Politische Bildung


Veranstaltungen im Überblick - 2020

Aufbauend auf den Erfahrungen aus 2018 und 2019 werden einige erfolgreiche Formate fortgeführt und neue Ansätze etabliert. Außerdem haben sich drei weitere freie Träger entschieden, ihr Portfolio um Angebote zur politischen Bildung zu erweitern.

In diesem Jahr stehen die Projekte unter der Überschrift: "Vereint! Gespalten? Entwicklungen unserer Gesellschaft".

Die Aktivitäten werden ermöglicht durch die Förderung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) sowie durch die Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (LZT).

AG Regionale Bildung

Auch in Thüringen werden sich die regionalen Differenzierungen und räumlichen Ungleichheiten weiter verstärken. Die Strukturschwächen abgelegener ländlicher Regionen werden eher zu- als abnehmen. Dabei werden die mittel- bis langfristigen demografischen Veränderungen immer noch unterschätzt. Auch die Abkopplung von infrastrukturellen Leistungen versagt die soziale Teilhabe und Partizipationschancen. Eine Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse zu den städtischen Zentren ist dabei nicht mehr oder nur wenig möglich.

Hier hatte die AG Regionale Bildung gemeinsam mit ihren Mitgliedseinrichtungen aus dem südthüringer Raum eine Bestandsaufnahme der im ländlichen Raum aktiven Gruppen und Initiativen durchgeführt. Daraus resultierte, dass es noch eine breite Vielfalt an Angeboten im ländlichen Raum gibt.

Daher soll es in einem weiteren Schritt nun darum gehen diese Aktivitäten so zu vernetzen, dass die Städte der Region von den Angeboten im ländlichen Raum und umgekehrt profitieren bzw. diese nutzen können. Damit wollen wir erreichen, dass die Unterschiede in den Lebensverhältnissen zwischen Stadt und Land nicht entstehen bzw. sich nicht vergrößern. Beide Lebensbereiche können voneinander profitieren. Das unterstützt die Akzeptanz beider Lebensräume, wirkt dem demografischen Wandel entgegen und stärkt das soziale Miteinander.

Arbeit und Leben Thüringen

Im Rahmen des Jahresthemas 2020 "Vereint! Gespalten?" will sich Arbeit und Leben Thüringen konkret mit den Orten gemeinschaftlichen demokratischen Handelns beschäftigen. Geplant ist eine Veranstaltung mit dem Fokus Genossenschaften als "Schulen der Demokratie", konkret als Orte von Kultur und Bildung. Als Veranstaltungsort und Partner in der Durchführung ist das Kulturquartier Erfurt als derzeit erste Kulturgenossenschaft in Thüringen geplant.

Eine historische Betrachtung soll auch eine politische Einordnung des Genossenschaftsgedankens in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen ermöglichen. Genossenschaften und deren AkteurInnen aus dem deutschsprachigen Raum sind eingeladen, über ihre Erfahrungen der Selbstorganisation und Mitbestimmung in der Gestaltung ihrer Projekte zu berichten. Schließlich wird dem Austausch von best practice Beispielen und Unterstützungsmöglichkeiten Raum gegeben.

Im Ergebnis soll deutlich werden, dass es sich lohnen kann, Verantwortung zu übernehmen und sich an der Gestaltung eines vielfältigen gesellschaftlichen Zusammenlebens aktiv zu beteiligen.

https://www.arbeitundleben-thueringen.de/

AWO Bildungswerk Thüringen

In unserem Projekt beschäftigen sich Pädagog*innen mit der Frage, wie Kinder ihren Alltag in der Kita altersgerecht und angemessen mitbestimmen und mitgestalten sowie partizipative Strukturen ausgebildet und zum festen Bestandteil werden können. Demokratische Prozesse werden kindgerecht aufgearbeitet, um sie erleb- und erfahrbar zu machen, verschiedene Methoden und Ansätze zur Demokratiebildung werden in kleinen Projekten umgesetzt.

Ziel ist es, Kindertageseinrichtungen als Lernorte der Demokratie zu entwickeln. Demokratieprozesse sind Alltagsprozesse und lassen sich am besten durch Erleben lernen. Kinder lernen Demokratie, indem sie Demokratie erleben und Grundwerte demokratischer Kultur in der Kita erfahren.

Kinder brauchen früh die Erfahrung von Anerkennung, Teilhabe und Mitbestimmung, konstruktiver Streitkultur, das Erleben eines interkulturellen und toleranten Miteinanders. Teilhabe und Mitbestimmung ermöglichen Kindern, frühzeitig Erfahrungen mit demokratischen Werten und Strukturen zu machen. Durch partizipative Methoden lernen Kinder zum Beispiel, ihre eigene Meinung darzulegen, aber auch, die Meinung anderer anzuhören und eine gemeinsame Lösung zu finden- Sie üben sich in demokratischen Aushandlungsprozessen, in denen unterschiedliche Standpunkte friedlich und in Kooperation mit anderen ohne Anwendung von Gewalt ausgetragen werden.

Die Erfahrungen haben positive Auswirkungen auf den weiteren Lebensverlauf. Sie helfen Kindern, ihre Kommunikationsfähigkeit zu stärken, Selbstwirksamkeit zu erfahren und Selbstbewusstsein und Resilienz auszubilden. Der Erwerb dieser Kompetenzen ist ein wichtiger Baustein für Integration, Inklusion und Radikalisierungsprävention.

Im Rahmen unseres Projektes möchten wir an die positiven Erfahrungen und erfolgreichen Umsetzungen des Projektes in 2018 und 2019 anknüpfen und den Ansatz weiter verstetigen. In den bisher vier beteiligten Einrichtungen haben sich vielgestaltige Entwicklungen vollzogen. Neben den wichtigen Lernprozessen für die Kinder vollziehen sich auch bei den Pädagog*innen im Rahmen des Projektes Bildungsprozesse, bei denen Vorurteile, persönliche Haltung und die eigene Handlungspraxis reflektiert werden und sich das Bewusstsein für eine demokratische Alltagskultur und die damit einhergehende Bereicherung für den Kita-Alltag herausbildet.

In dem Maße, wie pädagogische Fachkräfte sich der Wirkmechanismen und der Verantwortung bewusst werden und ihre Handlungsmöglichkeiten ausloten und reflektieren und in kleinen Projekten mit den Kindern erproben, finden deshalb gleichzeitig gesellschaftliche Bildungsprozesse statt, die über die Kitas hinaus im privaten Bereich, in der Arbeit mit den Eltern und im Umfeld der Kita wirken. Die Kitas als Bildungsinstitutionen können hier eine wirksame, integrative Kraft entwickeln.

Im Jahr 2020 möchten wir zwei weitere Einrichtungen und Pädagog*innen-teams in das Projekt integrieren.

Um die positiven Praxisansätze und –erfahrungen auch anderen Einrichtungen zur Verfügung stellen zu können, haben wir 2018 und 2019 die Prozesse dokumentiert und möchten sie mit den Methodenbeispielen in einer kleinen Handreichung zusammenfassen. Das Material soll den Pädagog*innen in Kindertageseinrichtungen konkrete Anregungen und Impulse geben, sich auf den Weg zu mehr Demokratie und Mitbestimmung im Kita-Alltag zu machen.

https://awobildungswerk.de/startseite/

Bildungswerk im Bistum Erfurt

 

2018 und 2019 wurde das Sozialexperiment „Demokratie von unten“ mehrfach mit unterschiedlichen Gruppen durchgeführt. Zunehmend kommen Anfragen von möglichen Multiplikatoren nach Schulungen zu diesem Angebot und von Gruppen junger Erwachsener nach einer Durchführung des Sozialexperiments vor Ort. Daher möchten wir dieses Angebot im Jahr 2020 fortsetzen, um die Verstetigung zu ermöglichen, mit diesem Format einen Beitrag zur politischen Bildung zu leisten und die Wirkung in die Breite zu verstärken.

Das Sozialexperiment richtet sich v.a. an junge Erwachsene. Vereine und Verbände werden angeschrieben, ob ein Interesse an der Durchführung der Veranstaltung in Kooperation besteht. Inzwischen kommen auch Gruppen aus diesem Bereich mit der gezielten Frage nach einer Durchführung des Sozialexperiments auf uns zu. Als Kern des Projektes soll die Landbevölkerung angesprochen werden. Dies ist aufgrund des schnellen gesellschaftlichen Wandels, besonders im ländlichen Raum, geboten.

Wie kann Partizipation gelingen, wenn immer weniger Menschen auf dem Land leben?

Viele Menschen fühlen sich nicht verstanden oder sind der Ansicht, dass es eine große Lücke gibt zwischen den politischen Entscheidungsträgern und der „Basis“ der Demokratie, den „normalen“ Bürgern. Das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der politischen Entscheidungsträger und Körperschaften angesichts neuer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen in Teilen der Bevölkerung schwindet. Genau diesem Trugschluss soll mit dem Sozialexperiment entgegengewirkt werden. Die Teilnehmer sollen einen Einblick in die politische Praxis vermittelt bekommen. Ein Gegeneinander ohne Regeln des Zusammenlebens führt zu gesellschaftlicher Spaltung, damit automatisch zu Konflikten und zu einem schematischen Denken „Wir gegen die – eigenes Fortkommen ohne Kompromisse“.

Gleichzeitig kann mit dem Projekt auch dem Gestaltungspotenzial der allgemeinen Bevölkerung entsprochen werden. Es kann das Gefühl bei den Betroffenen geweckt werden: Ich werde ernst genommen, meine Kritik wird gehört und die Umsetzung von bloßen Forderungen ist in einem demokratisch verfassten System nicht so einfach. Denn im Alltag verzweifeln viele normale Bürger an der Komplexität politischer Entscheidungen. Wie wirken sich Entscheidungen in anderen Teilen der Welt auf das demokratische Prozedere in Deutschland und Europa, im konkreten politischen Alltag in Thüringen oder konkret der eigenen Region aus? Welche demokratischen Hürden müssen genommen werden und aus welcher historischen Erfahrung rühren diese Hürden her und gelten diese Begründungen für bestehende Hürden heute auch noch? Es soll also auch ein realistisches Bild davon gezeigt werden, wie „Politik im Alltag“ funktioniert und welch wichtige Rolle jeder einzelne dabei spielt.

https://www.bistum-erfurt.de/bildung_kultur_engagement/bildungswerk/

 

NEU: Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft

Politische Bildung mit Blick auf eine inklusive Gesellschaft bedeutet, dass es nicht mehr vordergründig darum geht, Menschen mit Behinderungen so zu betreuen und zu beeinflussen, dass sie in diese Gesellschaft passen. Sondern umgekehrt darum, die Gesellschaft zu öffnen, dass sie die Menschen mit Behinderungen selbstverständlich einbezieht.

Aber wie hat sich die Inklusion in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Wo stehen wir heute tatsächlich? Und was MUSS im Hinblick auf erfolgreiche Inklusion noch passieren? Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit unseren Teilnehmern beantworten.

Im Rahmen einer Projektwoche werden wir die Entwicklung zum Thema „Umgang und Integration von Menschen mit Behinderungen – Vereint! Gespalten? Entwicklung in unserer Gesellschaft“ in verschiedenen zeitlichen Epochen beleuchten. Beginnend in der Zeit des 2. Weltkrieges (Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald) über die Zeit der DDR (Besuch der Gedenkstätte Andreasstraße) bis heute (UN BRK, nationale Aktionspläne, Aktionspläne der Bundesländer, Unterstützung bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, wie inkludiert fühlen sich die Betroffenen, was sind die Wünsche für die Zukunft usw.). Es wird eine Projektarbeit inkl. eines Kurzfilms entstehen, die sowohl die Entwicklung zum Thema als auch die Arbeit der Teilnehmer mit dem Thema dokumentieren. Unser Ziel ist es, politische Bildung im Sinne der Erwachsenenbildung erlebbar zu machen.

Als Bildungswerk der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Thüringen widmen wir uns vor allem auch der Teilnahme behinderter Menschen in der Arbeitswelt und dem Abbau der damit verbundenen Barrieren. Dies ist oftmals durch Vorurteile, Erfahrungen und Missverständnisse geprägt.

Daher sollen die Ergebnisse der Projektwoche inkl. der Filmdokumentation im Rahmen eines moderierten Erfahrungsaustausches mit Vertretern aus Thüringer Unternehmen und Kooperationspartnern aus dem Bereich vorgestellt und diskutiert werden. Sich gegenseitig besser zu verstehen, Vorurteile abzubauen und Missverständnisse in der täglichen Kommunikation auszuräumen bzw. vorzubeugen soll dabei auch Thema der Veranstaltung sein.

https://www.bwtw.de/startseite/

Diakonisches Bildungsinstitut J. Falk

Gemäß des Arbeitstitels „Vereint! Gespalten? Entwicklungen in unserer Gesellschaft“ soll der Fokus des Projektes darauf gerichtet werden, wie und an welcher Stelle sich Menschen mit Beeinträchtigungen politisch beteiligen können.

Die Grundlage zum „Mitmischen“ bildet dafür die genaue Betrachtung einzelner Parteien, politischer Standpunkte und gesellschaftlicher Entwicklungen. Die Moderation der Treffen und Besprechungen werden größtenteils von pädagogischen Mitarbeiter*innen des DBI durchgeführt. Öffentlichkeitswirksam, informativ und erlebnisreich werden die einzelnen Veranstaltungen geplant und im Freizeitbereich der Teilnehmenden angeboten. Gerechnet wird mit 10 bis 15 Teilnehmenden pro Veranstaltung.

Das Projekt gliedert sich in zwei Teilprojekte.

a) Wahlprüfsteine: Wie stark macht sich die neue Landesregierung für mich? – Parteien auf dem Prüfstand

Die frisch gewählte Landesregierung wird anhand der Antworten aus den sog. Wahlprüfsteinen auf die Aspekte Inklusion und Teilhabe analysiert. Gemeinsam mit und für Menschen mit Behinderung wird herausgefunden, welche Parteien unter diesen bestimmten Aspekten welchen Standpunkt beziehen, wo Möglichkeiten der Mitsprache bestehen und wie man seiner Stimme Gewicht und Gesicht geben kann. Die Veranstaltungen sind thematisch nach politischen Ressorts, wie Arbeit, Bildung, Gesundheit und Familie aufgeteilt und geben den Teilnehmenden die Möglichkeit zum direkten Austausch mit den Politikern, die zum jeweiligen Thema eingeladen werden. Aktuelle und allgemeine politische Weichenstellungen im Bereich Inklusion und teilhabe werden genauso beredet, wie konkrete Hilfeleistungen zu individuellen Fragen. Des Weiteren beschreiben Projektteilnehmer*innen ihre persönlichen Lebensumstände und kennzeichnende Rahmenbedingungen, verleihen ihren Forderungen und Empfehlungen Substanz und geben den Abgeordneten Informationen aus erster Hand.

b) Politikstammtisch

Das beliebte Format „Politikstammtisch“ soll im Jahr 2020 wiederbelebt werden, weil die Nachfrage trotz langjähriger Pause bis heute bestehen bleibt. Die Ergebnisse des Thüringer Wahljahres 2019 bieten eine hervorragende Grundlage, kommunale und landespolitische Themen aufzugreifen und darüber zu diskutieren. In gemütlicher Atmosphäre und an einem zentralen Ort wird über aktuelle Ereignisse gesprochen, um politische Partizipation vorzubereiten. Mithilfe von Print-, Online- und Videomaterialien wird Politik und Gesellschaft einfach erklärt. Ergänzend zum Teilprojekt „Wahlprüfsteine“ wird das jeweils anstehende Thema vorbereitet, um die Dialogrunde mit Informationen auszustatten.

Pandiemiebedingt wurde die Projektumsetzung wie folgt angepasst:

Die Teilprojekte „Wahlprüfsteine“, „Politikstammtisch“ und „Braune Töne“ können nicht absehbar als Präsenz-Veranstaltung angeboten werden, weshalb wir die Inhalte digital vermitteln möchten. Hierzu ist es geplant, die Teilnehmer zunächst mit themenspezifischen, multimedialen Informationen zu versorgen, um anschließend zu einem online-Treffen einzuladen, wo der Dialog ermöglicht wird. Auf Grundlage von Webinaren und Experten-Chats sollen die Projekte umgesetzt werden.
Prinzipiell wird an der Grundidee wird festgehalten, Änderungen ergeben sich in der Methode der Vermittlung.

Und weiterhin:

Ein Teilprojekt des Gesamtprojektes „Mitmischen“ steht unter dem Namen „Braune Töne“.

Dieses Teilprojekt entstand aus der Vorüberlegung, dass erfahrungsgemäß das Hören von „Rechtsrock“ oder Musik mit rechtsmotivierenden politischen Gesinnungen ein Phänomen ist, welches auch in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung auftritt. Innerhalb dieses Teilprojektes sollen daher konkrete Bands und Songtexte aufgegriffen werden, welche mehr oder weniger dieser Szene angehören. Über das Medium Musik wird die Zielgruppe der Menschen mit Behinderung erreicht und auf eine Plattform gelenkt.

Gemeinsam mit einem Musikexperten werden ausgewählte Songtexte und Musikvideos analysiert und Hintergründe besprochen und die Plattform soll so zum Dialog über Fremdenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung anregen.

https://www.dbi-falk.de/

DGB Bildungswerk Thüringen

Die immer noch aktuellen Debatten um Migration und Integration verschieben sich aktuell in Deutschland. So wird beispielsweise die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Diskriminierung von Migrant*innen und Geflüchteten, gerade durch Migrant*innenselbstorganisationen und Gewerkschaften, stärker thematisiert und wahrgenommen. Hinzu kommt, dass die Gewerkschaften mit aktuellen politischen Bewegungen um das Wort „Streik“ kämpfen müssen. Während die rechtliche Verbindlichkeit außer Frage steht, mobilisieren sowohl die Fridays for Future Bewegung als auch feministische Bewegungen mit Klima- oder Frauenstreiks zu ihren Veranstaltungen. Doch hat das alles noch etwas mit dem klassischen Arbeitskampf zu tun und wenn ja was?

 

In einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe wollen wir zuerst auf die Geschichte von Streiks in Deutschland zurück blicken. Dafür soll eine Veranstaltung zum Thema „Pierburg in Neuss 1973, Streik migrantischer Frauen“ stattfinden. Dieser Streik ist daher so herausstechend, da er zu Beginn ein migrantischer Frauenarbeitskampf war, welcher später von allen Beschäftigten mitgetragen wurde.

 

Die zweite Veranstaltung soll sich mit dem Thema „Die 35 Stunden Woche im Osten – der IG-metall Streik 2003“ beschäftigen, der wohl größten Niederlage einer Gewerkschaft im Arbeitskampf in den neuen Bundeländern. Dabei soll es dort auch um Fehleranalyse und Lernmöglichkeiten gehen und um die Frage, ob es im „Osten“ eine Streikkultur gibt.

 

Die dritte Veranstaltung soll sich um den Streikbegriff an sich drehen: „Frauenstreik, Klimastreik, Arbeitskampf? Politische Bewegungen für eine bessere Welt“. Dabei sollen Vertreter*innen der Klimabewegungen, feministischer Bewegungen und der Gewerkschaften in eine Diskussion über die Nutzung des Begriffes Streik in aktuellen politischen Bewegungen kommen.

 

Ziel ist es, Menschen auf der einen Seite für politische Arbeitskämpfe und deren Ziele zu sensibilisieren, auf der anderen Seite soll auch über die Möglichkeiten politischer Aktivitäten im gemeinsamen „Streik“ diskutiert werden.

 

Zu jeder Veranstaltung soll ein Podcast erstellt werden, welcher später auf der Seite des DGB-Bildungswerkes Thüringen veröffentlicht wird und in welchem eine Zusammenfassung der Diskussion für Multiplikator*innen und Interessierte zur Verfügung gestellt wird.

https://www.dgb-bwt.de/

Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen

Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft folgt meist bestimmten gegensätzlichen Argumentationslinien, zwischen denen (fast) keine Vermittlung mehr stattfindet. Die Argumente sind zudem emotional stark aufgeladen. So verschwinden die Zwischenräume, die der Dialog grundsätzlich benötigt. Über rationale Prozesse lässt sich das kaum noch verändern.

Wir versuchen im Projekt mit Mitteln der Kunst (Film, Foto, bildende Kunst, künstlerische Interventionen) diese Zwischenräume, „Grauzonen“ wieder herzustellen und dort einen „Dritten Raum“ (Homi Bhaba) zu etablieren, in den der Diskurs wieder aufgenommen werden kann.

Wir planen dafür in Kooperationen mit verschiedenen Künstlern eine Reihe Veranstaltungen, die niedrigschwellig zur Beteiligung einladen und aktuelle Diskurse aufgreifen (Selbst- und Fremdbild vom „Osten“, Fremderfahrung und Heimat etc.). Dabei stehen partizipative Methoden im Vordergrund.

Schwerpunkte werden dabei vorr. Jena, Weimar, Erfurt, Gotha sein. Die genaue Festlegung der Orte erfolgt zu Beginn des Jahres 2020.

https://www.eebt.de/de

NEU: Ländliche Heimvolkshochschule Thüringen

Vereine haben eine lange Tradition und übernehmen wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft. Dieser Kurs soll helfen, Vereine auf sichere Füße zu stellen und die ehrenamtlich Engagierten in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu unterstützen. Umrahmt von rechtlichen Grundlagen zu Themen wie Satzung, Mitgliederversammlung, Veranstaltungsrecht u. ä. sollen die Herausforderungen des Miteinanders in der alltäglichen Vereinsarbeit thematisiert werden. Dabei soll erörtert werden, wie Teilhabe ermöglicht bzw. intensiviert werden kann und wie vermieden wird, dass sich bei der Mitgliedergewinnung und  -einbindung unerwünschte rassistische und/oder diskriminierende Tendenzen in die Vereinsarbeit einschleichen. Wege zur Motivation für ehrenamtliches Engagement sollen aufgezeigt werden. Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt ist die Stärkung demokratischer Strukturen und des demokratischen Miteinanders über die Etablierung einer entsprechenden Kommunikations- und Konfliktkultur, die Vielfalt zulässt.

https://www.klosterdonndorf.de/

Landvolkbildung Thüringen

Unser Projekt zeigt die realistische Darstellung des Lebens und Wirkens im ehemaligen Grenzgebiet Sonneberg. Neben der Erhebung von Standarddaten (Alter, Geschlecht, Beruf, Lebenszeit in der Region usw.) sollen Aussagen über das Leben vor- während und nach der Wendezeit vergleichsweise getroffen werden.

Nach dem Motto: „Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart nutzen, um die Zukunft zu gestalten“, werden die erhobenen Daten zur Darstellung des Wandels des Lebens, der Arbeit, der Familie und des Wirkens in der Region, in den verschiedenen Zeiten, eingesetzt. Dabei ist es uns besonders wichtig zu zeigen, wie die Menschen ihre Situation im getrennten sowie im wiedervereinigten Deutschland erleben.

Wir wollen die Erfahrungswerte und Meinungen, die empfundenen und gelebten Gemeinsamkeiten und Unterschiede signifikant darstellen und veröffentlichen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage einer Handlungsempfehlung zur zukünftigen Mitgestaltung des Lebens in der Region und der Verbesserung des Lebens im ländlichen Raum.

Die Umfrage, sowie die Veröffentlichung deren Ergebnisse, werden allen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Schulen und öffentlichen Einrichtungen zugänglich gemacht. Diese können die Ergebnisse z.B. für eigene Projekte, Studien oder Publikationen nutzen.

Februar 2020:
Erstellung der Fragen und des Layouts der Umfrage mit Jens Kaufmann (Marketing & Design)

März –Oktober 2020:
Schaltung der Umfrage (online mit Jens Kaufmann), Überprüfung der Umfrage auf Teilnehmerzahlen, Werbung für die Umfrage, Akquise von Kooperationspartnern – welche die Umfrage auf ihre Plattformen/Medien nehmen

November – Dezember 2020:
Auswertung der Ergebnisse, Erarbeitung einer ansprechenden Broschüre und Auslage dieser in öffentlichen Einrichtungen. Erstellung eines Erfahrungsberichtes und Veröffentlichung dieses in den regionalen Medien. Austausch über die Ergebnisse mit regionalen Entscheidungsträgern, hierbei soll auch eine Erörterung potentieller zukünftiger Strategien für die Region erfolgen.

https://landvolkbildung.de/

 

Paritätisches Bildungswerk LV Thüringen

Das Vorhaben baut auf dem Methodentraining "Politische Bildung kreativ gestalten" auf, das in den letzten beiden Jahren im Rahmen des LOFT-Teilprojektes durchgeführt wurde. Insgesamt 20 Teilnehmende aus verschiedenen Organisationen der sozialen Arbeit konnten hieraus Handlungskompetenzen, Methoden und Werkzeuge für die kreative Gestaltung von politischer Bildungsarbeit mitnehmen. In der Evaluation der beiden Trainings wurde ein hoher Bedarf für eine vertiefte Begleitung bei der Umsetzung des Gelernten in den eigenen Einrichtungen deutlich. 

Hier setzt das diesjährige Vorhaben an. Es zielt darauf ab, Organisationen in der Mitgliedschaft des Paritätischen Thüringen bei der Umsetzung der Methoden politischer Bildungsarbeit in den jeweiligen Einrichtungen zu unterstützen. Konkret werden bis zu sechs Inhouseveranstaltungen bei interessierten Organisationen durchgeführt, in denen die Umsetzung politischer Bildungsarbeit beispielhaft, ganz praktisch und an den konkreten Bedarfen orientiert von Fachexperten begleitet wird.

Die paritätischen Mitgliedsorganisationen decken ein vielfältiges Spektrum sozialer Arbeit ab. Es ist somit ihr Auftrag und Bestandteil der täglichen Arbeit, der sozialen Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken.

https://www.pbw-thueringen.de/

Bildungswerk ver.di Thüringen

Auch wenn mit der angekündigten staatlichen Vereinigung beider deutschen Staaten der Weg zur deutschen
Gewerkschaftseinheit frei war, herrschte weiter Unklarheit darüber, was mit dem FDGB geschehen
sollte. Eine Gesamtfusion kam aus Sicht der DGB-Gewerkschaften nicht in Frage, weil der FDGB - der
Freie Deutsche Gewerkschaftsbund der DDR - keine politisch unabhängige Organisation der Arbeitnehmer*
nnen war, sondern eine Massenorganisation (Blockorganisation) der bis 1989/1990 herrschenden
SED. Hans Berger, damaliger Vorsitzender der IG Bergbau und Energie, schlug den Vorsitzenden der
mittlerweile 20 selbstständigen Einzelgewerkschaften des FDGB vor, aus ihren Reihen einen Sprecherrat
zu bilden, der den Einigungsprozess aktiv mitgestalten und begleiten sollte. Sie nahmen den Vorschlag an
und lösten den FDGB bei seinem letzten Kongress im September 1990 auf. Später traten sie den DGBGewerkschaften
bei.

Das Bildungswerk ver.di Thüringen e.V. plant dazu ein Zeitzeugen-/Erinnerungs-/Kamingespräch mit Vertreter*
innen, die diesen gewerkschaftlichen Vereinigungsprozess aktiv begleitet haben, um aktuelle betriebliche
Interessenvertreter*innen und gewerkschaftspolitisch Interessierte über Entwicklungen gewerkschaftlicher
Politik und Zeitgeschichte zu informieren, zu bilden und in Diskussion zu bringen.

Wir möchten mit dieser Veranstaltung die politische Diskussion jenseits der allgemeinen Feierlichkeiten
zum 30jährigen Jubiläum zur Deutschen Einheit anregen, zu mehr Partizipation auffordern und uns mit
der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gewerkschaftspolitischer Arbeit auseinandersetzen.

https://www.verdi-bildungswerk.de/


Veranstaltungen im Überblick - 2019 - Rückblicke

Aufbauend auf den Erfahrungen aus 2018 wurden die verschiedenen Formate und Ansätze für die politische Bildung fortgeführt und ausgebaut.

Die Aktivitäten wurden ermöglicht durch die Förderung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) sowie durch die Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (LZT).

Arbeit und Leben Thüringen e.V.

 

Rückblick

"Ohne Mitbestimmung keine Demokratie - Schicksalsjahre der Weimarer Republik 1919-23"

Download Projektbericht

www.arbeitundleben-thueringen.de

Bildungswerk im Bistum Erfurt

 

Rückblick

Das Sozialexperiment „Demokratie von unten?!“ wurde mit drei verschiedenen Gruppen durchgeführt; eine vierte Durchführung musste mangels teilnehmenden abgesagt werden. Hierbei handelte es sich um Studentengemeinden, zwei Klassen der Jahrgangsstufe 10 der Staatlichen Regelschule Küllstedt (Eichsfeld) und eine Gruppe geflüchteter Menschen in Weimar. Insgesamt konnten 83 Teilnehmer*innen über 16 Jahre erreicht werden.

Die Anzahl der Unterrichtseinheiten konnte dabei im Vergleich zum ähnlich gelagerten Projekt aus 2018erheblich ausgebaut werden. So wurde im Rahmen der Kooperation mit der Staatlichen Regelschule in Küllstedt ein ganzer Projekttag und somit eine Verdopplung im Vergleich zu 2018 erreicht. Hinzu kam eine Studentengemeinde in Jena mit 24 Personen, die zum überwiegenden Teil aus dem ländlichen Raum stammten. Insgesamt wurden im Rahmen des Projektes 44 Unterrichtseinheiten erbracht.

Die Durchführung mit einer Gruppe von 29 Geflüchteten im Café International der Caritas Flüchtlingssozialarbeit fand erstmals statt. Hier erfolgte eine Ausweitung des Konzeptes, da Erfahrungen im Heimatland und im Zielland mitberücksichtigt werden mussten und auch das Verständnis für historisch gewachsenen Parteien erst erklärt werden musste, um dann den zweiten Teil des Sozialexperiments, nämlich die Verortung im politischen System, vornehmen zu können.

Vulnerable, bildungsferne personengruppen mit teilweiser direkter Zuwanderungserfahrung sowie Personengruppen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig in gesellschaftlicher Verantwortung stehen können, konnten somit gleichermaßen erreicht werden.

Kooperationen aus dem Jahr 2018 konnten fortgeführt und ausgeweitet werden. Somit erhielt die politische Bildung eine größere Bedeutung und es konnte ein Format etabliert werden, das bei den Herausforderungen der schulischen politischen Bildung ansetzt. Politikverdrossenheit kann somit durch eigene Erfahrungen über die Komplexität politischer Entscheidungen begegnet werden.

Neuzugewanderte werden von Anfang an als für die gesellschaftliche Mitwirkung bedeutsame Zielgruppen definiert und erhalten Rüstzeug an die Hand, um die Transformation vom geflüchteten zum Staatsbürger vollziehen zu können und sich selbst in die Gesellschaft aktiv einzubringen. Auch die Verarbeitung von Erfahrungen mit der Demokratie können somit reflektiert werden. Durch eine Dolmetscherin konnte sichergestellt werden, dass die geflüchteten die Funktionsweise der gesellschaftlichen Ordnung nachvollziehen können. Das Sozialexperiment entwickelt damit die Kompetenzen fort, die mit den Integrationskursen angedacht sind. Studierende erfahren, wie es ist, gesellschaftliche und politische Verantwortung zu übernehmen.

Vom Konsumenten politischer Bildung zum handelnden Subjekt: Das ist das Ziel politischer Bildungsarbeit. Dabei kam im Verlauf des Jahres 2019 gezielte Anfragen von Gruppen (junger) Erwachsener aus ganz Thüringen, ob das Sozialexperiment auch mit Ihnen durchgeführt werden könne. Die Zahlenmäßige Steigerung der Anfragen ist ein Indiz dafür, dass das Bewusstsein für die Bedeutung politischer Bildung steigt und das Bildungswerk im Bistum Erfurt als ein in dieser Hinsicht kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen wird.

Die Auswirkungen des Sozialexperiments sowie weiterführender politischer Bildung sind in der Kurzbetrachtung schwer zu ermessen. Auch können Defizite, die vorherrschen, nicht durch einmalige Veranstaltungen restlos aufgearbeitet werden, da hier viele verschiedene Faktoren zusammenwirken. Die Ausweitung der Anzahl von Unterrichtseinheiten und die Verstetigung zeigen jedoch, dass durch das Projekt die Bedeutung der politischen Bildung erkannt wird. Die Beobachtung, dass Schüler*innen, Student*innen und Geflüchtete die Notwendigkeit von Abstimmungsverfahren erkennen und selbst initiieren, dass sie einen Ausgleich verschiedener Positionen anstreben und die Gesamtheit politischer Aushandlungsprozesse erkennen, ist positiv zu bewerten. Das Vertrauen in die Demokratie wird gestärkt und die politische Partizipation gefördert. Unter Anleitung einer Fachkraft der politischen Bildung konnten Verfahren der politischen Willensbildung und des politischen Austauschs und des Aushaltens unterschiedlicher politischer Positionen eingeübt werden.

Bei ausreichender finanzieller Ausstattung hätte das Sozialexperiment noch weitere Male durchgeführt werden können. Auch wurden Vorschläge seitens der Kooperationspartner unterbreitet, wie das Sozialexperiment noch zielgruppenspezifischer umgesetzt werden könne. Hierbei wurde eine erneute Ausweitung oder Verstetigung ins Gespräch gebracht oder eine Art Konzentrierung in Form einer internatsmäßigen Unterbringung während der Durchführung angeregt. Weitere Personenkreise könnten angesprochen werden. Auch weitere digitale Medien könnten integriert werden. Darüber hinaus könnte auch eine Verzahnung zwischen Theorie, eigener Erfahrung und dem Besuch von Parlamenten und anderen Institutionen politischer Willensbildung sowie die Wirkungsmöglichkeiten jenseits von Wahlen, zum Beispiel Petitionen oder ähnliches, noch stärker einbezogen werden. Dies wäre ein sehr niederschwelliger Zugang zu Beteiligungsmöglichkeiten am politischen Leben.

Die Öffentlichkeitsarbeit und Publizität wurde vor allem durch eine enge Zusammenarbeit mit den Kooperationspartner sowie Online-medien betrieben. Gedruckte Werbematerialien wie Flyer oder Plakate waren nicht erforderlich.

www.bistum-erfurt.de/bildung_kultur_engagement/bildungswerk/

DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.

 

Rückblick

Das Ende der Monarchie und die Durchsetzung der parlamentarischen Demokratie 1918/19 war einer der wichtigsten demokratischen Umbrüche in der deutschen Geschichte. Ziel des Projekts war es, den 100. Jahrestag der Novemberrevolution zu nutzen, um auf zentrale und bis heute gültige Errungenschaften wie die Einführung des Frauenwahlrechts, der Betriebsräte und des 8-Stunden-Tags aufmerksam zu machen und eine Auseinandersetzung darum anzuregen, dass gesellschaftlicher Fortschritt und demokratische Rechte von vielen Protagonist*innen in der Vergangenheit unter hohem Einsatz errungen wurden und heute verteidigt werden müssen.

Als besondere Form der Vermittlung wurde das Theater gewählt. Das Hamburger Axensprungtheater führte das Stück: „Revolution!? - Ein Schauspiel zu den politischen Umbrüchen in Deutschland 1918/19“ auf, im Anschluss gab es noch eine Diskussionsrunde, an der sich neben den Schauspieler*innen Sandro Witt vom DGB Hessen-Thüringen beteiligte. Im Theaterstück kommen unterschiedliche Protagonist*innen zu Wort und es entsteht ein multiperspektivisches Bild auf die Ereignisse.

Insgesamt war das Projekt ein Erfolg. Zu der einmaligen Aufführung des Theaterstücks inklusive Diskussionsrunde am 26. Februar 2019 im Kalif Storch kamen über 60 Personen, dabei war die Altersspanne des Publikums breit gefächert und eine gute Mischung aus Kolleg*innen aus den Gewerkschaften und jüngeren, eher akademischen Menschen, die einen Zugang zum Ort der Veranstaltung hatten. Auch in der Lokalpresse wurde die Veranstaltung zur Kenntnis genommen. Dass es mit der Veranstaltung gelungen ist, ein Interesse am Thema zu wecken, zeigte sich auch daran, dass fast alle Zuschauer*innen nach einer Pause auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion blieben. Die Diskussionsrunde versuchte im Anschluss an die Aufführung, das Gezeigte einzuordnen und einen Bogen ins Jetzt zu schlagen. Es gab eine insgesamt gute Beteiligung auch aus dem Publikum.

Im Anschluss erfolgte eine Auswertung unter den beteiligten Bildungsreferent*innen.Auch hier wurde der Ansatz der Vermittlung von Bildungsinhalten mithilfe des Theaters positiv bewertet. Sie kann zwar eine ausführlichere und aktivere Auseinandersetzung mit Themen nicht ersetzen, aber insbesondere bei historischen Themen ist sie durch das Erleb- und Erfahrbarmachen von Vergangenem gut geeignet ist, einen Einstieg für die Vertiefung der Inhalte zu bieten.

www.dgb-bwt.de

Landvolkbildung Thüringen e.V.

 

Rückblick

In der Zeit vom 01.07.2019 bis 31.12.2019 wurden sechs verschiedene, inhaltlich attraktive Module zu Themen der politischen Bildung und zur Sensibilisierung interkultureller Themen, aber auch zu den Themen Demokratieentwicklung, -förderung und –aufbau angeboten.

Die Module konnten unabhängig voneinander besucht und dennoch miteinander kombiniert werden. Die Inhalte wurden in den Räumen der Außenstelle, didaktisch wertvoll und von erfahrenem Fachpersonal vorbereitet und umgesetzt.

In einer angenehmen Lernatmosphäre konnten 80 Projektteilnehmer*innen erreicht werden. Überwiegend waren es Ehrenamtliche mit pädagogischem und interkulturellem Hintergrund, aber auch Lehrkräfte und Pädagogen in der Bildungs- und Erziehungsarbeit. Neben diesen nahmen zudem Menschen mit Interesse an einer ehrenamtlichen Betätigung teil.

Die mit dem Projekt verfolgten Ziele konnten erreicht werden. Unter anderem wurde Raum zum Nachdenken und zu Reflexion für sich selbst aber auch gemeinsam gegeben. Folgende Ziele wurden angestrebt und erreicht:

  • Erlebbarmachen von Vielfalt und Toleranz
  • Beteiligung von Menschen an der politischen Öffentlichkeit
  • Die Eröffnung von Bildungsräumen / Anknüpfung an Lebensräume / Vereinsleben
  • Sensibilisierung für einzelne Themen zum Erkennen der eigenen Handlungsmöglichkeiten und Chancen des ländlichen Raums
  • Abwehr antidemokratischer Einstellungen bei gelichzeitiger Hilfe zum Erkennen und Verstehen von komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen
  • Hilfe zum Erkennen des eigenen Standpunktes und Reflexion der persönlichen Sichtweise
  • Befähigung zur selbstständigen Urteilsbildung
  • Abbau von Verunsicherung und besseres Verständnis für gesellschaftliche Umbrüche

 

www.landvolkbildung.de

ver.di-Bildungswerk Thüringen e.V.

 

Rückblick

Das Bildungswerk ver.di Thüringen e.V. hat das 2018 begonnene Projekt „Die Anfänge der betrieblichen Mitbestimmung in der Weimarer Republik“ fortgeführt. Hierfür wurde ein Fachtag unter dem Titel „100 Jahre Weimarer Verfassung – Kampf um Mitbestimmung gestern – heute – morgen“ vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet. Zielgruppe des Fachtages waren betriebliche Interessenvertreter*innen, Teamende, Ehrenamtliche und Interessierte. In der Veranstaltung wurde den Anfängen und der Entwicklung der betrieblichen Mitbestimmung seit der Weimarer Verfassung und damit zugleich der Rolle der Gewerkschaften im Kampf und Erhalt um heute selbstverständliche Regelungen wie z.B. Arbeitszeit, Urlaub, Tariflohn u.a. nachgegangen.

Im Rahmen der Vorbereitung wurde gemeinsam mit ehrenamtlichen Teamer*innen und Mitarbeiter*innen des Bildungswerk ver.di Thüringen e.V. das vorhandene Konzept für den Fachtag final konkretisiert. Um einem deutlich größeren Teilnehmer*innenkreis die Teilnahme zu ermöglichen, wurden für betriebliche Interessenvertreter*innen Freistellungen nach BetrVG, ThürPersVG und BPersVG für die Veranstaltung beantragt. Für den Fachtag wurde eine begleitende Ausstellung der Hans-Böckler-Stiftung mit dem Titel „Vom Wert der Mitbestimmung – Betriebsräte und Aufsichtsräte in Deutschland ab 1945“ organisiert und am Veranstaltungsort gezeigt.

Veranstaltungsort: ver.di Bildungsstätte Saalfeld        

Veranstaltungstermin: 14.11.2019

Inhaltlicher Ablauf des Fachtages:

- Historischer Vortrag zum Thema „Gesetzliche Regelung der Mitbestimmung 1919/20“

- Podiumsdiskussion zum Thema „Mitbestimmung heute“ (Podiumsgäste: Bodo Ramelow, Dr. Andreas Braune,

  Melanie Pohner, Johanna Sittel, Thomas Voß, Rainer Kräuter)

- Workshops zum Thema „Mitbestimmung morgen“

- begleitet wurde der Fachtag von einem Quiz und der o.g. Ausstellung der Hans-Böckler-Stiftung

Teilnehmer*innen: ca. 50, überwiegend Personal- und Betriebsrät*innen, 16 Gäste (haupt- und ehrenamtliche ver.di Mitglieder, Interessierte)

Erfolg:

Die Veranstaltung hat wie geplant stattgefunden, den Teilnehmer*innen wurde ein umfangreiches Programm geboten in dem die unterschiedlichen Aspekte betrieblicher Mitbestimmung im Spiegel der Zeit betrachtet und auf wesentliche Mitbestimmungsaspekte eingegangen wurde. Zudem ist es geglückt den Bogen über die Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft zu schlagen. Die Teilnehmer*innen des Fachtags haben Wissen über die Anfänge der betrieblichen Mitbestimmung erworben, haben diese mithilfe der Podiumsdiskussion aus heutiger Sicht beleuchtet und konnten in Workshops Ansätze und Ideen für die eigene betriebliche Praxis entwickeln. Das Podium war hochkarätig besetzt. Neben dem Ministerpräsident des Freistaates waren auch wichtige Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und von den Gewerkschaften bzw. den gewerkschaftlichen Bildungsträgern anwesend. Das Feedback der Teilnehmer*innen war durchweg positiv.

Auswirkungen:

Die Teilnehmer*innen haben Wissen für ihre eigene betriebliche Praxis erworben und konnten im gemeinsamen Austausch im Rahmen des Fachtages Kontakte knüpfen, von den Erfahrungen anderer lernen und dadurch Anregungen für ihre eigene Arbeit als betriebliche Interessenvertretung mitnehmen. Die Veranstaltung trägt zur Stärkung und Erweiterung der politischen Urteils- und Handlungsfähigkeit und der aktiven und selbstbewussten Teilnahme an der politischen Diskussion der Teilnehmer*innen bei. Politische Sachverhalte können erkannt und Folgen politischer Entscheidungen kritisch reflektiert werden. Politische, soziale und wirtschaftliche Wirkungszusammenhänge werden sichtbar, und speziell die Mitbestimmungsrechte können in unterschiedlichen Zusammenhängen und Zielgruppen eingeordnet werden.

www.verdi-bildungswerk.de

AG Regionale Bildung

 

Rückblick

 

 

AWO Bildungswerk Thüringen gGmbH

 

Rückblick

„In einer Demokratie darf das Recht auf Beteiligung keine Frage des Alters sein.“ (vgl. Nationaler Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland 2005 – 2010, S. 12)

Das Projekt „Neue Wege der politischen Bildung in Thüringen“ der Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen in Kooperation mit dem AWO Bildungswerk Thüringen gemeinnützige GmbH ermöglichte,  zwei Kindertageseinrichtungen, in ihrem Sozialraum, Erfahrungen mit dem Thema „Demokratie“ zu erleben.

Die AWO Kindertagesstätte „Glückspilz“ in Bindersleben und die kommunale Kindertagesstätte „Haus der lustigen Strolche“ in Marlishausen führten die Projekte zur Demokratiebildung praktisch mit Kindern, im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt, durch.

Die Einrichtungen befinden sich im ländlichen Raum von Erfurt und Arnstadt. Das Projekt war von März 2019 bis November 2019 angelegt.

Bei den durchgeführten Projekten handelte es sich um Erwachseneninitiativen mit geteilten Entscheidungen mit Kindern nach der Partizipationsleiter. Das heißt für die Pädagogen den Kindern Chancen zu geben, sich an Entscheidungen zu beteiligen oder ihnen die Entscheidung allein zu zutrauen. Dazu braucht es mutige Pädagogen, die bereit sind, Macht abzugeben und mit den Kindern lernen zu wollen.

Am Anfang der beiden Projekte musste dies in beiden Projekteinrichtungen in pädagogischen Beratungen mit unterschiedlichen Methoden herausgearbeitet werden. In beiden Einrichtungen gab es Projektverantwortliche die über den gesamten Projektverlauf mit der Prozessmoderatorin eng zusammen arbeiteten.

Aufgabe der Prozessmoderation war es fachliche Inhalte zu vermitteln, den Gesamtprozess zu steuern und die Pädagog*innen in der praktischen Arbeit anzuleiten, Unterstützung bei der Durchführung zu geben, Begleitung durch regelmäßige Reflexion und Dokumentation.

Als hohe Kunst kann die Leistung angesehen werden, geeignete Methoden und Verfahren zu entwickeln, um den Kindern neue Anregungen und Ideen für den nächsten Schritt aufzuzeigen.

Als Erkenntnis aus den Projekten des Jahres 2018 konnten in diesem Jahr die Eltern gut die Entwicklung des Projektes mit verfolgen. Es entstanden Projektecken, in denen Kinder ihre Protokolle präsentierten, die Modelle der Zukunftswerkstatt ausstellten, die Kinder sich als Gruppensprecher dem Elternbeirat vorstellten und im Elternabend via PowerPoint über die Entwicklung des Projektes berichteten und ein möglicher Unterstützungsbedarf aufgezeigt wurde. Die Eltern begrüßten die Projekte und sagten, „dass dies eine gute Vorbereitung auf demokratische Prozesse, z.B. die Arbeit als Klassensprecher*in in der Schule sei.“

Es ist wichtig, dass Kinder frühzeitig erfahren, dass sie gehört werden, dass ihre Meinung gefragt ist und sie selbst Entscheidungen treffen können. Die Kinder lernten, einander zu zuhören.

Des Weiteren erlernten die Kinder in den Projekten:

  • Entscheidungsfähigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Problemlösungskompetenz
  • Selbstwirksamkeit

Weiterhin war es wichtig, Strukturen/Formen der Beteiligung, wie z.B. Gruppensprecher, Kinderkonferenz zu schaffen, in denen die Kinder ihre Rechte wahrnehmen können. Das bedeutete, in den Projekteinrichtungen das Gremium Kinderkonferenzen/-parlament zu etablieren.

Das heißt für die Kinder:

  • Mut und Vertrauen in sich selbst
  • ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und äußern
  • die Interessen mit anderen abzustimmen
  • eigenständig planen und strukturieren

 

Um welche Themen ging es in den Projekteinrichtungen:

  • Etablierung eines Gremiums
  • Wahl von Gruppensprechern
  • ein eigenes Projekt, z.B. Gestaltung des Außengeländes

(Fachkräfte → wir wollen das zusammen machen, da müsst ihr uns helfen, ...)

Die Selbstbildungsprozesse der Kinder begleiten z.B. zu folgenden Themen:

  • Finanzierung mit Kindern klären
  • wer kann helfen
  • was schaffen wir alleine
  • Einkaufsliste schreiben
  • Briefe an mögliche Sponsoren schreiben
  • aktives Zuhören von Gesprächspartnern üben
  • nicht meine Meinung zählt, sondern die der Gruppe, welche ich vertrete
  • andere Meinungen und Entscheidungen akzeptieren (Tränen fließen)
  • Entscheidungen herbei führen (z.B. Punkte kleben, auszählen mit Glitzersteinen)
  • Arbeit mit Moderationsmaterial

 

Die Kinder dokumentierten ihre Erlebnisse mit dem Fotoapparat, Protokollen, Malarbeiten, Plakaten und Bildern.

Was noch so geschah:

  • Leitungsberatungen (regelmäßige Anbindung an das Projekt, Reflexion, Rechtsfragen klären, Öffentlichkeitsarbeit anregen)
  • Pädagogische Beratung (Methodenvermittlung, Team anbinden und Unterstützungsleistung erläutern)
  • Wahl der gruppensprecher (nach dem Bilderbuch "Leon und Jelena im Kinderparlament" der Bertelsmann-Stiftung)
  • Reflexionsgespräche mit dem Projektverantwortlichen
  • 19 Kinderkonferenzen im zeitraum Juli bis September in beiden Einrichtungen
  • Methode Dialogrunde: jede Meinung ist wichtig und wird gehört
  • Methode Entscheidungskreis 

 

Mit den Kindern beider Einrichtungen wurde eine Zukunftswerkstatt nach dem Vorbild der Kinderstube der Demokratie durchgeführt. Die Projektphasen des Beteiligungsprojektes waren:

  • Kritikphase
  • Fantasiephase
  • Entscheidungsphase
  • Modellbauphase
  • Planungsphase
  • Realisierungsphase

Die Sprache der Kinder hat sich z. B. um die Worte „Gruppensprecher“, „Delegierte“, „Protokoll“, „Kinderkonferenz/Kinderparlament“, „Wahl“, „Abstimmung“ erweitert.

In diesem Jahr entstanden einige Zusatzmaterialien wie z.B.:

  • Türschild Kinderkonferenz
  • Ernennungsurkunden für die Gruppensprecher
  • Ein Begleitbuch für die Fachkräfte
  • Namensschilder zum unterschiedlichen Einsatz
  • Modell zur erklärung "Gruppensprecher", "Kinderkonferenz/-parlament"

 

Die Kinder präsentierten die Projekte in kleinen Abschlussveranstaltungen und feierten die Projektergebnisse.

Ergebnisse, Ergebnissicherung- und -transfer:

Die Einrichtungen haben das Instrument „Kinderparlament/Kinderkonferenz“ fest in die Alltagsstruktur eingebunden. Die pädagogischen Fachkräfte sind darin geübt, diese vorzubereiten, durchzuführen und nachzubereiten. Fachkräfte, die eine Übersetzungsleistung für die Kinder U3 erbracht haben, möchten wir als „Krippenflüsterin“ bezeichnen. Die Einrichtungen sind in der Lage, „Wahlen“ mit den Kindern durchzuführen. Die Kinder schreiben ihre Protokolle der Sitzungen selbst. Die Kinder kennen verschiedene Verfahren um Entscheidungen herbei zu führen. Die Kinder brachten sich in den Projekten mit viel Freude und Begeisterung ein und haben diese im Verlauf immer wieder zum Ausdruck gebracht.

Die Dokumentation des Projektes erfolgte in Form von Presseartikeln, PowerPoint im Elternabend, Aushängen der Protokolle der Kinder, Bildern, welche die Kinder selbst fotografierten, Zeichnungen, Ausstellung des Ergebnisses der Zukunftswerkstatt, Vorstellung des Projektes in der jeweiligen Leiterinnenberatung. Die Dokumentation in  einer Handreichung für die Praxis ist in Vorbereitung.

In einem pädagogischen Konzept sollten gemäß § 45 SGB VIII Aussagen zur „Sicherung der Rechte von Kindern“, „geeigneter Verfahren der Beteiligung sowie der Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten“ beschrieben sein. „Die pädagogische Arbeit in den Kindertageseinrichtungen ist so zu gestalten, dass Kinder entsprechend ihres Entwicklungsstandes in die Gestaltung der Bildungs- und Betreuungsarbeit einbezogen werden sowie bei der Gestaltung des Alltags und der Organisation der Kindertageseinrichtung mitwirken und mit entscheiden können. Für sie sind geeignete Verfahren der Beteiligung und die Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten vorzusehen und zu praktizieren,“ ist im Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetz zu lesen. Die Einrichtungen verfügen über ein pädagogisches Konzept, in welchem das Thema Partizipation allgemein beschrieben ist, aber noch nicht geeignete Verfahren der Beteiligung. Über dieses Projekt konnte dieser Auftrag weiter verwirklicht werden.

„Die Partizipation von Kindern im kommunalen Raum bewirkt auch eine Rückkehr der Kinder als Bürgerinnen und Bürger in öffentliche Räume.“ (vgl. Rüdiger Hanser, Partizipation in Kindertageseinrichtungen so gelingt Demokratiebildung mit Kindern, S. 242, 2011, Verlag das Netz)

www.awobildungswerk.de

Diakonisches Bildungsinstitut Johannes Falk gGmbH

 

Rückblick

Beim Bildungsangebot „Lernort Landtag“ im Juli 2019 meldeten sich viel mehr Interessenten an, als ursprünglich gedacht. Insgesamt haben 32 Teilnehmende aus den Werkstätten in Eisenach und im Wartburgkreis Bildungsurlaub beantragt und in zwei Gruppen an zwei Tagen an der Exkursion teilgenommen.

Nach einer allgemeinen Einführung und der Hausbesichtigung vor Ort nahmen sich vier Landtagsabgeordnete der Fraktionen Zeit für eine Gesprächsrunde mit den Gruppen. Welchen hohen Stellenwert politische Bildung bei den Teilnehmenden genießt, zeigte sich hier sehr deutlich. Mit viel Hintergrundwissen und gezielten Fragen bezüglich Bundesteilhabegesetz und dessen Ausgestaltung, den bevorstehenden Landtagswahlen, Wahlprogrammen und persönlichen Einstellungen zu Koalitionen überraschten die Teilnehmenden manchen Politiker und sorgten auf diese Weise für ein informatives und höchst kurzweiliges Gespräch.

Durch die persönlichen Schilderungen der privaten und beruflichen Situation von Menschen mit Behinderung zogen auch die Politiker viele Erkenntnisse aus der Gesprächsrunde. Mit den Antworten der jeweiligen Fraktionssprecher auf die individuellen, gut vorbereiteten Fragen der Teilnehmer erschloss sich für diese ein sehr konkretes politisches Stimmungsbarometer der verschiedenen Parteien.

Ausgerüstet mit diesem Wissen erhöhte sich die Entscheidungskraft bezüglich der im Oktober 2019 bevorstehenden Landtagswahl, an der sich alle Exkursionsteilnehmer beteiligen wollten.

Im zweiten Projektebestreben – der Aufführung des Theaterstücks „Wie viel Mensch…?“ – sind drei Vorstellungen realisiert worden, die Menschen mit Handicap und pädagogische Fachkräfte erreichten. Die Aufführung für pädagogische Fachkräfte war bis auf den letzten Platz besetzt; Zuhörende erlebten dabei deutsch-deutsche Geschichte auf eine sehr persönliche Art und waren davon sichtlich beeindruckt. In dem Ein-Personen-Stück schildert Figur Micha anhand von Briefen, die er mit seiner im Westen lebenden Schwester austauscht, die Erlebnisse, Gefühle und Träume dies- und jenseits der Mauer.

Inspiriert vom Thema, dem Medium Theater und der individuellen Darstellungsform des Stücks beabsichtigen die Zuhörenden das Erlebte in ihrer pädagogischen Arbeit auf vielfältige Weise umzusetzen. Im Gespräch waren dabei eigene Theatervorstellungen einzustudieren und damit auf subtile Weise Werte, wie Teamgeist, Toleranz, Diskurs- und Konfliktfähigkeit sowie Weltoffenheit zu stärken.

Zwei weitere Vorstellungen folgten im Theater am Markt – einem Kooperationspartner des dbi – , dessen Zuschauerraum mit rollstuhlgerechten Eingang und Ringschleife für Hörgeschädigte auch Menschen mit Handicap gerecht wird. Der Einladung zu beiden Vorstellungen folgten auch Menschen mit Handicap, die sich bei der Gesprächsrunde im Anschluss der Aufführung rege beteiligten.

Neben Schilderungen des eigenen Erlebens von historischen Ereignissen 1989, spielten im Dialog auch allgemeine Persönlichkeitsentwicklungen eine Rolle. Das Bühnengeschehen ermunterte zum Beschreiben, wie sich persönliches Engagement für das Erreichen von Träumen und Wünschen auszahlt.

Thüringer Allgemeine / Lokalnachrichten Eisenach / "Klare Dialoge über Mut, Freiheit und Veränderung" vom 14.11.2019

Der Zauberer von Ost / Blogbeitrag / "Den Blick für Teilhabe und Inklusion schärfen"

https://www.dbi-falk.de/

Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen

 

Rückblick

Die Idee zum Kooperationsprojekt zwischen EEBT und den 12 Thüringer Cellisten e.V., sowie weiteren lokalen Akteuren zum Thmea „Heimat und Grenze“ entstand im Rahmen eines Workshops im vergangenen Jahr in Oßmannstedt, in dem über neue Formate der politisch-kulturellen Bildung in ländlichen Räumen nachgedacht wurde. In diesem Jahr wurden nun mit zwei musikalischen Lesungen, einer dazugehörigen Bilderausstellung und einem politischen Workshop über 300 Menschen im ehrmaligen deutsch-deutschem Grenzgebiet im Eichsfeld umgesetzt. Ziel war es, durch Mittel der Biographiearbeit und der künstlerischen Interpretation mehr Menschen anzusprechen, als üblicherweise durch klassische Erwachsenenbildungsveranstaltungen erreicht werden.

Am Donnerstag, den 14.11. hörten und erlebten 250 Besucher*innen in St. Alban in Effelder Musik und Texte zum Thema des 30. Jahrestages der Maueröffnung. Der Journalist Jan-Philipp Möller stellte Briefe in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen, in denen das Thema „Grenzerfahrungen“ anhand von besonderen Schicksalen auf ganz persönliche Weise vorgestellt wurden. Dabei wurden Briefe aus dem Grenzgebiet von DDR-Bürgern aus der Zeit 1949-69, Briefe des entführten Jan-Philipp Reemtsma an seine Familie, Briefe des aktuell inhaftierten türkischen Journalisten und Autors Ahmed Altan und ein Brief einer manisch depressiven jungen Frau gelesen und musikalisch interpretiert. Ein Höhepunkt bildete ein Text, den Möller zum Thema im Rahmen des Papstbesuch im Eichsfeld 2012 verfasste. Wie in allen Texten, konnte auch hier über wahre Geschichten ein authentischer Bezug zur Region hergestellt werden.

Um die Teilnehmenden in die Thematik noch stärker einzubeziehen, schloss sich ein Workshop unter der Leitung von Jan-Philipp Möller ins Konrad-Martin-Haus in Effelder an.

Der Referent stellte in einer Diskussion Fragen zur Deutschen Teilung und ihre Folgen in den Mittelpunkt. Anhand persönlicher Erfahrungen entspann sich im Austausch mit den 26 Teilnehmenden aus Effelder, Struth und Heilbad Heiligenstadt eine breite Diskussion.

Ausgehend von einer Analyse der ausgewählten Texte, wurde das Thema schnell aktuell. So wurde auch über die politischen Situation nach der kürzlich erfolgten Landtagswahl debattiert. In diesem Kontext wurden auch persönliche Erfahrungen in der Zeit nach 1990 offen angesprochen. Dabei zeigte sich, dass das Interesse an biografischen Gesprächen und der persönliche Austausch über deutsch-deutsche Erfahrungen sehr groß ist. Hier soll es deshalb verstärkt Formate geben, die diese Möglichkeiten im Rahmen der Erwachsenen-bildung anbieten.

Die zweite Aufführung der Musikalischen Lesung in Duderstadt am Freitag 15.11. bildete den Abschluss des Projektes. Bei dieser Veranstaltung arbeiteten wir mit dem Kultur-Klosters Duderstadt zusammen.  Auch hier wurde der Wunsch nach weiteren Gesprächs-veranstaltungen zur Geschichte und den gelebten Erfahrungen im ehemals getrennten Eichsfeld noch einmal von Publikum und Veranstalter deutlich geäußert.

Kooperationen mit dem Grenzlandmuseum Teistungen und dem Heimatmuseum in Heilbad Heiligenstadt sind nun nach dieser erfolgreichen Auftaktreihe für 2020 in der Planung.

http://www.eebt.de/de

PARITÄTISCHES Bildungswerk Landesverband Thüringen e.V.

 

Rückblick

Das PBW e.V. organisierte ein Methodentraining zum Thema „Politische Bildung kreativ gestalten“ für Fachkräfte in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Weiterbildung wurde bereits im Jahr 2018 angeboten, war sehr nachgefragt und zusätzliches Interesse wurde bekundet. Aus diesem Grund wurde das Format wiederholt und es konnte auf das grundlegende Konzept zurückgegriffen werden.

Das Methodentraining fand am 24. und 25. September 2019 in Neudietendorf statt und richtete sich insbesondere an Einrichtungen im ländlichen Raum. Es nahmen sieben pädagogische Fachkräfte in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen teil, die in ihren Organisationen, Einrichtungen und Projekten thüringenweit als Multiplikatoren politischer Bildung wirken. Im Rahmen des Trainings lernten die pädagogischen Fachkräfte Heranwachsende zum Mitmachen, Mitbestimmen und Mitgestalten zu motivieren was wiederum die aktive gesellschaftliche Teilhabe anregt. Zur Motivation der Heranwachsenden ist eine lebensweltorientierte Gestaltung der politischen Bildungsangebote unabdingbar: wie dies gelingen kann, welche Rolle dabei die (neuen) Medien und eine offene Gesprächskultur spielen, wurde gemeinsam im Training erarbeitet. Des Weiteren wurden ausgewählte Methoden erprobt und gruppendynamisch reflektiert. Die Methoden zielen u.a. auf das Erlebbarmachen von Vielfalt und Toleranz, die Abwehr antidemokratischer Einstellungen sowie das Erkennen, Reflektieren und Hinterfragen des eigenen Standpunktes ab. In diesem Zusammenhang wird Selbstreflektion auf doppelte Art und Weise ermöglicht: zum einen bei den pädagogischen Fachkräften in der Gestaltung ihrer politischen Bildungsangebote und zum anderen bei den Kindern und Jugendlichen bei Anwendung entsprechender Methoden.

Insgesamt ist eine erfolgreiche Veranstaltung gelungen: das Feedback der Teilnehmenden war durchweg positiv, die hohe Fachkompetenz der Dozentin und die vielfältigen Methoden wurden besonders gelobt und eine Fortführung mit dem Fokus auf individuelle Anwendung im Praxisalltag der pädagogischen Fachkräfte wurde angeregt.

Flyer

www.pbw-thueringen.de


Dem Bereich der politischen Bildung misst die Erwachsenenbildung schon seit langem große Bedeutung zu. Kooperationsprojekte zwischen den Trägern und die Zusammenarbeit der Landesverbände hatten oft politische Themen zum Inhalt (z.B. LOFT-Kooperationen zu Demokratiebildung 2012, Bürgerschaftlichem Engagement 2013 und Bildungsgerechtigkeit 2014).

Mit den zunehmenden Angriffen auf die Demokratie seit 2015 und den wiederkehrenden Aussagen des Thüringenmonitors zur nachgewiesenen Verbreitung demokratiekritischer Einstellungen verstärkten die anerkannten Träger der Erwachsenenbildung ihre Anstrengungen für die politische Bildung. Demokratiebildung sollte dabei nicht länger als eigenständiges Thema angesehen werden, sondern vielmehr als ein breiter Themen- und Inhalte-übergreifender Gesamtbildungsauftrag umgesetzt werden. Unter dieser Prämisse erarbeiteten die erfahrenen Träger gemeinsam mit denen, die sich genuin nicht mit politischer Bildung beschäftigen, ein Konzept zur Nutzung der Vielfalt der Zielgruppen und methodischen Ansätze, um politische Sachverhalte in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen zu behandeln und neue Lernfelder zu eröffnen.

Im Jahr 2018 setzten zu den beiden Hauptsträngen „Aus demokratischen Umbrüchen lernen“ und „Partizipation im und für den ländlichen Raum stärken“ 25 freie Träger und Volkshochschulen unter dem Motto „Neue Wege in der Erwachsenenbildung“ 28 Bildungsangebote um. Dabei wurden sie durch Projektmittel des Landes Thüringen und eine Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung unterstützt. Die Träger erhielten die Möglichkeit neue Ansätze auszuprobieren. Die Formate erstreckten sich von Lesungen mit anschließender Diskussion über Recherchen zu historischen Dokumenten und Bildern bis hin zu Exkursionen und mehrtätigen Veranstaltungen und richteten sich an Zielgruppen, wie z.B. Senior*innen, Multiplikator*innen, Eltern, Künstler*innen.

Das Modellhafte bestand häufig in der Kombination von Formaten, Zielgruppen und Methoden. z.B.

  •  Menschen, die sich vorher nicht für geschichtliche Themen interessiert hatten, nahmen an einem Bildungsfreistellungsseminar zum Thema „100 Jahre Novemberrevolution“ teil.
  • Jugendliche aus sog. bildungsfernem Umfeld und mit z.T. demokratiefeindlichen Ansichten erarbeiteten gemeinsam mit Geflüchteten ein Figurentheaterstück zur Geschichte der Demokratie
  • Rentner*innen im ländlichen Raum nutzten ein Internetcafé, um durch Lernbegleitung Unsicherheiten und Ängste bei Hintergrundrecherchen am PC abzubauen.

 

Die beteiligten Träger formulierten gemeinsame Zielstellungen für ihre Projektarbeit, aus denen Erfolgskriterien entwickelt wurden. Ein Evaluationsteam führte die Ergebnisse der Einzelansätze zusammen und bereitete eine Diskussion mit politischen Entscheidungsträgern vor. Im Rahmen eines politischen Fachgespräches konnte belegt werden, dass die anerkannte Erwachsenenbildung ein großes Potenzial für die politische Bildung bietet. Es wurde aufgezeigt, wie die vielfältigen Formate und Zielgruppen und ihre Kombination mit unterschiedlichen Kontexten zu einer Unterstützung demokratischen Zusammenlebens beitragen.

 

Veranstaltungen im Überblick - 2018

Mit den Veranstaltungen sollten verschiedene Formate und Ansätze für die politische Bildung aufgezeigt und in unterschiedlichen Zusammenhängen getestet werden.

  • Ohne Revolution keine Demokratie / Gotha / Arbeit und Leben Thüringen
  • Studienreise nach Berlin zum Thema 100 Jahre Novemberrevolution / Berlin / DGB-Bildungswerk Thüringen
  • Die Anfänge der betrieblichen Mitbestimmung in der Weimarer Republik / Saalfeld / Bildungswerk ver.di Thüringen
  • Formatentwicklung und Erprobung für die politisch-kulturelle Arbeit im ländlichen Raum / Wielandgut Oßmannstedt / Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen
  • Ein Leitfaden für Demokratieretter / Schmalkalden, Kromsdorf / LSB Bildungswerk Thüringen
  • Politische Bildung inklusiv - Gemeinsam für Rastenberg / Rastenberg / Diakonisches Bildungsinstitut J. Falk
  • Partizipation und Demokratiebildung in der Kita / Erfurt / AWO Bildungswerk Thüringen
  • Politische Bildungsfahrt für Frauen aus dem ländlichen Raum / Berlin / Landvolkbildung Thüringen
  • Demokratie im Wandel der Zeit - ein Medienprojekt im ländlichen Raum / Sonneberg / Landvolkbildung Thüringen Video
  • Politische Bildung kreativ gestalten / Neudietendorf / Paritätisches Bildungswerk LV Thüringen
  • Demokratie "von unten"?! / Heilbad Heiligenstadt / Bildungswerk im Bistum Erfurt
  • Regionale Demokratie - für Toleranz und Vielfalt im ländlichen Raum / Südthüringen / AG Regionale Bildung