Zehn Jahre nach der Einführung des Thüringer Bildungsfreistellungsgesetzes ziehen der DGB Hessen-Thüringen, die Landesorganisation der freien Träger der Erwachsenenbildung Thüringen (LOFT) e.V. und das DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. eine positive Bilanz. Bildungsfreistellung hat sich als wichtiger Baustein für lebenslanges Lernen, berufliche Weiterbildung, demokratische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement bewährt.
Renate Sternatz, stellvertretende Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, erklärt: „Zehn Jahre Bildungsfreistellung sind eine Erfolgsgeschichte. Sie stärkt Beschäftigte, unterstützt Betriebe bei der Fachkräftesicherung und fördert gesellschaftliche Teilhabe. Jetzt gilt es, das Gesetz weiterzuentwickeln: Auszubildende sollten künftig ebenfalls Anspruch auf fünf Tage Bildungsfreistellung pro Jahr haben. Außerdem muss der Anspruch für alle Beschäftigten gelten – unabhängig von der Größe ihres Betriebs.“
„Bildungsfreistellung ist ein wichtiges Instrument der Erwachsenenbildung in Thüringen“, sagt Lisa Schwörer von der Landesorganisation der freien Träger der Erwachsenenbildung Thüringen (LOFT) e.V. „Sie schafft Möglichkeiten für lebenslanges Lernen, berufliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe. Sie bringt Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht den Blick über den eigenen Tellerrand. Damit stärkt sie Beschäftigte, Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der gesellschaftspolitischen Bildung kommt dabei eine besondere Rolle zu – sie trägt zur kritischen Urteilskraft von Menschen bei und ist für eine Demokratie unerlässlich.“ „Als DGB-Bildungswerk begleiten wir die Bildungsfreistellung seit ihrer Einführung mit eigenen Angeboten. Wir erleben dabei, wie Beschäftigte die Möglichkeit nutzen, ihr Wissen und ihre Kompetenzen zu erweitern und sich mit aktuellen Fragen aus Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Bildungsfreistellung ist kein zusätzlicher Urlaub, sondern eine Investition in Wissen, Teilhabe und die Zukunft unseres Landes“, betont Frank Lipschik, Bildungsreferent des DGB-Bildungswerks Thüringen e.V.
DGB, DGB-Bildungswerk und LOFT e.V. sprechen sich deshalb für eine Weiterentwicklung des Thüringer Bildungsfreistellungsgesetzes aus. Neben einem Anspruch von fünf Tagen für alle Beschäftigten und Auszubildenden fordern sie eine bessere finanzielle Unterstützung von Menschen mit geringem Einkommen, eine dauerhafte Bildungsberatung für Beschäftigte sowie eine stärkere Öffnung der Bildungsfreistellung für ehrenamtliches Engagement in der Jugendbildung. Ziel müsse es sein, den Zugang zu lebenslangem Lernen weiter zu erleichtern und Bildungsfreistellung für mehr Menschen in Thüringen nutzbar zu machen.“
[Erfurt, 13.08.2026] DGB Hessen-Thüringen, LOFT e.V. und DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.
Entwicklung der Inanspruchnahme der Bildungsfreistellung durch Arbeitnehmende in Thüringen
Inzwischen nutzen ca. 0,36% der Beschäftigten in Thüringen die Bildungsfreistellung. Im letzten Erhebungszeitraum (01.10. bis 01.04.2026) nutzten 3637 Beschäftigte in Thüringen das Angebot.

Quelle: Auswertung des TMBWK zum letzten Stichtag 01.04.2026 – Stand 11.08.2026