bildungswerk Thüringen und das Bildungswerk im Bistum Erfurt das Projekt „Was du liest, gehört dir – Ansätze zur (Eltern-) Arbeit in der Kita“ erfolgreich durchgeführt. Um die Ergebnisse weiter zu verstetigen und vertieft für das Thema „geringe Literalität“ zu sensibilisieren, wird das Projekt auch im Jahr 2020 fortgesetzt, weiterentwickelt und auf weitere Kindertageseinrichtungen ausgedehnt.

Aufgrund der hohen Anmeldezahlen von 15 Kindertageseinrichtungen mit über 300 pädagogischen Fachkräften müssen die geplanten Projektbausteine modifiziert werden.

Zur Vernetzung der Einrichtungen finden ein Projektauftakt-, ein Netzwerk- und ein Abschlusstreffen mit allen beteiligten Kitas statt. In diesen Treffen sollen u.a. Erfahrungen über die Angebote zur Ansprache von Eltern ausgetauscht werden. Gern greifen wir hier wiederholt auf die Expertise des Volkshochschulverbands bezüglich der Alphabetisierung Erwachsener  zurück.

Insgesamt sind 11 von 15 Kitas neu im Projekt. In Inhouse-Schulungen sollen die pädagogischen Fachkräfte und Sprachfachkräfte für die Problematik der Alphabetisierung sensibilisiert und das Konzept der Family-Literacy sowie die erfolgreich erprobten Methoden bekannt gemacht werden.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Durchführung von thematischen Elternabenden. Im Rahmen des Projektes sollen für die Leiter*innen der Kindertageseinrichtungen inhaltliche Bausteine entwickelt werden, die einerseits für die Thematik „geringe Literalität“ und andererseits zur bewussten Förderung einer schriftsprachlichen Lernkultur im Familienalltag beitragen. Damit soll zudem erreicht werden, dass durch  Elternabende betroffene Eltern behutsam ermutigt werden, z.B. durch den  für den Besuch der Volkshochschule, Lesen und Schreiben zu lernen. Somit können Mut und Motivation geschaffen und Hemmnisse abgebaut werden. Im Bedarfsfall unterstützen beide Projektreferentinnen die Durchführung der Elternabende vor Ort.

Des Weiteren soll die Broschüre „Family-Literacy in der Kita. Methoden der ganzheitlichen Förderung von Schrift und Sprache“ (erstellt in der Förderperiode 2018) um Ansätze zur Ansprache von gering literalisierte Eltern erweitert werden. Neben Ansätzen zur Förderung des Erzähl, Sprach- und Schriftspracherwerbs Zuhause wird die Handreichung um eine exemplarische Planung eines Elternabends erweitert werden. Die Unterlagen für pädagogische Fachkräfte soll allen Trägern von Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

https://awobildungswerk.de/startseite/

https://www.bistum-erfurt.de/bildung_kultur_engagement/bildungswerk/

Ein Projekt des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft BWTW e.V.

Wir haben Lesecafes 2018 in Arnstadt und 2019 in Erfurt auf Grund der Förderung nach §14 einrichten können. Diese Variante bietet der Zielgruppe einen niedrigschwelligen Einstieg ohne Stigmatisierung. Auf Grund unserer Tätigkeit in einem Bundesprojekt zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung sowie dem Landesarbeitsmarktprogramm Thüringen und unserer sonstigen Arbeit im Bereich Integration, haben wir vielseitige Kontakte zu Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben und zur Zielgruppe der sekundären und funktionalen Analphabeten zählen.

Oft fällt es den Menschen schwer Hilfe zu erfragen oder gar offenb ihr Problem zu äußern. In den Lesecafes erhalten sie Unterstützung, können individuelle Lernangebote wahrnehmen und sich austauschen. Sie gehören häufig bildungsfernen Schichten an, sind lernentwöhnt und haben negative Lernerfahrungen gesammelt. Sie verfügen meist über ein geringes Selbstbewusstsein und haben mit bestimmten erlernten Mechanismen ihre Einschränkungen über lange Zeit überbrücken können. Aus unterschiedlichen Gründen, wie zum Beispiel einer Arbeitsaufnahme wird es wichtig, diese Einschränkung nachhaltig anzugehen. Dabei unterstützen wir.

An drei Tagen in der Woche sind die Lesecafés geöffnet für individuelle und selbstständige Lernarbeit, für Einzelunterstützung oder einfach zum Austausch untereinander. Während der regulären Öffnungszeiten können Interessierte allein oder mit anderen Interessierten Lernspiele ausprobieren, kleine Texte lesen, Bücher in einfacher Sprache oder Online z.B. die VHS Plattform „ich-will-lernen.de“ zur Alphabetisierung nutzen.

Zudem besteht die Möglichkeit der Unterstützung beim Erstellen von Briefen und Unterlagen sowie beim Ausfüllen von Formularen. Durch spezifische Arbeitsmaterialien (u.a. Berufsspezifische Sprache im Bereich Metall, Lager, Pflege) können wir auch arbeitsplatzspezifische Lektüre zur Wortschatzerweiterung anbieten. Unser Ziel ist es, gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern, den Zugang zur Arbeitswelt zu ermöglichen und nachhaltiges Wissen zu vermitteln. In den Einzelterminen - und Gruppenterminen wird gezielt an den individuellen Problemlagen der Teilnehmer gearbeitet. Dazu zählen, die gezielte Förderung des Lese- und Textverständnisses, Bearbeitung individueller Aufgaben bzw. Schreiben für Ämter und Behörden, vorrangig die Verbesserung der Rechtschreibung und Wortschatzerweiterungen. Unser Ziel ist es zudem, die Eigenständigkeit und das Selbstvertrauen der Teilnehmenden zu stärken.

Wir wollen zwei bis drei Veranstaltung zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung zur Sensibilisierung von Multiplikatoren durchführen. Unser Ziel ist es dabei, Schlüsselpersonen wie zum Beispiel die Integrationsbegleiter aus den 23 Landesarbeitsmarktprogramme zum Umgang mit funktionalen Analphabeten zu sensibilisieren. Somit bleibt das Thema im Alltag präsent, hat eine nachhaltige Wirkung und schafft Perspektiven für die Zielgruppe.

https://www.bwtw.de/startseite/

Ein Projekt der Landvolkbildung Thüringen

Bisher gibt es im Landkreis Sonneberg kaum niederschwellige und kleinschrittige Angebote für funktionale Analphabeten. Dennoch sind auch hier Menschen nicht in der Lage, die Schriftsprache im Alltag so funktional anzuwenden. Lücken, im Verständnis großer Texte oder Tabelle, bleiben. In allen Aktivitäten des täglichen Lebens stehen Betroffene vor großen Hürden. Wir wollen mit unserem kleinen Angebot über Vertrauenspersonen wie Familienangehörigen, Freunden und Arbeitskollegen oder auch Mitarbeitende von öffentlichen Stellen und Einrichtungen der Familienbildung, Jugend- und Sozialhilfe, des Verbraucherschutzes, Sport- und Kultureinrichtungen, die kommunalen Verwaltungen, Bibliotheken, Ärzte, Erzieher oder Lehrer an die Menschen kommen, die Hilfe benötigen. Durch Werbung und kleine öffentliche Aktionen möchten wir uns und unsere Arbeit vorstellen und die Menschen erreichen.

Beratungs- und Begleitangebote:

Aufklärung statt Tabuisierung

  • 2 Informationsveranstaltungen für 1.) Angehörige von Betroffenen und 2.) Mitarbeiter öffentlicher Stellen und Einrichtungen, die über das Thema und unser Angebot informieren und dafür sensibilisieren (unter Nutzung der Werbemittel der Bundeskampagnen)
  • Werbung im ländlichen Raum passend zum Thema und für unsere Lesecafé

Lern- und Schulungsangebote:

Lesecafé – Schreibwerkstatt:

Kommunikation in der Arbeitswelt - Lesen und Schreiben für den Berufsalltag

An einem Nachmittag in der Woche bietet die Schreibwerkstatt Unterstützung für das Lesen und Schreiben im Beruf.

Lesen und Schreiben lassen sich aus dem Arbeitsleben nicht wegdenken. In jedem Berufsbild muss in irgendeiner Art und Weise zum Stift gegriffen oder etwas nachgelesen werden. Wir wollen hier unterstützen und die Lese- sowie Schreibkompetenz für das eigene Berufsbild stärken:

Lehrgangsinhalte:

  • Übungen zur schriftlichen Kommunikation in der Arbeitswelt in allen Bereichen und Situationen, die im Berufsalltag auf uns zukommen können, vom Lesen eines Dienstplanes, über die Dokumentation der Arbeit oder dem Ausfüllen wichtiger Dokumente und Papiere, Sicherheitshinweis wahrnehmen und nachvollziehen
  • Anweisungen, Normen und sachliche Inhalte im Kontext der Arbeitswelt lesen können, wie z.B. Gesetzgebung und Arbeitsvorschriften zum Gesundheitsschutz und zur Arbeitssicherheit, zu Qualitätsstandards und Anforderungen mit Branchenbezug
  • Schreiben für die Arbeitswelt verfassen, Dokumentationen (z.B. in der Pflege) richtig ausfüllen, Arbeitsnachweise führen, schriftliche Hinweise geben
  • Digitaler Schriftverkehr im Beruf

Lesecafé – offene Beratung

Kommunikation mit Behörden: Lesen und Schreiben für Anträge, Briefe und alltägliche Kommunikation

Die Post kommt, der Brief ist da und wird nicht geöffnet oder wird geöffnet und kann nicht zusammenhängend verstanden werden. Eine Packungsbeilage zu einem neuen Medikament wirft große Rätsel auf und der nächst unverständlichem Antrag für eine Leistung steht auch bevor. Diese und noch unzählige weitere Situationen des Alltags stellen eine große Belastung für Menschen dar, die nicht vollständig Lesen und Schreiben können.

Wir helfen in der offenen Beratung, einmal in der Woche, beim Verstehen und Beantworten von Briefen, Anträgen, Rechnungen, Bescheiden und Verträgen. Außerdem wird Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Erstellen von Bewerbungen geboten.

Lesecafé – offener Treff

Treffen – Austauschen – Lernen

Einmal im Monat bietet das Lesecafé unter einem spannenden Motto einen offenen Treff für Betroffene, Interessierte oder auch Angehörige und lädt zum gemeinsamen Austausch in angenehmer und wohliger Atmosphäre ein.

https://landvolkbildung.de/

Ein Projekt des Bildungswerkes ver.di Thüringen

Fortsetzung der Sensibilisierungsmaßnahmen für gesetzliche Interessenvertretungen/ Schlüsselpersonen
in Thüringen (Betriebs- und Personalräte) zur Identifizierung von funktionalen Analphabeten
in Betrieben und Einrichtungen und deren Vermittlung in Schulungsmaßnahmen

Zielstellung:
Sensibilisierung von Schulungsteilnehmer*innen als „Multiplikator*innen“/ Schlüsselpersonen zur Identifizierung
und zielgerichteten Ansprache von funktionalen Analphabet*innen in Unternehmen/Dienststellen
mit dem Ziel der Vermittlung in Schulungsmaßnahmen

Zielgruppe:
Betriebs- und Personalrät*innen als Schulungsteilnehmer*innen des Bildungswerkes ver.di Thüringen

Methodische Umsetzung:
- direkte Information und Ansprache von Schlüsselpersonen in Form von
o Aufklärung und Sensibilisierung von Teilnehmern mehrtägiger Bildungsveranstaltungen des
Bildungswerkes ver.di Thüringen e.V. (bis zu 30 Mehrtagesschulungen im Jahr x 12 TN) im
Rahmen eines Inputs innerhalb ausgewählter Schulungen
o Workshops zum Thema während Fachtagungen für Betriebs-/Personalrät*innen
- Zusammenstellung von Vortrags- und Informationsmaterialien zur Sensibilisierung
- Hinweis auf Kontakte + Ansprechpartner von Alphabetisierungsmaßnahmen weiterer Träger, insbesondere
der Thüringer Volkshochschulen
- direkte Kontaktmöglichkeit in Unternehmen/Dienststellen über Betriebsräte, Personalräte, Mitarbeitervertretungen,
Jugend- und Auszubildendenvertretungen
- Vernetzung zu und mit vorhandenen Angeboten im Rahmen des Alpha- Bündnisses (TVV) und des
MENTO-Projektes (DGB)
- Schulung eigener Mitarbeiter*in zur zertifizierten Übersetzer*in für leichte Sprache

Kompetenzen:
- Eigene ausgebildete Mentorin im Verbund des MENTO-Netzwerkes Hessen-Thüringen
- Teilnehmende aus Unternehmen/Dienststellen in Thüringen

https://www.verdi-bildungswerk.de/


Die Veranstaltungen unserer Mitgliedseinrichtungen im Überblick - 2019

Ein Kooperationsprojekt zwischen AWO Bildungswerk Thüringen und Bildungswerk im Bistum Erfurt

Rückblick

Am benannten Projekt nahmen fünf Kindertagesstätten teil. Insgesamt wurden ca. 52 pädagogische Fachkräfte, Sprachfachberater*innen und Sprachfachkräfte sowie ca. 350 Kinder mit ihren Eltern erreicht.

Alphabetisierung ist eine Voraussetzung zur Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben und vermeidet Bildungsbenachteiligung. Bereits in Kindertagesstätten werden wichtige Weichen für den späteren Erzähl-, Sprach- und Schriftspracherwerb gestellt. Aus diesen Gründen standen im Folgeprojekt „Was du liest, gehört dir – Ansätze zur (Eltern-) Arbeit in der Kita“ erneut pädagogische Fachkräfte im Zentrum. Ihnen kommt eine Schlüsselfunktion zu: Sie schaffen für Kinder optimale Entwicklungsbedingungen zum Hineinwachsen in den Erzähl-, Sprach- und Schriftspracherwerb und stehen im direkten Kontakt mit Eltern, die möglicherweise gering literalisiert sind. Um eine Kultur des Praktizierens von Sprechen, Lesen und Schreiben im Alltag und eine Sensibilisierung für gering literalisierte Eltern nachhaltig in den Einrichtungen zu verankern und die pädagogischen Fachkräfte kontinuierlich weiterzubilden, wurden ebenfalls die Sprachfachkräfte in den Blick genommen.

Im ersten Projektbaustein wurden neben zwei Kindertagesstätten, die das Projekt im zweiten Jahr weiter verfolgen wollen, drei weitere Kitas zur Teilnahme am Projekt gewonnen. Zudem wurden Termine für die Schulungen der Sprachfachkräfte abgesprochen.

Im zweiten Projektbaustein wurde die Begleitung der Einrichtungen durch ein Auftakt-, ein Werkstatt- und ein Abschlusstreffen fokussiert.

Das Auftakttreffen fand am 27.2.2019 statt. Zu Beginn standen die Erfahrungsberichte der Kitas aus dem letzten Projekt „Was du liest, gehört dir – Ansätze zur (Eltern-) Arbeit in der Kita“ und unsere Broschüre „„Family-Literacy in der Kita. Methoden der ganzheitlichen Förderung von Schrift und Sprache“ (erstellt in der Förderperiode 2018) im Fokus. So wurden zum Beispiel der Erzählbaum und die Tauschbibliothek von der Kita „St. Franziskus“ und der Bücherrucksack von der Kita „Max und Moritz“ präsentiert. In den Erfahrungsberichten zeigte sich, dass erfolgreich Erzählanlässe zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern, unter Kindern und zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern geschaffen wurden. Als einen weiteren Erfolg wertete eine Kita-Leiterin, dass Eltern sie vertrauensvoll angesprochen haben, weil sie notwendige Anträge und Formulare nicht ausfüllen können. Dies kann ein Hinweis auf eine geringe Literalität sein. Im zweiten Teil des Auftakttreffens diskutierten die Teilnehmer*innen mit einer Referentin der Kindersprachbrücke Jena Möglichkeiten der Ansprache von Eltern in der Kita zur Förderung der schriftsprachlichen Entwicklung der Kinder zuhause und zur Sensibilisierung eigener Defizite. Durch eine Übung zu „Synonymen“ erlebten die Teilnehmer*innen, vor welchen Herausforderungen Erwachsene stehen, die gering literalisiert sind. Zum Abschluss des Treffens entwickelten die teilnehmenden Kita-Leiter*innen Ideen, wie sie im Rahmen des Projektes in ihren Kindertageseinrichtungen mit Kindern und ihren Familien bezüglich der Förderung der schriftsprachlichen Entwicklung in den Kontakt treten können.

Im Werkstatttreffen am 19.6.2019 tauschten sich die Teilnehmer*innen über ihren Fortschritt in der Umsetzung der Methoden und Ansätze aus. Nach einem Input über einfache Sprache arbeiteten die Kita-Leiter*innen exemplarisch einen Aushang für Eltern und einen Konzeptionsauszug in einfache Sprache um. Deutlich wurde, dass neben der einfachen Sprache computergestützt geschriebene Aushänge notwendig sind, um alle Eltern zu erreichen. Um in Dialogen mit betroffenen Eltern kompetent zu beraten, informierten wir zudem über Portale und Lernprogramme für Erwachsene, die uns freundlicherweise vom Thüringer Volkshochschulverband e.V. zur Verfügung gestellt wurden.

Im Abschlusstreffen am 25.11.2019 standen erneut der Erfahrungsaustausch der teilnehmenden Kindertageseinrichtungen sowie das Thema „Ansprache von betroffenen Eltern“ im Zentrum. Im Erfahrungsaustausch mit der Referentin Frau Moisa, Referentin Alphabetisierung und Grundbildung (beim Caritasverband für das Bistum Erfurt) über die Projekte „GruKiTel“, „Blickpunkt Alpha“ und „Was du liest, gehört dir – (Eltern-) Arbeit in der Kita“ zeigte sich, dass insbesondere die sensible Ansprache von Betroffenen ausschlaggebend dafür ist, dass diese sich Unterstützung suchen. Wertvolle Tipps für Materialien zum Thema Family Literacy, etwa von der Volkshochschule Oldenburg, wurden ausgetauscht. Zum Schluss präsentierten die Teilnehmer*innen ihre erfolgreich erprobten Ansätze. Um die Ergebnisse aus den einzelnen Kindertageseinrichtungen zu verstetigen, verfassten die Einrichtungen Erfahrungsberichte, unter anderem von den Fragen „Welche Erfahrungen haben Sie beim Ausprobieren der Methoden gesammelt?“ und „Wie haben die Eltern auf die Angebote reagiert?“ geleitet. Die Berichte werden im Folgeprojekt in die bereits bestehende Broschüre „Family-Literacy in der Kita. Methoden der ganzheitlichen Förderung von Sprache und Schrift“ integriert.

Im dritten parallel verlaufenden Baustein testeten die teilnehmenden Kindertageseinrichtungen Methoden und Ansätze zur Förderung der schriftsprachlichen Entwicklung der Kinder und zur Elternansprache. In den jeweiligen Erfahrungsberichten der Kindertagesstätten zeigen sich, dass durch das Projekt den pädagogischen Fachkräften und Sprachfachkräften unter anderem bewusst wurde, wie bedeutsam ihre Rolle bei der Förderung einer ganzheitlichen schriftsprachlichen Lernkultur und der sensiblen Ansprache von Eltern ist, vor allem vor dem Hintergrund, dass 7,5 Millionen Erwachsene vom Analphabetismus (vgl. BMBF 2015, S. 2) betroffen sind. Auch wurden neue Impulse für pädagogische Fachkräfte und Eltern gesetzt, bewusster Methoden zur Förderung der erzähl-, sprach- und schriftsprachlichen Entwicklung einzusetzen. Exemplarisch hierfür stehen thematische Elternabende, ein Büchertauschregal, die Leseraupe, der Bücherrucksack oder der digitale Fotoapparat als neues Medium für Kinder. Auf thematischen Elternabenden wurde über die Problematik des Analphabetismus und Anlaufstellen für Unterstützung, wie die Volkshochschule oder das Alpha-Telefon, informiert. Durch Büchertauschregale und die Leseraupe, die mit pädagogischen Büchern bestückt sind, unter anderem zum Thema „Förderung der Erzähl-, Sprach- und Schriftsprache in Familien“, wurden Erzählanlässe zwischen Kindern und Eltern, aber auch zwischen Erzieher*innen und Eltern geschaffen und Anregungen für Zuhause gegeben. Insbesondere durch den Bücherrucksack und den Einsatz der digitalen Kamera konnten Eltern identifiziert werden, die gering literalisiert sind. Im Bücherrucksack befindet sich ein Buch, das zu Hause vorgelesen werden soll. Die Kinder erzählen die Geschichte anschließend im Morgenkreis in der Kindertageseinrichtung oder geben ggf. den pädagogischen Fachkräften Hinweise auf eine geringe Literalität der Eltern, etwa „Die Mama hat gesagt, sie kann das nicht lesen“. Die digitalen Kameras dürfen bei Ausflügen jeweils von einem Kind genutzt werden. Nach einer Auswahl von Bildern, die die Kinder mit nach Hause bekommen, sollen die Familien gemeinsam die Eindrücke der Kinder zu den Bildern schriftlich festhalten. Das Kind stellt diese Collage anschließend in der Kita vor. Hier zeigte sich, dass signifikant viele Eltern Probleme mit der Rechtschreibung und im Formulieren von einfachen Sätzen haben.

Im vierten Baustein des Projektes wurden erfolgreich sechs regionale Tandemschulungen mit Sprachfachkräften, Sprachfachberater*innen und pädagogischen Fachkräften zum Thema Family-Literacy und geringe Literalität durchgeführt. Insgesamt wurde das Bewusstsein geschärft, ein wichtiges Bindeglied zwischen Elternhaus und Kindertageseinrichtung zu sein.

Die Zufriedenheit und Begeisterung der teilnehmenden Kindertageseinrichtungen mit der Durchführung des Projektes dokumentiert sich in den Erfahrungsberichten, im Wunsch einer Fortsetzung des Projektes sowie der Empfehlung des Projektes an andere Kindertageseinrichtungen. Ebenso wurde ein Fachtag gewünscht.

Der Erfolg des Projektes zeigt sich darin, dass alle vorab definierten Ziele planungsgemäß erreicht wurden. Die Ergebnisse in den Kindertagesstätten haben erneut die Erwartungen übertroffen und motivieren für einen weiteren Folgeantrag. Durch das Projekt wurde bei den Teilnehmer*innen nachweislich das Bewusstsein für Literalität und Teilhabe geschärft und ein bedeutsamer Beitrag zur Vermeidung von Bildungsbenachteiligungen geleistet. Es hat sich herausgestellt, dass Eltern von Kindertageseinrichtungen, die bereits im zweiten Jahr an dem Projekt „Was du liest, gehört dir – Ansätze zur (Eltern-) Arbeit in der Kita“ teilnehmen, Vertrauen bezüglich ihrer geringen Alphabetisierung zur den Leiter*innen aufgebaut haben. Die direkte verbale Ansprache von betroffenen Eltern stellt weiterhin eine Herausforderung dar.

Das Projekt wurde im Internet auf der Homepage des AWO-Bildungswerkes Thüringen

und auf der Homepage des Bildungswerks im Bistum Erfurt vorgestellt.

https://awobildungswerk.de/projekte/was-du-liest-gehoert-dir-ansaetze-zur-eltern-arbeit-in-der-kita/

 

www.bistum-erfurt.de/bildung_kultur_engagement/bildungswerk/

 

Ebenso wurden Pressemitteilungen auf der Homepage des AWO Bildungswerkes und auf Facebook verfasst. Beispielhaft dafür steht diese Mitteilung:

awobildungswerk.de/aktuelles/aktuell-single-view/news/erstes-treffen-mit-thueringer-erwachsenenbildungseinrichtung-zur-inklusiven-wanderausstellung-kopie-1/

Das Projekt wurde zudem auf der Kitaleiter*innentagung der AWO Thüringen und im Zuge der Präsentation der Leo-Studie 2018 auf einem Fachtag präsentiert.

Ein Projekt der AG Regionale Bildung

Rückblick

Anknüpfend an unser Projekt im Jahr 2018 wollten wir neben weiteren Modulen zur Schulung von funktionellen Analphabeten, einen offenen Austausch zum Thema „Analphabetismus“ einrichten. Im Vordergrund sollte dabei stehen, ein Bewusstsein für die individuelle Situation der Betroffenen zu schaffen.

Unsere Zielgruppe neben den zugewanderten Frauen sollten auch Betroffene unsere Gruppen und Vereine aus unserer Kreisarbeitsgemeinschaft Jena – Stadtroda- Eisenberg darstellen. Der im Jahre 2017 stattgefundene Sensibilisierungsworkshop zur Alphabetisierung, den wir mit unseren Gruppen durchgeführt hatten zeigte, dass es ein großes Interesse bei unseren Gruppen gab, eine Art Alpha Cafe einzurichten, in welchem sich Betroffene treffen, austauschen und Anleitung erhalten. Leider wurde dies von unseren Gruppen nur sehr punktuell angenommen.

Im Gegenzug nutzten das wöchentliche Angebot umso mehr zugewanderte Frauen. Ein Eingangstest zeigte, dass die Frauen sich sprachlich schon recht gut ausdrücken konnten. Ihre schriftlichen Kompetenzen waren hingegen derart niedrig, dass sie die Funktion von Schrift nur sehr eingeschränkt nutzen konnten. Sie konnten somit die vorhandenen Schriftkompetenzen in ihren persönlichen Lebenswelten nicht funktional einsetzen.

Für diese Frauen wurde ein 72 UE umfassendes thematische Angebot mit dem Schwerpunkt auf Schreiben und verstehendes Lesen erarbeitet. Das Angebot erfasste Themen, die bei den Frauen von besonderem Interesse waren:

  • Schule
  • beim Arzt
  • Wohnung
  • Sozialsysteme in Deutschland (Behörden)
  • Arbeitswelt
  • Kinderbetreuung
  • Freizeitgestaltung
  • Feste und Feiertage

 

Beginnend Mitte Mai konnte das Alpha Cafe jeden Mittwoch von 13:00 – 16:00 Uhr stattfinden. Da es ein offenes Angebot darstellte, waren die Teilnehmenden nicht gezwungen an allen Veranstaltungen teilzunehmen. Es sollte jedoch immer der jeweilige Themenblock komplett besucht werden.

Am Abschluss jeden Themenblockes fand immer eine kleine Lernerfolgskontrolle statt. Z.B. erstellten die Teilnehmenden am Ende des Blockes „Feste und Feiertage“ eine entsprechende Grußkarte. Die Kenntnisse „beim Arzt“ hingegen haben wir im Rahmen eines Rollenspieles erprobt. Für den Bereich „Schule und Kinderbetreuung“ brachten die Teilnehmenden konkrete persönliche Belange mit ein. Im Rahmen von Auswertungsgesprächen erfuhren wir, wie erfolgreich die Teilnehmenden mit ihren Anträgen waren.Weiterhin hat sich der Einsatz der LÜK Kästen (aus dem Grundschulbereich) zur Selbstkontrolle der gestellten Aufgaben bewährt. Auch der Einsatz von Materialien aus der Montessoripädagogik hat sich bewährt. Hier wurde überwiegend in der Kleingruppe gearbeitet und im Anschluss präsentiert. Die restlichen Teilnehmer gaben dann eine Einschätzung über die jeweils erlebte Präsentation ab.

Im Rahmen von Auswertungsgesprächen zwischen Koordination, Lernbegleitung und Dozentin wurden die Themen der Lebenswelt der Teilnehmenden regelmäßig angepasst und die Methodik überprüft.

Als Kooperationspartner unterstützte uns wieder sehr das Frauenzentrum TOWANDA. Hier standen die Mitarbeiterinnen auch außerhalb der Projektzeit den Teilnehmenden bei Fragen und Problemen hilfreich zur Seite. Dadurch, dass wir uns auch mit unserem Kooperationspartner gut thematisch abgestimmt hatten, klappte diese Unterstützung sehr gut.

Eine weitere Kooperation ergab sich mit der VHS über deren Kooperationsprojekt GruKiTel. (Grundbildung – Kirchgemeinden – Telefonberatung). Im Rahmen eines kollegialen Austausches (niederschwellige Lernangebote in der Alphabetisierung und Grundbildung) wurden Erfahrungen im Umgang mit der Zielgruppe und bewährte Lernmethoden geteilt. Diese Zusammenarbeit soll auch im Jahr 2020 fortgeführt werden. Wir haben in 2020 zwar kein eigenes Projekt mehr, werden uns dennoch weiter mit beteiligen.

Als letzte Kooperation wären noch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter zu nennen. Über die Auseinandersetzung mit den persönlichen Belangen der Teilnehmenden kamen wir mit diesen beiden Institutionen in Kontakt. Hier zeigte sich die Zusammenarbeit darin, dass wir die eine und andere Teilnehmerin in einen niederschwelligen Sprachkurs vermitteln konnten.

Die Dozentin Frau Papadhima ist eine studierte DAF und DAZ Referentin. Sie verfügt über eine Zusatzqualifikation im Bereich Alphabetisierung. Sie hat an der Alpha Dekade Konferenz 7./8 Mai in Berlin teilgenommen. Sie und die Lernbegleiterin waren über die vom TVV angebotenen Kurse im Bereich der Alphabetisierung angebunden und haben regelmäßig die entsprechenden Einladungen erhalten.

Ein Projekt des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft BWTW e.V.

Rückblick

 

Lesecafé Arnstadt

Einladung

Ausgangslage/ Projektumsetzung:
Auch im Jahr 2019 lag unser konkretes Ziel für den Standort Arnstadt darin, Menschen mit Schwierigkeiten in den Bereichen Lesen und Schreiben diese Themen nahe zu bringen und hierdurch deren Lese- und Schreibkompetenz zu fördern. In Arnstadt bieten wir bereits über Jahre Bildungsangebote auch für Menschen an, denen Lesen und Lernen fremd geworden ist, weil sie es entweder nie richtig beherrscht haben bzw. die wenigen Kenntnisse nicht angewandt wurden. Mit dem “Lesecafé“ unterbreiten wir nach wie vor ein Angebot, dass diese Menschen, ohne sie beschämen zu müssen, zum Lernen anhält und ihre Lesetechnik sowie die Schreibfähigkeit fördert. Sie können angeleitet oder in Eigeninitiative Kenntnisse festigen bzw. erweitern.

Rahmenbedingungen des Lesecafès:
Die durch uns in der Konzeption geplanten Öffnungszeiten des Lesecafès haben wir, wie bereits im Kalenderjahr 2018, wie folgt umgesetzt: Geöffnet ist unser Angebot am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 14:00 bis 16:00 Uhr. Interessierte können in dieser Zeit ohne Anmeldung das Angebot nutzen. Eine Projektmitarbeiterin steht bei Fragen und Problemen zur Verfügung.

Ausstattung:
Wie bereits im Sachbericht zum Kalender Jahr 2018 beschrieben, beinhaltet die Ausstattung des Lesecafés eine Couch, ein Regal und zwei PC- Arbeitsplätze. Der Raum wurde bereits in 2018 wohnlich mit Pflanzen und Bildern an den Wänden gestaltet und in 2019 lediglich um einige dekorative Elemente erweitert. Wichtig ist uns hierbei der Erhalt einer gemütlichen Atmosphäre, die unseren Besuchern nach wie vor der Entspannung dienen soll. Unser Ziel, hierdurch die Sinne unserer Besucher zu öffnen sowie die Konzentration auf die von uns angebotenen Medien zu lenken, bleibt dabei konstant. Wie auch im Kalenderjahr 2018 stehen den Besuchern zwei Laptops und ein Farbdrucker zur freien Verfügung.

Die Lernplattform “ich-will-lernen.de“ sowie die Lernsoftware „Beluga“ können nach wie vor freidurch jeden Besucher genutzt werden. Unseren Besuchern werden weiterhin Romane, Krimis und Sachbücher zur freien Nutzung angeboten, die der Verbesserung der Lese- und Schreibfähigkeit sowie der intensiven Beschäftigung mit diesen Medien in einem ruhigen und angenehmen Umfeld dienen sollen. Ergänzt wird dieses Angebot auch weiterhin durch diverse Lehr- und Lernmaterialien, welche die Mitarbeiterin gezielt mit den Besuchern nutzen und anwenden kann. Unsere Auswahl an Literatur wurde 2019 im Rahmen von Sachspenden nochmals erweitert. So ist es uns gelungen eine umfassende kleine Bibliothek einzurichten, die den unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen unserer Zielgruppe gerecht wird.

Vermehrt nutzten und nutzen unsere Besucher inzwischen die Möglichkeit, Bücher aus unserem Inventar, die sie bereits im Lesecafé begonnen haben zu lesen und interessant fanden/finden zu entleihen und zu Hause zu Ende zu lesen.

Nutzung des Lesecafés:
Ehemalige Teilnehmer, die wir in der Vergangenheit durch unsere Integrationsmaßnahmen in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln konnten bzw. in anderer Form begleiteten, besuchen in größeren Abständen das Lesecafé, blättern in den vorhandenen Büchern oder suchen das Gespräch mit der zuständigen Mitarbeiterin. Genutzt wurde das Lesecafé neben externen Besuchern auch durch unsere Teilnehmer in Kombination mit dem Besuch anderer Projekte.

Teilnehmer, die in den Bereich der Zielgruppe fallen und an unseren Vollzeitmaßnahmen teilnahmen, nutzten das Lesecafé ebenfalls nach Beendigung des Unterrichts beziehungsweise in den Pausen dazu, sich zu entspannen oder sich dem Gruppengeschehen kurz zu entziehen um abzuschalten. Sie blätterten in den vorhandenen Büchern und lasen sie zum Teil auch komplett.

Auch etablierte sich das Lesecafé im Jahr 2019 bei unseren Teilnehmern aus anderen Maßnahmen als Rückzugsort, in dem vertrauliche Gespräche mit anderen Teilnehmern geführt wurden. Der Charakter eines Ortes zum „Wohlfühlen und die Gedanken baumeln lassen mit einem Buch in der Hand“ hat sich bei unseren Besuchern/ Teilnehmern im Verlauf des Jahren 2019 etabliert und erfreut sich konstanter Beleibtheit.

Vorträge und Veranstaltungen im Rahmen des Lesecafés:
Aufgrund der mangelnden Nachfrage unserer Besucher wurden die geplanten Vorträge/ Lesungen zu den in der Zielsetzung für 2019 beschriebenen Themen nicht umgesetzt. Alternativ boten wir Interessierten die Teilnahme an Kursen zum Thema „kreative
Entspannung“ an.

Am 05. Februar 2019 fand ein erster Kurs zum Thema „Kreative Entspannung“ statt. Unter Anleitung eines Kursleiters wurden einfache Techniken der Aquarellmalerei vermittelt. Wie bereits im Sachbericht zum Jahr 2018 ausführlich beschrieben, ist ein großer Teil unserer Besucher im Lesecafé schon längere Zeit ohne Arbeit. Im Rahmen der Kreativkurse wollen wir über das Medium „Malen“ den Besuchern einen besseren Zugang zum Thema Lesen und Schreiben ermöglichen (siehe auch Sachbericht 2018). Aufgrund des starken Interesses unserer Besucher und Teilnehmer am Thema „Kreative Entspannung“ sowie dem Aspekt, dass viele der Kursteilnehmer tatsächlich die im Lesecafé angebotenen Medien intensiv nutzten, entschieden wir die Wiederholung dieses Angebotes. Am 30. Juli 2019 sowie am 13. September 2019 fanden weitere Veranstaltung zum Thema „Kreative Entspannung“ statt. Am 17. Dezember 2019 führten wir einen weiteren Kurs zur „Kreativen Entspannung“ im Rahmen des Lesecafès durch. Thema war auch hierbei das Erlernen und die Umsetzung diverser Kreativtechniken.

Resümee und Ausblick:
Genutzt wird das Lesecafé von unseren Besuchern und Teilnehmern einerseits um in der vorhandenen Literatur zu „blättern“ und sich intensiv damit zu beschäftigen, beziehungsweise um Internetrecherchen am PC zu betreiben, bei der sie Unterstützung benötigen. Auch kontaktieren uns Menschen, denen das Ausfüllen von Formularen öffentlicher Behörden Probleme bereitet, beziehungsweise deren Lesekenntnisse nicht ausreichen, um Behördenbriefe und Bescheide zu verstehen.


Lesecafé Erfurt

Einladung

Ausgangslage/ Projektumsetzung:
In Thüringen gelten ca. 200.000 Menschen zu der Gruppe der funktionalen Analphabeten. Allerdings nehmen laut Thüringer Volkshochschulverband bisher nur unter 1% der Betroffenen entsprechende Lernangebote wahr. Potentielle Teilnehmer nehmen die bisherigen Angebote aus verschiedenen Gründen nicht an. Mit dem offenen Lese- und Lerncafé in Erfurt wollten wir ein niederschwelliges Angebot für Betroffene in der Bildungslandschaft etablieren. Ziel war es, für Menschen mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten, einen Anlaufpunkt zu schaffen, wo sie Unterstützung im Lesen und Schreiben erhalten können. Mit dem Lesecafé konnten wir hier ein Angebot unterbreiten, welches offen und freiwillig zum Lernen anhält, die Teilnehmenden bei der Verbesserung ihrer Lesetechnik und ihrer Schreibfähigkeit fördert.

Wir können in der Außenstelle Erfurt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit der Zielgruppe zurückgreifen. Zudem haben wir bereits 2018 mit der Umsetzung eines Lesecafés in Arnstadt begonnen. Diese Erfahrungen halfen uns bei der Gestaltung sowie der Ansprache der Zielgruppe.

Rahmenbedingungen des Lesecafès:
Die durch uns in der Konzeption geplanten Öffnungszeiten des Lesecafès haben wir wie folgt umgesetzt: Geöffnet war unser Angebot schwerpunktmäßig von Dienstag bis Donnerstag von 14:00 bis 16:00 Uhr. Interessierte konnten in dieser Zeit ohne Anmeldung das Lese- und Lerncafé besuchen, Bücher und Zeitungen lesen bzw. mitnehmen, am PC arbeiten oder auch mit unserer Mitarbeiterin gemeinsam Übungen durchführen, Texte erlesen oder auch spielerisch Alphabetisierungsübungen durchführen. Im Laufe des Jahres haben wir allerdings auch festgestellt, dass wir die Öffnungszeiten noch flexibler gestalten mussten. Wenn ein
Betroffener schon den Weg in die Einrichtung findet und lernen möchte, sollte ihm dies auch möglich sein. Daher passten wir die Öffnungszeiten an. Interessierte konnten täglich von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr das Lesecafé selbstständig nutzen, um z.B. Tageszeitungen zu lesen oder Bücher mitzunehmen. Allerdings war nur während der „regulären“ Öffnungszeit von Dienstag bis Donnerstag eine Mitarbeiterin für die Unterstützung der Teilnehmenden anwesend. Dies hat sich für die Ansprache der Betroffenen als positiv herausgestellt. Das Hemmnis „Anmeldung“ fiel weg und eine persönliche direkte Ansprache überwand die Schamgrenze schnell.

Ausstattung:
Im ersten Obergeschoss der Außenstelle Erfurt wurde das Lesecafé eingerichtet. Aufgrund der Erkenntnisse aus der Gestaltung des Lesecafés Arnstadt sollte der Raum offen, freundlich und praktisch sein. Eine gemütliche Leseecke wurde eingerichtet und dazu ein separater PC Arbeitsplatz mit Drucker. Dieser ist optisch von der Sitzecke getrennt und erlaubt ein individuelles Arbeiten. Bei Bedarf konnte auch ein größerer EDV Raum genutzt werden. Die Literatur (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften) war frei zugänglich. Lernspiele, Lehr- und Lernmaterialien aus dem Bereich Alphabetisierung und Grundbildung können nur im Rahmen der regulären Öffnungszeiten genutzt werden. Ausleihen sind selbstverständlich möglich.

An dem PC Arbeitsplatz konnte der Besucher selbstständig im Internet recherchieren, Schreiben anfertigen oder sich auch intensiv mit der Lernplattform “ich-will-lernen.de“ auseinanderzusetzen bzw. die Lernsoftware „Beluga“ nutzen. Durch die Unterstützung der Mitarbeiterin konnten hier positive Lernanreize vermittelt werden, so dass das selbstständige Arbeiten gefördert wurde.

Im Austausch mit dem Lesecafe in Arnstadt wurde die Literatur an beiden Standorten durch Spenden erweitert. Neben Romanen, Krimis und Sachbücher findet man auch Literatur in leichter Sprache. Die Besucher können Bücher einfach mitnehmen oder auch Bücher abgeben. Die Spendenbereitschaft ist groß. Kommuniziert wurde der Aufruf nach Bücherspenden bei den Mitarbeitern des BWTW aber auch in Netzwerken wie dem Lokalen Bündnis für Familien in Erfurt.

Öffentlichkeitsarbeit/ Netzwerkarbeit:
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit zur Bewerbung unseres Angebotes wurden Postkarten und Plakate entworfen und in Erfurt verteilt. Die Projektmitarbeiterin informierte zusätzlich in sozialen und öffentlichen Einrichtungen der Stadt über das Lesecafé und kontaktierten vorhandene Netzwerke (z.B. AlphaBündnis), um über das Angebot zu informieren.

Unter anderem wurde das Lesecafé im Lokalen Bündnis Erfurt, dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Erfurt sowie im Rahmen eines Arbeitstreffens der Träger des Landesarbeitsmarktprogramms vorgestellt. Im Rahmen des Arbeitstreffens wurden die Integrationsbegleiter für das Thema Alphabetisierung und Grundbildung sensibilisiert. Thema war unter anderem, wie man Anzeichen von funktionalem Analphabetismus bei Personen erkennt und wie man sensibel mögliche Betroffene oder deren Angehörigen anspricht. Ebenfalls nutzten wir unsere Kontakte zu Menschen, die in der Vergangenheit Projekte und Maßnahmen in unserem Haus besucht hatten und sprachen gezielt Menschen mit geringer Lese- und/ oder Schreibfähigkeit an. So ist es uns durch die persönliche Ansprache vonpotentiellen Teilnehmern gelungen eventuelle Hemmschwellen zu umgehen.

Angebote und Nutzung
Das Lesecafé kann ohne Anmeldeformalitäten von Interessierten genutzt werden. Der Beginn des Jahres stand im Zeichen der Öffentlichkeitsarbeit und Ansprache von möglichen Teilnehmern, sowie der Erweiterung des Literaturangebotes. Gerade neue Teilnehmer und Personen, die unser Haus nicht kannten, trauten sich nur nach Aufforderung in den Raum. Sie äußerten ihre Bedenken, dass der Raum sicher für andere Personengruppen wäre und blieben häufig am Eingang stehen. Durch die sensible Ansprache der Mitarbeiterin konnten diese Befürchtungen allerdings ausgeräumt werden. Die Interessierten hatten Ängste, die Literatur zu nutzen, weil sie nicht glauben konnten, dass sie sich ohne persönliche Angaben dort aufhalten und Bücher mitnehmen konnten. Positiv bewerteten die Interessierten, dass ihnen ohne Vorwürfe begegnet und Hilfe angeboten wurde.

Besonders in Anspruch genommen wurden folgende Unterstützungsleistungen:

  • Erläuterungen zu Schreiben vom Jobcenter
  • Erläuterungen von Arbeitsverträgen
  • Beantwortung von Schreiben (Vermieter, Jobcenter, Anwälten, Versicherungen, Gläubigern)
  • Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen (ALG II Antrag, Antrag Kindergeld)
  • Hilfe beim Ausfüllen von Onlineformularen (Bewerbungsportale)

Durchschnittlich besuchten wöchentlich 6-8 Personen das Lesecafé. Zwei Teilnehmer kamen regelmäßig, um ihre Lese- und Schreibfähigkeit zu verbessern. Sie erhielten von der Mitarbeiterin individuelle Arbeitsaufgaben und wurden auch über das Kursangebot der VHS Erfurt informiert.

Auf Gruppenangebote haben wir durch Plakate in einfacher Sprache sowie durch persönliche Ansprache hingewiesen. Angeboten hatten wir „Kochen“ aber auch Kreativangebote wie Weihnachtsgestecke gestalten. Zudem haben wir auch eine Infoveranstaltung zum Thema Onlinebewerbungen angeboten, welche leider aufgrund zu geringer Teilnehmernachfrage nicht stattgefunden hat. Gut besucht war das Kreativangebot zu Weihnachten. Positiver Aspekt der Veranstaltungen war, dass die Teilnehmer bemerkten, dass es viele Menschen gibt, die ebenfalls Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben und dies kein Grund für Stigmatisierung und Ausgrenzung ist.

Weiterbildung:
Die Mitarbeiterin des Lesecafé besuchte in 2019 eine weitere Fortbildung des TVV zum Thema „Buchstäblich fit“ mit dem Schwerpunkt Essen und Trinken. Dieses Thema wurde ebenfalls ins Angebotsspektrum des Lesecafé aufgenommen.

Resümee und Ausblick:
Genutzt wird das Lesecafé von unseren Besuchern einerseits um in der vorhandenen Literatur zu „blättern“, Bücher und Zeitung zu lesen und mitzunehmen. Aber auch um Internetrecherchen am PC zu betreiben oder Schreiben aufzusetzen, bei denen sie
Unterstützung benötigen.

Angepasst an die Bedarfe der Interessierten haben wir die Öffnungszeiten des Lesecafé. Uns war es dabei wichtig, dass Interessierte eine offene Atmosphäre vorfinden und das Lesecafé ohne Befürchtungen aufsuchen können. Dies erleichtert es, Lernanreize zu schaffen und die Freude am Lesen zu fördern.

Vor allem die Mund-zu Mund Propaganda von Nutzern war hilfreich. Für das Jahr 2020 sind weitere inhaltliche und thematische Veranstaltungen geplant. Das Angebot des Selbstlernens werden wir ausbauen. Weitere Bücherspenden sind uns bereits angezeigt, so dass wir auch in unserer Außenstelle Sömmerda eine kleine Bücherecke einrichten werden.

Ein Projekt des Diakonischen Bildungsinstitutes Johannes Falk GmbH

Rückblick

Im Rahmen von Blockseminaren mit jeweils 8 Unterrichtseinheiten an zwei Tagen (26.10. und 23.11.2019) hat die Dozentin und Sonderpädagogin Marlies Kaufmann insgesamt 28 BetreuerInnen und ErzieherInnen, die als Multiplikatoren fungieren, eine Methode gelehrt, mittels derer die Lese- und Schreibfähigkeit beschleunigt werden kann.

In Anlehnung an Franz Joseph Koch‘s Methode „Lesen lernen mithilfe von Fingerzeichen“, erlernten die Teilnehmer*innen lautgetreue Gebärden die sie befähigen, die Laute der Buchstaben des Alphabetes organisch zu Worten zu verbinden und dadurch die tägliche Arbeit mit Menschen mit Behinderung zu erleichtern. Durch diese im Rahmen des Projektes ausgebildeten Multiplikatoren, die in den Werkstätten mit der Zielgruppe arbeiten, wird der Lese- und Schriftspracherwerb nachhaltig und fortwährend unterstützt.

Das Konzept „Lesen lernen mithilfe von Fingerzeichen“ eignet sich insbesondere durch die gezielte Verknüpfung sensorischer, motorischer, sprachlicher, kognitiver und sozialer Komponenten zum ganzheitlichen Lese- und Schriftspracherwerb für Menschen mit einer geistigen Behinderung, die meist Defizite in den einzelnen Wahrnehmungsbereichen haben. Als besonders wirksam und weitreichend erachtete die Sonderpädagogin das Schulen und Sensibilisieren von Fachkräften, die mit der Zielgruppe – Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen - tagtäglich in den Werkstätten arbeiten. Eine konzeptionelle Umgestaltung war dafür jedoch nicht nötig.

Innerhalb der Seminare wurden die Fingerzeichen einzeln vorgestellt und durch viele praktische Übungen zu den Lauten intensiv geübt. Zudem wurde den Teilnehmern eine Strategie vermittelt, mithilfe derer das Konzept realistisch umgesetzt werden kann.

Vorbereitend auf die Blockseminare, um Interesse für das Thema zu erwecken und auf Empfehlung von Frau Kaufmann besuchten die Teilnehmer an einem Tag das Museum „Wortreich“ in Bad Hersfeld. Diese Exkursion wurde durch eigene pädagogische Mitarbeiter begleitet, da Frau Kaufmann an diesem Tag unpässlich war.

Durch verschiedene terminliche Zwänge seitens der Teilnehmer und der Pädagogin haben die beiden Blockseminare im Herbst stattgefunden.

Durch eigenes pädagogisches Personal wurden folgende Aufgaben gelöst:

  • Projektvorbereitung: Kalkulation, Ausschreibung, Marketing, Bedarfsabfrage innerhalb des Netzwerks von Fachkräften aus dem inklusiven Bereich
  • Erweiterung und Festigung des Kooperationsnetzwerk bestehend aus Einrichtungen inklusiver Arbeitsbereiche, qualifizierten Honorardozenten und Entscheidungsträgern
  • die gezielte Akquise von Teilnehmenden, die für die Fortbildung in besonderem Maße in Betracht kamen
  • Die organisatorische Umsetzung des Projektablaufs mit der Koordination von Terminen, Räumlichkeiten und Ausstattung
  • Inhaltliche Abstimmung mit der Honorardozentin und unter Einbezug der zuvor abgefragten Interessensbereiche
  • Begleitung der Exkursion
  • Die stetige eigene Weiterbildung und Qualifizierung auf dem Gebiet „Alphabetisierung“ und „Leichte Sprache“ durch die Teilnahme an pädagogischen Fachtagen, Beteiligung bei Arbeitskreisen und Mitarbeit an Broschüren
  • Evaluation der Veranstaltungen im Rahmen eines Feedback-Bogens

 

Mit dem Projekt „Maßnahmen zur Alphabetisierung“ konnten wir neue Erkenntnisse  bezüglich der Möglichkeiten gewinnen, die Lese- und Schreibfähigkeiten zu fördern. Wir konnten unser Portfolio um dieses Angebot erweitern und das Netzwerk vergrößern.

Für die Teilnehmenden gilt die Fort- und Weiterbildungsakademie dank dieses Projektes als professioneller Partner für Fortbildungen mit praktischen Anwendungsgebieten. Die Umsetzung des Konzepts erleichtert die Kommunikation zwischen Fachkräfte und Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und ermöglicht schließlich mehr gesellschaftliche Teilhabe.

Um das Projekt zu evaluieren, wurden im Seminar Feedback-Bögen ausgeteilt und im Dialog über Erwartungen und Wünsche gesprochen. Die Teilnehmer bewerteten das Blockseminar als überaus hilfreich, vor allem die praktische Herangehensweise wurde gelobt. Ein einziger Tag für das Thema erschien den meisten Teilnehmenden als zu wenig, übergreifend sprach man sich für eine Wiederholung aus.

Ein Projekt des DGB Bildungswerkes Thüringen e.V.

Rückblick

Modifikation des bereits entwickelten Kurzmoduls

Aufbauend auf den Erfahrungen und den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen aus der ersten Projektlaufzeit (2018), wurden die vorhandenen Materialien inhaltlich überarbeitet. Der Arbeitsweltbezug wurde um praktische Beispiele (Betrieb / ausgewählte Branchen) und die Sicht von Betroffenen erweitert. Im Mai 2019 erschien die neue leo-Studie, Daten und Zahlen des Seminarmaterials wurden aktualisiert.

Auswahl von Seminaren und Absprache mit den Referent*innen

Es wurden Seminare ausgewählt, die vom Bildungsteam für geeignet befunden wurden. Dafür wurde auf das Bildungsprogramm des DGB-Bildungswerkes Thüringen e.V. für betriebliche Interessenvertretungen zurückgegriffen und vorab Rücksprache mit den Referent*innen gehalten. Weiterhin wurde das Kurzmodul in zwei Schulungen für ehrenamtliche Arbeits- und Sozialrichter*innen durchgeführt und konnte auch für Kolleg*innen von ver.di angeboten werden.

Nach dem Seminar: Evaluation und Infobriefe an Betriebe

Zum Ende der Moduleinheit wurden die Teilnehmer*innen um ihre Meinung, Kritik und Verbesserungsvorschläge gebeten. Die Ergebnisse der Evaluation werden für die weitere Überarbeitung des Moduls genutzt.

Nach Zustimmung erhielten die Teilnehmer*innen ein Anschreiben mit weiteren Informationsmaterialien und dem Angebot, das Thema im individuellen betrieblichen Kontext genauer zu beleuchten, bspw. im Rahmen der mitbestimmungspflichtigen Betriebsratsarbeit. Die mögliche Umsetzung eines solchen Angebots wird in einem anderen Projekt realisiert.

Fazit

Trotz des Ausfalls von zwei geplanten Seminaren konnten 87 Personen erreicht werden, eine weitere vertiefende Zusammenarbeit in diesem Schwerpunkt hat sich daraus für einige der Erreichten ergeben.

Die Sensibilisierung betrieblicher Interessenvertretungen in diesem Bereich bleibt ein wichtiges Thema, das nicht von selbst erkannt wird und somit immer wieder angeboten werden muss. Das Kurzmodul wurde von den meisten Personen interessiert angenommen. Um das Phänomen im betrieblichen Umfeld zu erkennen und anzugehen braucht es jedoch langfristige Sensibilisierungskonzepte und die Bereitschaft zur nachhaltigen Umsetzung. Das Kurzmodul bietet hier lediglich einen Einstieg in das komplexe Themenfeld des Funktionalen Analphabetismus.

Ein Projekt des Bildungswerkes ver.di Thüringen

Rückblick

Ziel

Sensibilisierung von Schulungsteilnehmern als "Multiplikatoren" zur Identifizierung und zielgerichteten Ansprache von funktionalen Analphabeten in Unternehmen / Dienststelllen mit dem Ziel der Vermittlung in Schulungsmaßnahmen

Durchgeführte Arbeiten

Aufklärung von 146 Schulungsteilnehmer*innen aus 56 Betrieben und 57 Dienststellen innerhalb von 16 mehrtägigen Bildungsveranstaltungen des BW ver.di Thüringen im Rahmen von Sensibilisierungs-Inputs

Aktualisieren und Zusammenstellen von Vortrags- / Informationsmaterial zur Sensibilisierung von Schlüsselpersonen unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der leo-Studie 2018

Hinweis auf Kontakte und Ansprechpartner*innen verschiedener Alphabetisierungsmaßnahmen auf der Homepage des BW ver.di Thüringen

Vernetzung zu und mit vorhandenen Angeboten im Rahmen des Alpha-Bündnisses und des MENTO-Projektes (TVV und DGB bwt)

Qualifikation der Lehrenden:

  • 2017: fachtagung Alphabetisierung und grundbildung, Erstqualifizierung von Mentoren für die Grundbildung in der Arbeitswelt", LOFT-Workshop Alphabetisierung
  • 2018: Workshop zur Abstimmung LOFT und TVV im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung, Netzwerktreffen  Alpha-Bündnis
  • 2019: Erstqualifizierung von Mentoren für die Grundbildung in der Arbeitswelt, Netzwerktreffen Alpha-Bündnis

 

Erfolg

direkte Information und Ansprache von Schlüsselpersonen und direkte Kontaktmöglichkeit in Unternehmen und Dienststellen über Betriebsrät*innen, Personalrät*innen und Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen

Positionierung des Themas funktionaler Analphabetismus unmittelbar im Arbeitsumfeld Betroffener

Auswirkungen

verständnisvoller Umgang mit Betroffenen seitens der Schulungsteilnehmer*innen durch Enttabuisierung des Themas

Erleichterung der Identifizierung Betroffener und damit deren Vermittlung in Alphabetisierungskurse durch Erwerb von Kenntnissen zu Indizien und digitalen, finanzbezogenen, politischen und gesundheitlichen Praktiken, die auf Grundbildungsbedarfe hinweisen können

Aufbau von Strukturen innerhalb des Unternehmens / Dienststelle, um betroffe zu unterstützen


Der Thüringer Volkshochschulverband TVV e.V. hat zusammen mit den Volkshochschulen Jena, Weimarer Land und Saalfeld-Rudolstadt einen Kurzfilm zum Thema erstellt. Dieser gibt u.a. einen Eindruck, was es bedeutet, heute in Deutschland nicht ausreichend lesen und schreiben zu können, an wen sich die Kurse im Bereich Alphabetisierung / Grundbildung richten und welche Veränderungen sie im Leben der Teilnehmer bewirken können. Der Film soll Betroffenen Mut machen, Schlüsselpersonen sensibilisieren und einen Eindruck in das Kursgeschehen bieten.

Kurzversion (6:38 min)

Langversion (12:50 min)


Kooperationsprojekt Grundbildung

Konzepte zur Grundbildung stehen oft im Zusammenhang mit der traditionellen Alphabetisierungsarbeit. Der Begriff Grundbildung geht jedoch darüber hinaus, denn nicht nur schriftsprachliche Kompetenzen sind von zentraler Bedeutung, um sich in unserer modernen Gesellschaft zurecht zu finden. Zunehmend sind auch komplexe Fähigkeiten und Fertigkeiten in nahezu allen Lebensbereichen erforderlich, um mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen Schritt zu halten. Dies macht es schwierig, zu einer allgemein akzeptierten Definition von Grundbildung zu gelangen. Der Aspekt der Integration aller Menschen in die Gesellschaft spielt jedoch in allen Ansätzen eine zentrale Rolle. An diesem Punkt setzten die freien Träger der Erwachsenenbildung an: Grundbildung für Erwachsene dient dem Erwerb grundlegender Kompetenzen, die für die eigenständige Gestaltung des Lebens, für Teilhabe und aktives Handeln in unserer Gesellschaft notwendig sind.

Im Rahmen des Kooperationsprojektes 2015 haben sich unter dem Dach von LOFT fünf unterschiedliche Erwachsenenbildungseinrichtungen zusammengetan, um ihre Arbeit in diesem Bereich zu präsentieren und weiterzuentwickeln. Die vorgestellten Maßnahmen zeigen nicht nur die Notwendigkeit, sondern vor allem die Fähigkeit, lebenslang und lebensweit zu lernen.

Publikationen zum Thema

Dokumentation einer Kooperation zur Grundbildung

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