Alphabetisierung und Grundbildung


Mit der Novellierung des Erwachsenenbildungsgesetzes in Thüringen haben auch die anerkannten freien Träger der Erwachsenenbildung (also die LOFT-Mitgliedsorganisationen) einen Auftrag für Alphabetisierungsarbeit erhalten.

Sie haben im Jahr 2017 verschiedene Anstrengungen unternommen, um die Alphabetisierungsarbeit der Volkhochschulen durch zusätzliche Möglichkeiten hinsichtlich ihrer eigenen Zielgruppen und pädagogischen Ansätze zu ergänzen. Hierbei wurde deutlich, dass zunächst die Sensibilisierungsarbeit einer großen Vielfältigkeit und Ausdauer bedarf, um Einfluss auf funktionale Analphabeten zu erlangen.

Für das Jahr 2018 hatten sich bereits sieben freie Träger für die Alphabetisierungsarbeit positioniert. Sie haben ihre Projektansätze gemeinsam entwickelt und nutzten ihre vielfältigen Zugänge. Die Landesorganisation fungierte als Basisnetzwerk, um den Erfahrungsaustausch zwischen den Trägern zu befördern und Synergien zu erzielen. Die Abstimmung mit den Volkshochschulen fand zu Beginn des Jahres im Rahmen eines gemeinsamen Workshops von TVV und LOFT statt. Hierbei wurden u.a. die grundlegenden Qualitätskriterien für die Zusammenarbeit erarbeitet und festgelegt, deren Erfüllung in einem weiteren Workshop der Landesverbände im Frühjahr 2019 evaluiert wurde.

2020 und 2021 führen die freien Träger ihre Aktivitäten fort und setzen dabei einerseits auf Festigung und Weiterentwicklung der begonnenen Projekte sowie auf anhand gewonnener Erfahrungen modifizierte Wiederholungen der Angebote. Dadurch wird die langfristige und nachhaltige Etablierung der ergänzenden Angebote im Bereich Alphabetisierungsarbeit und Sensibilisierung gefördert.


Die Veranstaltungen unserer Mitgliedseinrichtungen im Überblick - 2021

Ein Projekt des Bildungswerkes ver.di Thüringen

Arbeit 4.0 - Fit für die digitalisierte Arbeitswelt

Chancen für gering literalisierte Arbeitnehmer*innen auf Weiterbildung und Karriere

Um gering literalisierte Personen ansprechen bzw. unterstützen zu können, braucht es laut unserer Erfahrung der letzten 3 Projektjahre sowie laut Fachkreisen (siehe: Umfeldstudie zum mitwissenden Umfeld funktionaler Analphabet*innen, Universität Hamburg) zuerst die Aufklärung des mitwissenden Umfelds.

In unserem Fall sprechen wir niederschwellig das vertraute Arbeitsumfeld, Kolleg*innen der Zielgruppe gering Literaliserte an. Wir bieten der gesetzlichen Interessenvertretung Handwerkszeug, z.B. in Form von Kommunikationsmethoden oder Gesprächsführung, zur Ansprache der betroffenen Kolleg*innen an.

Erst nach diesem Schritt ist es sinnvoll, gering literalisierten Personen Unterstützung, Schulungen, z.B. zum Thema Digitaliserung, anzubieten. Für diesen Schritt arbeiten wir mit dem MENTO-Projekt des DGB zusammen. Wir leisten mit unserem Ansatz die dringend notwendige Vorarbeit, um funktionale Analphabet*innen überhaupt zu erreichen und anschließend schulen zu können.

https://www.verdi-bildungswerk.de/

Ein Projekt des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft BWTW e.V.

Verbesserung der Literalität:

Einkaufen, sich im Straßenverkehr zurechtfinden, Mails beantworten, Verträge lesen und verstehen - diese alltäglichen Dinge erscheinen ohne richtig lesen und schreiben zu können unmöglich. Für funktionale Analphabeten werden schriftsprachliche Situationen im Alltag und im Beruf zur Herausforderung.

Wir möchten im Rahmen der Öffnungszeiten der Lesecafes funktionalen Analphabeten die Möglichkeit geben, in Einzel- und Kleingruppenangeboten gezielt an ihren aktuellen Bedürfnissen orientiert, ihre Lese- und Schreibfähigkeit zu verbessern. Wir verzichten dabei auf eine schulische Atmosphäre, um Teilnehmern mit negativen Lernerfahrungen, eine positiv besetzten Lernraum anzubieten.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit im Rahmen der Lesecafes liegen in der Unterstützung beim Ausfüllen und Stellen von Anträgen, der Unterstützung beim verstehenden Lesen von Briefen und Formularen oder auch beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen. Meistens besteht dadurch ein konkreter Anlass, eine Hilfe- bzw. Beratungseinrichtung aufzusuchen.

Mögliche Besucher des Lesecafes kennen unser Haus bereits aus anderen arbeitsmarkt- oder bildungspolitischen Maßnahmen und dies senkt die Hemmschwelle, um nach Unterstützung zu fragen.

Um den Einstieg in das Lernen zu finden und Barrieren/ Hemmschwellen abzubauen, setzen wir auf den Zugang durch kreative und lebensweltorientierte Kleingruppenangebote. Diese Einstiegsangebote beschäftigen sich immer mit den Themen Schrift, Lesen, Verbesserung der Literalität. Diese niedrigschwelligen Angebote haben sich zur Erreichung der Zielgruppe positiv bewährt.

Umgesetzt werden soll das Angebot im wöchentlichen Wechsel zwischen einer Kreativ- und einer Ernährungsgruppe.

https://www.bwtw.de/

Ein Projekt der Landvolkbildung Thüringen

Ausgangssituation

Bisher gab es im Landkreis Sonneberg kaum niederschwellige und kleinschrittige Angebote für funktionale Analphabeten. Dennoch sind auch hier Menschen nicht in der Lage, die Schriftsprache im Alltag so funktional anzuwenden. Lücken im Verständnis großer Texte oder Tabellen, bleiben. In allen Aktivitäten des täglichen Lebens stehen Betroffene vor großen Hürden.

Wir wollen mit unserem kleinen Angebot, auch im kommenden Jahr 2021, weiter über Vertrauenspersonen, wie Familienangehörigen, Freunden und Arbeitskollegen oder auch Mitarbeitende von öffentlichen Stellen und Einrichtungen der Familienbildung, Jugend- und Sozialhilfe, des Verbraucherschutzes, Sport- und Kultureinrichtungen, die kommunalen Verwaltungen, Bibliotheken, Ärzte, Erzieher oder Lehrer an die Menschen kommen, die unsere Hilfe und Beratung benötigen. Durch Werbung und kleine öffentliche Aktionen möchten wir weiterhin uns und unsere Arbeit vorstellen und die Menschen im ländlichen Raum erreichen.

Im ersten Anlauf 2020 haben wir das „Kleine Lesecafe" in Sonneberg ins Leben gerufen und erfahren mehr und mehr an Zuspruch. Immer häufiger finden sich Menschen bei uns im Lesecafe ein, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben und voller Erwartungen auf unsere Hilfe hoffen. überaus oft geht es dabei darum, Anträge erklärt zu bekommen und gemeinsam auszufüllen, Briefe aufzusetzen oder Gebrauchsanweisungen zu verstehen. Nicht selten spielt das Thema Arbeitsmarkt (von dem Verstehen einer Stellenbeschreibungen, über Bewerbungsalternativen zur schriftlichen Bewerbung bis hin zum Verstehen von Arbeitsanweisungen und Arbeitsverträge) eine wichtige Rolle unserer Arbeit.

Ob in der einzelnen Beratung/ Unterstützung oder in kleiner Runde in der Schreibwerkstatt, bietet eine vertraute Atmosphäre und ein wertschätzender, vorurteilsfreier Umgang untereinander die Grundlage unserer Arbeit. Unser Motto, ,,Ankommen, Wohlfühlen und sich Öffnen" stellt den besten Garant für eine gute Zusammenarbeit und Bereitschaft an Lesecafe teilzunehmen dar.

Durch die noch geltende Pandemie „Hygiene- und Umgangsreglungen", war es nicht möglich Infoveranstaltungen im gewohnten und größeren Rahmen umzusetzen. Hier sollen 2021 weitere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Ziel für das aktuelle Jahr ist es, das Alphamobil nach Sonneberg zu holen, kurze und prägnante Artikel in öffentliche Medien zu streuen und weiterhin auf unsere Arbeit und die Wichtigkeit der Alphabetisierung aufmerksam zu machen. IEs ist geplant, Privathaushalte mittels kleiner Spiele in der Wochenwerbung zu erreichen und für unsere Arbeit und das Thema zu sensibilisieren.

Das Angebot für den Landkreis Sonneberg geht in eine neue Runde:

Beratungs- und Begleitangebote:

Aufklärung statt Tabuisierung

  • weitere Informationsveranstaltungen für 1.) Angehörige von Betroffenen und 2.) Mitarbeiter öffentlicher Stellen und Einrichtungen, die über das Thema und unser Angebot informieren und dafür sensibilisieren (unter Nutzung der Werbemittel der Bundeskampagnen)
  • Werbung im ländlichen Raum passend zum Thema und für unsere Lesecafe

Lern- und Schulungsangebote:

Lesecafe - Schreibwerkstatt

Kommunikation in der Arbeitswelt - Lesen und Schreiben für den Berufsalltag

Lesen und Schreiben lassen sich aus dem Arbeitsleben nicht wegdenken. In jedem Berufsbild muss in irgendeiner Art und Weise zum Stift gegriffen oder etwas nachgelesen werden. Wir wollen hier unterstützen und die Lese- sowie Schreibkompetenz für das eigene Berufsbild stärken:

Lehrgangsinhalte:

  • Übungen zur schriftlichen Kommunikation in der Arbeitswelt in allen Bereichen und Situationen, die im Berufsalltag auf uns zukommen können, vom Lesen eines Dienstplanes, über die Dokumentation der Arbeit oder dem Ausfüllen wichtiger Dokumente und Papiere, Sicherheitshinweise wahrnehmen und nachvollziehen
  • Anweisungen, Normen und sachliche Inhalte im Kontext der Arbeitswelt lesen können, wie z.B. Gesetzgebung und Arbeitsvorschriften zum Gesundheitsschutz und zur Arbeitssicherheit, zu Qualitätsstandards und Anforderungen mit Branchenbezug
  • Schreiben für die Arbeitswelt verfassen, Dokumentationen (z.B. in der Pflege) richtig ausfüllen, Arbeitsnachweise führen, schriftliche Hinweise geben
  • Digitaler Schriftverkehr im Beruf

An einem Nachmittag in der Woche bietet die Schreibwerkstatt Unterstützung für das Lesen und Schreiben im Beruf.

Lesecafe - offene Beratung

Kommunikation mit Behörden: Lesen und Schreiben für Anträge, Briefe und alltägliche Kommunikation

Die Post kommt, der Brief ist da und wird nicht geöffnet oder wird geöffnet und kann nicht zusammenhängend verstanden werden. Eine Packungsbeilage zu einem neuen Medikament wirft große Rätsel auf und der nächste unverständliche Antrag für eine Leistung steht auch bevor. Diese und noch unzählige weitere Situationen des Alltags stellen eine große Belastung für Menschen dar, die nicht vollständig Lesen und Schreiben können.

Wir helfen in der offenen Beratung, einmal in der Woche, beim Verstehen und Beantworten von Briefen, Anträgen, Rechnungen, Bescheiden und Verträgen. Außerdem wird Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Erstellen von Bewerbungen geboten.

Lesecafe - offener Treff

Treffen - Austauschen - Lernen

Einmal im Monat bietet das Lesecafe unter einem spannenden Motto einen offenen Treff für Betroffene, Interessierte oder auch Angehörige und lädt zum gemeinsamen Austausch in angenehmer und wohliger Atmosphäre ein.

https://landvolkbildung.de/


Die Veranstaltungen unserer Mitgliedseinrichtungen im Überblick - 2020

Ein Kooperationsprojekt zwischen AWO Bildungswerk Thüringen und Bildungswerk im Bistum Erfurt

Rückblick

Lesen und schreiben zu können sind Basiskompetenzen für lebenslanges Lernen und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Bereits in Kindertagesstätten wird das Fundament für den Schriftspracherwerb gelegt. Aus diesen Gründen standen sowohl pädagogische Fachkräfte, und Sprachfachkräfte als auch Kinder mit ihren Eltern im Zentrum des Projektes „Was du liest, gehört dir – Ansätze zur (Eltern-) Arbeit in der Kita“.

Insbesondere pädagogischen Fachkräften kommt eine Schlüsselfunktion zu: Sie schaffen für Kinder optimale Entwicklungsbedingungen zum Hineinwachsen in die Schriftsprache und stehen im direkten Kontakt mit Eltern, die möglicherweise gering literalisiert sind. Das Projekt „Was du liest, gehört dir – Ansätze zur (Eltern-) Arbeit in der Kita“ hat genau hier angesetzt und zielte unter anderem darauf ab, in der Kita Methoden zur Förderung der schriftsprachlichen Entwicklung der Kinder und zur Ansprache von Eltern zu erproben sowie Eltern Anregungen zum gemeinsamen Lernen für unterwegs und Zuhause mitzugeben.

Die Durchführung des Projektes wurde durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen vor große Herausforderungen gestellt. Trotz dessen wird die Durchführung insgesamt als erfolgreich eingeschätzt und verlief bis auf wenige Ausnahmen planmäßig. In vielen Fällen wurde auf digitale Formate umgestellt, um die geplanten Projektbestandteile umsetzen zu können, im Kontakt mit den Einrichtungen zu bleiben und Begegnungen zu schaffen. Wo dies nicht möglich war, wurden Materialien erstellt und den Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

Beim Auftakttreffen, das als Präsenzveranstaltung am 3. März 2020 stattfand, standen familienbezogene Zugänge zu Sprache und Schrift im Fokus. Es zeigte sich im Erfahrungsaustausch unter den projektverantwortlichen pädagogischen Fachkräften über den Umgang mit gering literalisierten Eltern, dass Hemmungen bestehen, möglicherweise betroffene Eltern anzusprechen und ggf. an vorhandene Alphabetisierungsangebote weiterzuvermitteln. Hier waren die Erfahrungen der Kitas aus dem Projektvorjahr besonders motivierend und anregend. Die ausgelegten Materialien von der Volkshochschule wurden als hilfreich wahrgenommen.

Neben den bewährten Methoden und Ansätzen, um die schriftsprachliche Entwicklung der Kinder zu fördern und betroffene Eltern anzusprechen, wurden zudem neue Ideen entwickelt, die die Einrichtungen vor Ort umsetzen wollten. Exemplarisch für Letzteres stehen das Bilderbuchkino, ein Koffer geht auf Lesereise und der digitale Bilderrahmen. Alle drei neuen Methoden wurden erfolgreich umgesetzt und erprobt. Beim Bilderbuchkino wurden Kinder mit ihren Eltern eingeladen in der Kindertagesstätte eine Geschichte zu erzählen oder vorzulesen. Die Eltern verweilten länger in der Kita, kamen in Kontakt mit Erzieher*innen und nahmen dankbar Anregungen mit nach Hause. Beim Koffer, der auf Lesereise geht, wurden ebenfalls Erzählanlässe zwischen Kindern und Eltern, aber auch zwischen Erzieher*innen und Eltern geschaffen. Im Eingangsbereich der Kita wurde an die Wand ein Holzregal in Form einer Lokomotive mit Hängern angebracht. Die Kinder und ihre Eltern wählten ein Buch, dass sie mit nach Hause nehmen möchten. Das Buch packten die Kinder in den Reisekoffer vom „Güterwagon“. Da das Angebot sehr gut bei den Familien ankam, wurde ein zweiter Reisekoffer angeschafft. Durch die Methode des digitalen Bilderrahmens konnten nicht nur Fotos von erlebten Aktivitäten der Kinder, sondern auch erlernte Finger- und Klatschspiele sowie Lieder in Videoform den Eltern nahegebracht werden. Auch hier wurden Gesprächsanlässe zu den Themen Lesen und Schreiben geschaffen.

Im Zentrum des ebenfalls in Präsenz stattgefundenen Netzwerktreffens am 9. Juli 2020 stand zum einen der Austausch über den aktuellen Umsetzungstand der Ansätze und Methoden in den Einrichtungen. Zum anderen wurde die Frage, wie können Elternabende zum Thema Family-Literacy und die Problematik der Alphabetisierung gestalten werden im Blick.

Des Weiteren sendeten wir vor den Sommerferien Päckchen mit Werbematerialien zur Alphabetisierung und einer persönlichen Nachricht an die Kitas. Damit wollten wir einen analogen Zugang schaffen, um mit den Kitas in Kontakt und Präsent zu bleiben. Die Werbematerialien wurden in den Schaukästen der Einrichtungen aufgehängt oder im Eingangsbereich zur Mitnahme bereitgestellt.

Auf dem digital stattgefundenen Abschlusstreffen am 27.11.2020 stand die Wirkung von Sprache im Vordergrund. Deutlich wurde, dass Sprache abhängig von unseren persönlichen Prägungen ist und pädagogische Fachkräfte oftmals unbewusst gering literalisierte Eltern ausgrenzen und diskriminieren, etwa durch handgeschriebene und komplexe Aushänge. Diese Erkenntnis hat bei den pädagogischen Fachkräften eine Reflexion und ein Nachdenken über Alternativen in Gang gesetzt. Im Erfahrungsaustausch wurden gemeinsam Veränderungsmöglichkeiten diskutiert. So konstatierte eine Teilnehmerin, dass auch, wenn man nur mit einem Kind spricht, 17 andere Kinder mitzuhören. Daraus folgt ein reflektierter und achtsamer Sprachgebrauch mit allen Beteiligten. Als Abschluss des Projektes wurde gemeinsam mit den Teilnehmer*innen ein literarische Adventskalender auf dem Padlet erstellt. Je Kalendertürchen wurde eine kreative Idee/Methode zur Förderung der schriftsprachlichen Fertigkeiten in der Kita und/oder Zuhause entwickelt.

Am benannten Projekt nahmen 13 Kindertagesstätten teil. Insgesamt wurden ca. 260 pädagogische Fachkräfte und Sprachfachkräfte und ca. 1000 Kinder mit ihren Eltern erreicht.

Insgesamt waren 11 von 13 Kindertageseinrichtungen neu im Projekt. Um diese neuen pädagogischen Fachkräfte und Sprachfachkräfte für die Problematik der Alphabetisierung zu sensibilisieren und das Konzept der Family-Literacy sowie die erfolgreich erprobten Methoden bekannt zu machen, wurden aufgrund der Einschränkungen statt Präsenz-Fortbildungen Schulungsmaterialien entwickelt und den Kitas bereitgestellt. Exemplarisch hierfür stehen ein selbstentwickelter Screencast mit Arbeitsauftrag und weiterreichenden Informationen über die Notwendigkeit von Literalitätserfahrungen, leichte Sprache sowie Ansätze/Methoden zur Stärkung der Literalität in der Kita.

Damit Eltern für die Thematik „geringe Literalität“ und für die bewusste Förderung einer schriftsprachlichen Lernkultur im Familienalltag sensibilisiert werden, wurde für Elternabende Material in Form einer PowerPoint mit Methoden für Zuhause und unterwegs entwickelt und für die Leiter*innen bereitgestellt. Eine Methode, um die Grob- und Feinmotorik, Sprache und Wahrnehmung Zuhause zu fördern, sind beispielsweise Fingerspiele und Reime. Ein Beispiel für unterwegs stellt die Buchstabendjagd dar. Hierbei gehen die Kinder mit ihren Eltern und/oder pädagogischen Fachkräften auf Erkundungstour und entdecken Buchstaben, Zeichen und Piktogramme, die abgemalt werden können und anschließend für Geschichten die Fantasie anregen. Ebenso soll durch die Elternabende erreicht werden, dass betroffene Eltern behutsam ermutigt werden, Lesen und Schreiben zu lernen, z. B. durch den Besuch der Volkshochschule. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnten nur wenige Elternabende in der angedachten Form stattfinden. Mit Freude wurden die zugearbeiteten Materialien an Eltern digital weitergeleitet, beziehungsweise sollen bei der Durchführung von zukünftigen Elternabenden verwendet werden.

Um die Projektergebnisse weiter zu verstetigen und zu verbreiten, wurde die bereits vorhandene Praxisbroschüre „Family-Literacy in der Kita. Methoden der ganzheitlichen Förderung von Schrift und Sprache“ (erstellt im Projektjahr 2018) erweitert und neu aufgelegt. Die angefertigte Broschüre beinhaltet neben Methoden und Ansätze zur Literalitätsförderung in der Kindertageseinrichtung, Anregungen für unterwegs und zuhause sowie weiterführende Hinweise für pädagogische Fachkräfte und Eltern, etwa die Alpha Initiative der Thüringer Volkshochschulen und das ALFA Telefon, sowie Literaturempfehlungen zum Thema. 500 Exemplare werden den beteiligten Einrichtungen und interessierten Kitas zur Verfügung gestellt.

Die Begeisterung und Zufriedenheit der teilnehmenden Kindertagesstätten mit der Durchführung des Projektes dokumentiert sich unter anderem in der hohen Teilnehmer*innenzahl am digitalen Abschlusstreffen. Eine Einrichtungsleitung schrieb uns im Nachgang: „Sie haben sich so viel Mühe gegeben, bei der Vorbereitung, Organisation und Durchführung. Es ist momentan eine verrückte Zeit und ich hoffe, dass es bald wieder ruhiger wird. Sollte es 2021 eine Verlängerung oder Neuauflage zum Thema (…) geben, wären wir gerne wieder mit dabei.“

Der Erfolg des Projektes zeigt sich darin, dass alle vorab definierten Ziele überwiegend planungsgemäß erreicht wurden. Durch das Projekt wurde unter anderem das Bewusstsein der pädagogischen Fachkräfte und Sprachfachkräften geschärft, ein Bindeglied zwischen der Kindertagesstätte und dem Elternhaus darzustellen. Ebenso wurde das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Alphabetisierung geschärft und damit ein bedeutsamer Beitrag zur Vermeidung von Bildungsbenachteiligungen geleistet. Eltern wurden für eine bewusste Förderung der sprachlichen und schriftsprachlichen Entwicklung zu Hause und unterwegs sensibilisiert und motiviert.

Das Projekt wird auch auf der Homepage des AWO-Bildungswerkes Thüringen und auf der Homepage des Bildungswerks im Bistum Erfurt vorgestellt.

https://awobildungswerk.de/startseite/

https://www.bistum-erfurt.de/bildung_kultur_engagement/bildungswerk/

Ein Projekt des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft BWTW e.V.

 

Rückblick

https://www.bwtw.de/netzwerk/auszeichnungen/bereiche-inhalte/lesecafe

 

Lesecafé Erfurt

Ausgangslage/ Projektumsetzung:

Im zweiten Jahr der Projektförderung konnte sich das Lesecafé in der Außenstelle Erfurt trotz der Corona-Pandemie etablieren. Unser Ziel war es, mit dem Lesecafé ein Angebot zu schaffen, welches der Zielgruppe der funktionalen Analphabeten einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglicht. Auf Grund unserer Tätigkeiten in einem Bundesprojekt zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung sowie dem Landesarbeitsmarktprogramm Thüringen, bestehen vielseitige Kontakte zu Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben und zur Zielgruppe der sekundären und funktionalen Analphabeten zählen.

Bedingt durch die Corona-Pandemie im Frühjahr sowie ab November 2020 konnten wir nicht alle geplanten Veranstaltungen im Jahr 2020 durchführen.

Rahmenbedingungen des Lesecafès:

Aufgrund der Rückmeldungen von Besuchern aus dem Jahr 2019 entschlossen wir uns, das Lesecafé in Erfurt aufzuteilen. So finden die Besucher im Erd- wie auch im Obergeschoss der Außenstelle ein Lesecafé vor. In beiden Räumen ist eine kleine Bibliothek mit unterschiedlicher Literatur vorhanden. Neben Romanen, Krimis und Sachbüchern findet man auch Literatur in leichter Sprache. Die Besucher können Bücher einfach mitnehmen oder auch Bücher abgeben. Buchspender erhalten eine Danksagung des BWTW.

Ebenfalls ist in jedem Lesecafé ein PC-Arbeitsplatz zur Möglichkeit der selbstständigen Recherche, zum Schreiben von Briefen und Texten oder zum Online Lernen vorhanden. 

Das Lesecafé in Erfurt hat von Dienstag bis Donnerstag jeweils von 9:00 bis 12:00 Uhr geöffnet. Telefonisch konnte selbstverständlich ein Termin auch außerhalb dieser Zeiten vereinbart werden. Die offene Bibliothek stand während der regulären BWTW Öffnungszeiten für Interessierte zur Verfügung.

Corona-bedingte Schließungen:

Während der Corona-bedingten Schließung der Außenstelle für den Besucherverkehr und der Absage von Gruppenangeboten, konzentrierten sich die Mitarbeiter auf die Überarbeitung der Homepage und erstellten einen YouTube-Film über die Angebote und Möglichkeiten des Lesecafé Erfurt. Der Film ist auf der Homepage des BWTW wie auch bei LOFT e.V. eingestellt.  

Zeitgleich wurde an zwei Web-Seminaren für die Zielgruppen der Beratungsstellen und Multiplikatoren gearbeitet. Diese Webseminare sollen geplant im Frühjahr 2021 online durchgeführt werden. Das erste Webseminar wird die AlphaLevels näher vorstellen. Das zweite beschäftigt sich mit dem Thema „Funktionale Analphabeten erkennen und ansprechen“.

Weltalphabetisierungstag:

Am 8. September 2020 führten wir zum Weltalphabetisierungstag einen „Büchertausch“ durch. Zwischen 9 Uhr und 14 Uhr konnten sich Besucher Bücher kostenfrei mitnehmen bzw. Bücher auch tauschen. 

Drei Personen spendeten uns an diesem Tag auch Bücher.

Öffentlichkeitsarbeit/ Netzwerkarbeit:

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit zur Bewerbung unseres Angebotes wurden Postkarten und Plakate genutzt. Die Projektmitarbeiterin informierte zusätzlich in sozialen und öffentlichen Einrichtungen der Stadt über das Lesecafé und kontaktierte vorhandene Netzwerke, um über das Angebot zu informieren.

Geplant war 2020 auch wieder die Teilnahme an der Job Messe Erfurt, welche aufgrund der Corona-Pandemie allerdings abgesagt wurde. Auch weitere Präsenzmessen (Jobfinder) und Netzwerktreffen (AlphaBündnis, Lokales Bündnis für Familie) fanden nicht vollumfänglich statt.

Ebenfalls nutzten wir unsere Kontakte zu Menschen, die in der Vergangenheit Projekte und Maßnahmen in unserem Haus besucht hatten und sprachen sie gezielt an. So ist es uns durch die persönliche Ansprache von potentiellen Teilnehmenden gelungen eventuelle Hemmschwellen zu umgehen.

Im Rahmen der Netzwerkarbeit fanden auch Arbeitstreffen (virtuell, präsent) mit dem TVV und LOFT e.V. statt. Der Austausch über vielfältige Themen aus dem Bereich Alphabetisierung und Grundbildung fördert die Zusammenarbeit und zeigt die unterschiedliche und vielseitige Arbeit von Bildungsanbietern in Thüringen.

AlphaMobil in Erfurt

Am 14. Juli 2020 besuchte das ALFA Mobil die Stadt Erfurt. Aufgrund der Bauarbeiten am Anger wurde der Stand vor dem Hauptbahnhof Erfurt aufgebaut.

Aktives Ansprechen von Personen war aufgrund des Hygienekonzeptes und den Corona-bedingten Umständen nur schwer möglich.

Trotzdem konnten wir Gespräche mit Interessierten führen und diesen auch unsere Angebote zum Thema Lesen und Schreiben vorstellen. Besonders gute Resonanz erhielten die Materialien vom TVV mit Rätselaufgaben sowie die Postkarten mit Karikaturen des Bundesverbandes

Eine Auswertung zur ALFA Mobil Tour in Thüringen fand als Videokonferenz am 17.09.2020 statt. Die dortigen Rückmeldungen fließen in die Umsetzung für 2021 ein. Ebenso positiv ist der Austausch mit anderen Standorten des ALFA Mobil und anderen Akteuren zu bewerten. Das ALFA Mobil fördert die Sichtbarkeit des Themas und zeigt, dass wir in Thüringen sehr gute Angebote für Betroffene haben.

Angebote und Nutzung

Uns war es weiterhin wichtig, keine formalen Hindernisse für die Besucher des Lesecafé zu schaffen, sondern eine offene Willkommenskultur zu etablieren. Anmeldeformulare sind nicht notwendig. Ca. 4 bis 10 Besucher kamen 2020 wöchentlich ins Lesecafé. Manche Besucher kamen nur einmalig, der Großteil aber zwei- oder mehrfach. Drei Teilnehmer kamen regelmäßig und wurden bei der Verbesserung ihrer Lese- und Schreibfähigkeit unterstützt. Als Lehr- und Lernmaterial wurden beispielsweise Arbeitsblätter und auch Lernsoftware (Beluga, ich-will-lernen.de) eingesetzt.

In den individuellen Gesprächs- bzw. Beratungsanlässen wurden folgende Unterstützungsleistungen durch die Besucher angefragt:

  • Verstehen von Fach-Schreiben vom Jobcenter bzw. Leistungsbehörden
  • Verstehen von Arbeitsverträgen und Ausfüllen von Anmeldeformularen bezüglich Arbeitsaufnahme
  • Unterstützung bei der Beantwortung von Briefen (Vermieter, Jobcenter, Anwälte, Versicherungen, Gläubiger)
  • Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen (ALG II Antrag, Antrag Kindergeld)
  • Hilfe beim Ausfüllen von Onlineformularen (Bewerbungsportale)

 

Viele Gespräche hatten auch die Corona-Pandemie zum Thema. So wurden beispielsweise Verordnungen des Landes besprochen und erläutert. Die Informationen der Besucher zum Thema Corona beruhten, auch aufgrund der geringen Literarität, auf Radiobeiträgen und Fernsehen. Schriftliche Informationen wurden sehr selten zur Informationsbeschaffung genutzt. Lange Texte mit Verweisen auf andere Texte sind für funktionale Analphabeten nur bedingt nutzbar. Während der Pandemie wurden einige Texte auch in leichter Sprache verfasst (Bundesregierung, soziale Träger, Zeitungen), welche für die Gespräche und zur Information an die Besucher weitergegeben werden konnten.

 

Lesecafé Arnstadt

Ausgangslage/ Projektumsetzung:

In Arnstadt bieten wir bereits über Jahre Bildungsangebote auch für Menschen an, denen Lesen und Lernen fremd geworden ist, weil sie es entweder nie richtig beherrscht haben bzw. die wenigen Kenntnisse nicht angewandt wurden. Mit dem “Lesecafé“ unterbreiten wir nach wie vor ein Angebot, dass diese Menschen ohne sich schämen zu müssen, zum Lernen anhält, ihre Lesetechnik sowie die Schreibfähigkeit fördert. Sie können angeleitet oder in Eigeninitiative Kenntnisse festigen bzw. erweitern.

Rahmenbedingungen des Lesecafès:

Unseren Besuchern werden weiterhin Romane, Krimis und Sachbücher in leichter Sprache zur freien Nutzung angeboten, die der Verbesserung der Lese- und Schreibfähigkeit, sowie der intensiven Beschäftigung mit diesen Medien in einem ruhigen und angenehmen Umfeld dienen sollen. Ergänzt wird unser Angebot auch weiterhin durch diverse Lehr- und Lernmaterialien.

Die Außenstelle Arnstadt verfügt über eine umfassende kleine Bibliothek, die den unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen unserer Zielgruppe gerecht wird. Wie bereits im Sachbericht des Jahres 2019 beschrieben, nutzen unsere Besucher die Möglichkeit, Bücher aus unserem Inventar, die sie bereits im Lesecafé begonnen haben zu lesen und zu entleihen.

Geöffnet ist unser Angebot am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 14:00 bis 16:00 Uhr. Interessierte können in dieser Zeit ohne Anmeldung das Angebot nutzen.

Corona-bedingte Schließungen:

Aufgrund des Lockdown wurde unsere Außenstelle in Arnstadt in diesem Zeitraum für den Publikumsverkehr geschlossen. Wir entschieden uns, in dieser Zeit einen Ämter,- Behörden- und Institutionswegweiser in leichter Sprache für die Stadt Arnstadt zu erstellen. Hintergrund dieser Idee war der Umstand, dass uns in unserer täglichen Arbeit mit der Zielgruppe folgendes auffiel:

In Bezug auf den Umgang mit Ämtern und Behörden zeigten viele unserer Besucher starke Unsicherheiten hinsichtlich der Wirkungskreise und Aufgabenfelder ortsansässiger Ämter/ Behörden. Unser Ziel war es einen leicht verständlichen Wegweiser zu entwickeln und somit ein Instrument zu schaffen, dass Sicherheit im Umgang mit Ämtern und Behörden sowie im öffentlichen Raum bei unseren Besuchern erzeugt. Unter dem Titel „Meine Stadt - Arbeit, Bildung und Leben in Arnstadt“ ist diese Broschüre entstanden. In unserer täglichen Arbeit stellen wir sie unseren Besuchern zur freien Ansicht sowie als Exemplar zum Mitnehmen für zu Hause zur Verfügung. Auch wurden und werden weitere Broschüren unseren Kooperationspartnern zur Verteilung an Interessenten überreicht. Hintergrund ist hier, das Lesecafè weiter bekannt zu machen und dessen Besucherradius zu erweitern.

Weltalphabetisierungstag:

Am 8. September 2020 organisierten wir eine Buchlesung mit einem Arnstädter Autor. Der Autor bewegt sich mit seinen Werken im Bereich des Fantasy-Genres und hat bereits 5 Bücher veröffentlicht. Die Lesung wurde sowohl bei unseren ehemaligen und aktuellen Teilnehmern, als auch in Arnstadt und in den sozialen Netzwerken großflächig beworben, um ein breites Spektrum von Interessenten der Zielgruppe ansprechen zu können. Leider musste diese Veranstaltung kurzfristig aufgrund der Erkrankung des Autors abgesagt werden.

Öffentlichkeitsarbeit/ Netzwerkarbeit:

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden Postkarten und Plakate genutzt. Um den Bekanntheitsgrad des Lesecafés weiter auszubauen, führen wir ebenfalls in größeren Abständen Kooperationsgespräche mit sozialen Institutionen der Stadt Arnstadt, wie beispielsweise den MALTESERN, der LEBENSHILFE oder dem Marienstift, informieren über unsere Angebote und übergeben Flyer an die entsprechenden verantwortlichen Mitarbeitenden.

Auch nutzten wir weiterhin unsere Kontakte zu Teilnehmenden, die in unserem Haus Maßnahmen absolvierten und über geringe Lese/ Schreibkenntnisse verfügen. Betreffende Menschen wurden durch die Mitarbeiterin angesprochen und über Angebote des Lesecafés informiert.

AlphaMobil in Arnstadt:

Am 16. Juli 2020 besuchte das ALFA Mobil die Stadt Arnstadt. Aufgrund des Hygienekonzeptes und den pandemiebedingten Umständen ließ sich das direkte und persönliche Ansprechen von Passanten nur schwer umsetzen. Es konnten jedoch einige Gespräche mit Interessenten geführt werden, in denen wir unsere Angebote zu den Themen Lesen und Schreiben vorstellen konnten. Auch erwies sich der gewählte Standort „Am Hopfenbrunnen“ in Arnstadt als nur bedingt günstig. Die Auswertung der ALFA Mobil Tour in Thüringen fand als Videokonferenz am 17.09.2020 statt. Die dortigen Rückmeldungen fließen in die Umsetzung für 2021 ein.

Angebote und Nutzung:

Auch im Jahr 2020 nutzten ehemalige Teilnehmer, die wir durch unsere Integrationsmaßnahmen kennen, in größeren Abständen das Lesecafè.

Unter dem Motto: BUCHSTÄBLICH FIT- „gesund und kreativ“ entwickelten wir in der zweiten Jahreshälfte 2020 zudem ein neues wöchentliches Angebot. Interessierten Besuchern wird hier die Möglichkeit gegeben, sich auf kreative Art mit dem Medium Buchstaben auseinander zu setzen. In der Praxis bedeutet dies, unseren Besuchern wird einmal die Woche die Möglichkeiten gegeben, mit Farben Bilder auszumalen die aus Sprüchen oder Buchstaben bestehen.                                                                       

In persönlichen Gesprächen wurden folgende Themen durch die Besucher angefragt:

  • Verstehen von Schreiben des Jobcenters oder der Rentenversicherung
  • Ausfüllen von Formularen (Rentenversicherung, Agentur für Arbeit)
  • Unterstützung bei der Beantwortung von Briefen (Vermieter, Jobcenter, Krankenkasse)
  • Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen (ALG II Antrag, Antrag auf Übergangsgeld)
  • Formulierung von Bewerbungsanschreiben

 

Auch das Thema der Pandemie begleitete uns im Jahr 2020 während unserer Arbeit mit den Besuchern des Lesecafés. Einige unserer Besucher zeigten Unsicherheiten im Verstehen der Verordnungen der Landes- und Bundesregierung. Dies wurden mit den Besuchern im Lesecafé besprochen und ihnen erklärt.

Resümee und Ausblick:

Genutzt wird das Lesecafé von unseren Besuchern und Teilnehmern wie bereits in den vergangenen Jahren um sich zu entspannen und dabei in der vorhandenen Literatur zu „stöbern“, Zeitung zu lesen oder Recherchen am PC zu betreiben, bei der Unterstützung notwendig ist.

Wie auch in den Jahren 2018 und 2019 kontaktieren uns Menschen, die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen öffentlicher Behörden benötigen, beziehungsweise deren Lesekenntnisse nicht ausreichen, um Behördenbriefe und Bescheide zu verstehen. Durch das in diesem Jahr entstandene Produkt „Meine Stadt - Arbeit, Bildung und Leben in Arnstadt“ ist es uns möglich, hier bereichsübergreifend und in leichter Sprache zu informieren und zu beraten. Der von uns angebotene Kurs BUCHSTÄBLICH FIT - „gesund und kreativ“ bildet die Schnittstelle zwischen spielerisch kreativ werden und sich dabei intensiv mit dem Medium Buchstaben zu beschäftigen.

Weiterbildung:

Folgende Weiterbildungen wurden durch die Mitarbeiterinnen besucht:

  • Weiterbildung systemische Beratung am 10./11.01.2020 (Veranstalter BWTW)
  • Lernprozessbegleiter vom 15.01.-19.02.2020 (mehrere Einzeltermine) (Veranstalter Bildungswerk der bayrischen Wirtschaft)
  • Lerntutorials in der Grundbildung erstellen am 06.07./ 13.07./ 28.09.2020 (Veranstalter AEWB)
  • Einsatz digitaler Medien bei Geringqualifizierten am 28.08./04.09.2020 (Veranstalter IW Köln)
  • Grundbildung als Herausforderung für Bildungs- und Sozialarbeit am 15.09.2020 (Veranstalter TVV)
  • Digitaler Fachtag – nachhaltig vernetzt am 18.11.2020 (Veranstalter Orbit Thüringen)
  • Expertenworkshop „Vom Angebot zur Nachfrage“ am 02.12.2020 (Veranstalter Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung)

 

Besonders hervorzuheben ist der Vortrag von Frau Prof. Grotlüschen. Sie bestätigte in ihrem Vortrag, dass gering literalisierte Erwachsene in vielen Bereichen der Gesellschaft zu finden sind. Zudem sei es wichtig, niedrigschwellige Erstangebote – gerade im Bereich der sozialen Arbeit – zu etablieren und dort mit Bildungsangeboten anzusetzen.

www.bwtw.de

Ein Projekt der Landvolkbildung Thüringen

 

Rückblick

 

Obwohl auch im ländlichen Raum die Menschen manchmal nicht in der Lage sind, die Schriftsprache im Alltag so funktional anzuwenden, gab es bisher im Landkreis Sonneberg kaum niederschwellige und kleinschrittige Angebote für funktionale Analphabeten. Sodass Lücken, im Verständnis großer Texte oder Tabellen, bei den Bertoffenen bestehen blieben und sie oder ihre Angehörige nicht wussten an wen und wo sie sich hinwenden können. Mit unserem kleinen Angebot „Kleines Lesecafe Sonneberg" konnten wir durch regelmäßige offene und leicht zugängliche sowie in der Innenstadt zentral gelegene Angebote Vertrauenspersonen wie Familienangehörigen, Freunden und Arbeitskollegen über uns selbst, als auch über unser Netzwerk aus sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen erreichen. Durch Werbung (Aushänge und Rundmails, auch von Mund-zu Mund Mitteilung) und kleine öffentliche Aktionen war es uns möglich, uns und unsere Arbeit vorzustellen und Menschen zu helfen.


Unsere Veranstaltungsübersicht zeigt, dass wir in fast einem Projektjahr (mit Ausnahme des 1. Lockdown-Monats Mitte März bis Mitte April) viele Veranstaltungen umsetzen konnten. Ursprünglich war das Projekt bis November 2020 geplant. Durch die versäumten Wochen im März-April 2020 haben wir das Projekt bis Dezember 2020 umgesetzt. überwiegend wurden unsere Angebote von uns bekannten funktionalen Analphabeten besucht oder jenen, welche durch unsere Netzwerke auf uns aufmerksam geworden sind. Angehörige hatten in einer Veranstaltung im Mai 2020 die Möglichkeit einem freien Vortag von Frau Pfeffer zu lauschen und im Anschluss daran die Angehörigenberatung in Anspruch zu nehmen, was auch gut, erstaunlicherweise jedoch von der Genration 50+, angenommen wurde. In der gesamten Projektlaufzeit wurden, unter Einhaltung unseres Hygienekonzeptes, folgende Veranstaltungen umgesetzt:

  • 123 UE / Stunden Schreibwerkstatt
  • 87 Stunden Offene Beratung
  • 10 Stunden Offener Treff
  • 5 zusätzliche Angebote für Arbeitnehmer und Arbeitssuchende mit Lese- und Schreibschwäche durch Herrn Kuntzsch
  • 1 Angebot zum sprachsensiblem Bewerbertraining durch Herr Schmitt
  • 5 Angebote in speziellen Einzelfällen - Einzelunterricht durch Frau Pfeffer
  • 1 Tag Vortrag und Workshops für Angehörige durch Frau Pfeffer
  • 1 Tag Beratungsangebote für Angehörige im Nachgang zum Vortrag und Workshop
  • 1 Werbeaktion zum Welt-Alpha-Tag
  • 1 Offene Beratung mit individuellem Angebot für Frauen

 

Im April boten wir die Schreibwerkstatt über unsere Homepage und unsere Facebookseite an. Die Hilfe bei der Erstellung von Anschreiben und beim Ausfüllen von Anträgen im Rahmen der Schreibwerkstatt sowie die offene Beratung erfolgte in diesem Monat noch per Telefon und digitaler Medien (Messenger). Erstaunlicherweise kamen hier die meisten Anfragen zum Thema und Projekt von jungen Menschen U30 und von jungen Migranten die um Hilfe baten.
Nicht enthalten in dieser Aufzählung sind die vielen Stunden der Öffentlichkeitsarbeit und der Kooperation mit dem Alphamobil, welches zu einer Veranstaltung nach Sonneberg kommen sollte. Aufgrund der vielen Auflagen des Marktwesens der Stadt Sonneberg und des engmaschigen Terminplanes des Alphamobils konnte in 2020 kein Termin gefunden und musste somit auf 2021 verschoben werden.

Mindestens einmal im Monat wurde mit den Mitarbeiterinnen und dem freien Personal eine Teamveranstaltung zum Verlauf des Projektes, zur Umsetzung der Maßnahmen und zur Auswertung/ Reflexion der eigenen Arbeit durchgeführt. Hier konnten Erfolge mitgeteilt, aber auch Sorgen und Nöte preisgegeben und Themen konstruktiv diskutieret werden. Für diese Teamveranstaltungen hat keiner der Teilnehmerlnnen Stunden berechnet oder aufgeschrieben.

Ebenfalls haben wir es uns zur Aufgabe gemacht uns selbst weiterzubilden und zu entwickeln, was die Themen und Methodik in der Alphabetisierungsarbeit betreffen. Am 30.09.2020 wurde eine interne Weiterbildung durch Frau Gögel - als Multiplikator - zum Thema Gewaltfreie Kommunikation in der täglichen Arbeit und in schwierigen/konflikthaften Gesprächssituationen umgesetzt. Am 15.11.2020 berichtete Frau Pfeffer - als Multiplikatorin - von ihrer Weiterbildung am 13.+14.11.2020 in Weimar zum Thema neue Methoden in der Alphabetisierungsarbeit. Durch die aktuellen Anforderungen in der heutigen Gesellschaft und Pandemiesituation empfanden wir es gleichwohl als wichtig, uns im Thema Digitalisierung in der Alphabetisierungsarbeit weiterzubilden. Durch Frau Gögel, in Kooperation mit Herrn Schmitt, wurde hier eine kleine interne Weiterbildung am 30.11.2020 umgesetzt.

Unsere Erfolge im Projekt waren die vielen einzelnen Veranstaltungen und offenen Angebote, welche wir doch mit gutem Zuspruch der Zielgruppe umsetzen konnten sowie die gute Zusammenarbeit der Mitarbeiter untereinander, die gute Abstimmung und die tolle Kooperation mit unseren Netzwerkpartnern. Unsere Ziele für das kommende Projekt sind:

  • die bisherigen Veranstaltungen weiterhin anzubieten
  • das Alphamobil nach Sonneberg zu holen
  • ein Kooperationstreffen zu ermöglichen
  • weitere Wege zu finden, um die Zielgruppe direkt und digital anzusprechen.

 

Wir wollen mit der Fortführung des Lesecafes weiterhin mehr Menschen erreichen und die Alphabetisierungsarbeit im ländlichen Raum ausbreiten.

https://landvolkbildung.de/

Ein Projekt des Bildungswerkes ver.di Thüringen

Fortsetzung der Sensibilisierungsmaßnahmen für gesetzliche Interessenvertretungen/ Schlüsselpersonen
in Thüringen (Betriebs- und Personalräte) zur Identifizierung von funktionalen Analphabeten
in Betrieben und Einrichtungen und deren Vermittlung in Schulungsmaßnahmen

 

Rückblick

Ziel:

  • Schwerpunkte des Projektes waren, auch bezugnehmend auf den Alpha-Workshop des TVV e.V. vom 09.09.2020, die Sensibilisierung des mitwissenden Umfelds zum Erkennen der Problematik, die einfühlsame Ansprache betroffener Personen

 

Durchgeführte Arbeiten:

  • Aufklärung von 69 Schulungsteilnehmern (pandemiebedingt) aus 40 Arbeitsstellen (9 31 Dienststellen, 9 Betriebe) innerhalb von 9 mehrtägigen Bildungsveranstaltungen des Bildungswerkes ver.di Thüringen e.V. im Rahmen von Sensibilisierungs-Inputs
  • Entwicklung und Anpassung des vorhandenen Materials mit Schwerpunkt Selbsterfahrung und Reflexion von Schlüsselpersonen unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der LEO-Studie 2018
  • Informationen, Hinweise zu Kontakten + Ansprechpartner*innen verschiedener Alphabetisierungsmaßnahmen auf der Homepage des Bildungswerkes ver.di Thüringen e.V.
  • Vernetzung und inhaltlicher Austausch zu und mit bestehenden Angeboten im Rahmen des Alpha- Bündnisses und des MENTO-Projektes (TVV e.V., DGB, BWTW)

 

Qualifikation der Lehrenden:

  • 14.07.2020 MENTO- online-Schulung LEO- Studie 2018
  • 09.09.2020 Workshop des TVV e.V. „Ansprache und Teilnehmergewinnung in der Alphabetisierung und Grundbildung“

 

Erfolg:

  • direkte Information und aktive Selbsterfahrung, Reflexion der Schlüsselpersonen und somit nachhaltig direkte Kontaktmöglichkeiten in Unternehmen/Dienststellen über Betriebsrät*innen, Personalrät*innen und Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen
  • Etablierung des Themas „funktionaler Analphabetismus“ unmittelbar im Arbeitsumfeld betroffener Personen

 

Auswirkungen:

  • Verständnisvolle Ansprache betroffener Kolleg*innen durch Schlüsselpersonen/ gesetzliche Interessenvertretungen
  • Erleichterung der Identifizierung Betroffener und damit deren Vermittlung in Alphabetisierungskurse durch den Erwerb von Informationen, Hinweisen, die auf einen Grundbildungsbedarf hinweisen.

 

https://www.verdi-bildungswerk.de/


Veranstaltungen 2019

  • "Was du liest, gehört dir" - Ansätze zu (Eltern-)Arbeit in der Kita / Methodenentwicklung, Schulungen / Erfurt und Umgebung / AWO Bildungswerk Thüringen
  • Alpha-Café / Schulung, Lese-Café / Jena / AG Regionale Bildung
  • Offenes Lese- und Lerncafé / Vorträge, Veranstaltungen, Lese-Café / Arnstadt / Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft
  • Maßnahmen zur Umsetzung von Alphabetisierungsarbeit mit Menschen mit kognitiver Einschränkung / Multiplikatorenschulung, Seminarreihe / Eisenach / Diakonisches Bildungsinstitut J. Falk
  • Funktionaler Analphabtismus - Sensibilisierung in der Arbeitswelt / Schulung, Evaluation, Infobriefe / Thüringen / DGB Bildungswerk Thüringen
  • Sensibilisierung für gesetzliche Interessenvertretungen in Thüringen beim Umgang mit funktionalen Analphabeten / Schulung / Thüringen / Bildungswerk ver.di Thüringen

Der Thüringer Volkshochschulverband TVV e.V. hat zusammen mit den Volkshochschulen Jena, Weimarer Land und Saalfeld-Rudolstadt einen Kurzfilm zum Thema erstellt. Dieser gibt u.a. einen Eindruck, was es bedeutet, heute in Deutschland nicht ausreichend lesen und schreiben zu können, an wen sich die Kurse im Bereich Alphabetisierung / Grundbildung richten und welche Veränderungen sie im Leben der Teilnehmer bewirken können. Der Film soll Betroffenen Mut machen, Schlüsselpersonen sensibilisieren und einen Eindruck in das Kursgeschehen bieten.

Kurzversion (6:38 min)

Langversion (12:50 min)


Kooperationsprojekt Grundbildung

Konzepte zur Grundbildung stehen oft im Zusammenhang mit der traditionellen Alphabetisierungsarbeit. Der Begriff Grundbildung geht jedoch darüber hinaus, denn nicht nur schriftsprachliche Kompetenzen sind von zentraler Bedeutung, um sich in unserer modernen Gesellschaft zurecht zu finden. Zunehmend sind auch komplexe Fähigkeiten und Fertigkeiten in nahezu allen Lebensbereichen erforderlich, um mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen Schritt zu halten. Dies macht es schwierig, zu einer allgemein akzeptierten Definition von Grundbildung zu gelangen. Der Aspekt der Integration aller Menschen in die Gesellschaft spielt jedoch in allen Ansätzen eine zentrale Rolle. An diesem Punkt setzten die freien Träger der Erwachsenenbildung an: Grundbildung für Erwachsene dient dem Erwerb grundlegender Kompetenzen, die für die eigenständige Gestaltung des Lebens, für Teilhabe und aktives Handeln in unserer Gesellschaft notwendig sind.

Im Rahmen des Kooperationsprojektes 2015 haben sich unter dem Dach von LOFT fünf unterschiedliche Erwachsenenbildungseinrichtungen zusammengetan, um ihre Arbeit in diesem Bereich zu präsentieren und weiterzuentwickeln. Die vorgestellten Maßnahmen zeigen nicht nur die Notwendigkeit, sondern vor allem die Fähigkeit, lebenslang und lebensweit zu lernen.

Publikationen zum Thema

Dokumentation einer Kooperation zur Grundbildung

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